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Das iPhone wird fünf

09.01.2012 | 17:15 Uhr |

Vor fünf Jahren zog Steve Jobs das iPhone aus der Tasche und lästerte über die Milliardenbranche der Handyhersteller – die dem Computerhersteller Apple fortan hinterher liefen.

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© Apple

Es ist das "One more thing" der Macworld-Keynote am 9. Januar 2007: Das iPhone. Es ist die vielleicht beste aller Jobs-Keynotes: Pointiert, mehr als selbstbewusst und dazu unterhaltsam. "Heute stellen wir drei neue Geräte vor: einen iPod mit Touchscreen, ein Handy und ein revolutionäres Internetgerät." Jobs wiederholt diese drei Aussagen, bis der Groschen im Saal gefallen ist: es geht um ein einziges Gerät, das iPhone. Dies in einer Zeit, in der die smartesten Handys Nokia E 71 oder Palm Treo 700 heißen und zwar UMTS und WLAN bieten, aber mit goßen Tastaturen und eher kleinem Display daher kommen – das man, falls überhaupt Touch-fähig, per Stylus bedienen muss. Im Massenmarkt sind dagegen Kamerahandys der neuste Schrei.

Steve Jobs zerpflückt den Status Quo der Handyentwicklung in der Keynote genüsslich und zeigt das, was die Konkurrenz nach eigener Aussage für technisch unmöglich hält : ein Handy, das fast nur aus einem großen Touchscreen besteht und so, wie Jobs erklärt, die beste Flexibilität für Anwendungen bietet. Erst im Nachhinein offenbart sich, wie groß der Sprung durch Apples Smartphone-Vorstoß tatsächlich ist.

Zunächst gibt die Konkurrenz sich demonstrativ gelassen und verteidigt die fummligen Systeme Symbian oder Windows Mobile. Das bekannteste Beispiel ist Microsoft-CEO Steve Balmer , der auf die Frage nach seiner Meinung zum iPhone laut lachte "500 Dollar für ein Handy mit Vertrag? Außerdem ist es unattraktiv für berufliche Nutzer, weil die Tastatur fehlt!" Die Reaktionen anderer Konkurrenten klangen ähnlich. Keiner wollte sich öffentlich vorstellen, dass das iPhone ein Erfolg werden könne.

Paradigmenwechsel

Das iPhone hat den Kulturwandel in die Handybranche gebracht, den zuvor die Hersteller von MP3-Playern über Jahre verpasst hatten, bis Apple dieses Marktsegment dominierte: Die Geräte der Konkurrenz hatten ähnliche oder bessere technische Daten und waren meist billiger, das sollte doch reichen. Es reichte nicht. Auch bei den Smartphones zeichnete sich ein ähnlicher Verlauf ab. Das iPhone wurde wegen fehlender Ausstattung (MMS, UMTS, GPS) belächelt, aber nicht als Gesamtkonzept betrachtet. Apple stellt das Nutzererlebnis (User experience) in den Mittelpunkt, nicht die schiere Featurezahl.

Beispiele: Die Integration in die vom iPod bekannte iTunes-Umgebung. Ein Multitouch-Glasbildschirm, der Inhalte und Oberflächen endlich intuitiv greifbar macht – dies zeigt sich besonders bei der Anwendung für Google Maps oder bei Webseiten. Dazu übersichtlich strukturierte Anwendungen für E-Mail, Einstellungen und das Web.

Die Konkurrenz dagegen versenkt Milliarden auf der Suche nach einer zukunftsfähigen Smartphonestrategie. Stichworte wie Symbian, Meego, Bada, Web OS und Windows Mobile 6.5 waren teure Strohhalme. Erst mit den neueren Versionen von Android oder Windows Phone sind Systeme bei der Konkurrenz entstanden, die auch iPhone-Fans anerkennend abnicken. Alte Veteranen wie RIM (Blackberry) straucheln dagegen immer mehr.

Was das iPhone bewegt hat

Das iPhone ist und war bei weitem nie perfekt, hat zudem schon lange starke Konkurrenz bekommen. Aber erst in der Rückschau zeigt sich, was dieses Apple-Smartphone in der Branche und im Alltag bewegt hat: große Touchscreen-Handys sind Standard und ein "Touchscreen" benötigt heute keinen Bedienstift mehr. Datenflatrates sind bei allen Netzbetreibern zu bekommen. Es gibt Hunderte Millionen Anwendungen für Smartphones, die den Alltag der Anwender erleichtern.

Dies alles beginnt Anfang 2007 auf der Bühne des Moscone Centers in San Francisco:

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