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Intel verdient besser denn je

14.01.2011 | 07:19 Uhr |

Intel hat das Jahr 2010 mit Rekordzahlen abgeschlossen. 2011 soll sogar noch besser laufen. Dabei steht der Branchenprimus vor einer Bewährungsprobe: Neue mobile Geräte wie Apples iPad nagen am klassischen PC-Geschäft

Intel Hauptsitz Santa Monica
Vergrößern Intel Hauptsitz Santa Monica

Intel eilt von Rekord zu Rekord: Im Schlussquartal rissen die Kunden dem Branchenprimus die Prozessoren förmlich aus der Hand. Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 Prozent auf 11,5 Milliarden Dollar (8,6 Mrd Euro). Der Gewinn stieg sogar um 48 Prozent auf unterm Strich 3,4 Milliarden Dollar.

"2010 war das beste Jahr in Intels Geschichte", sagte Konzernchef Paul Otellini am Donnerstag am Firmensitz im kalifornischen Santa Clara. "Wir glauben, das 2011 sogar noch besser wird." Die Anleger hatten mit einem derart guten Abschneiden nicht gerechnet und ließen sich von der Euphorie mitreißen. Nachbörslich stieg die Aktie um knapp 3 Prozent.

Während sich die Privatkunden am Ende des Jahres etwas zurückhielten, griffen die Firmenkunden nach den Worten von Finanzchef Stacy Smith weiter beherzt zu. Vor allem die Prozessoren für Großrechner hätten sich blendend verkauft, sagte Smith. In der Wirtschaftskrise hatten viele Unternehmen an der Computerausstattung gespart. Nun haben sie Nachholbedarf.

Ob der Boom indes anhält, ist allerdings ungewiss: Wie der Marktforscher Gartner festgestellt hat, greifen vor allem die Privatkunden verstärkt zu einem Tablet-Computer mit berührungsempfindlichem Bildschirm statt zu einem klassischen Heim-PC oder Notebook. Apple hatte den Umbruch mit seinem iPad angestoßen, mittlerweile gibt es eine wahre Flut an Geräten.

Und hier fangen die Probleme von Intel an: Der Chipriese, der rund 80 Prozent des PC-Marktes beherrscht, hat den Wandel hin zu kleinen, mobilen Geräten verschlafen. Fast alle Smartphones und der Großteil der Tablet-Computer laufen mit Prozessoren des britischen Entwicklers ARM. Dessen Chips verbrauchen deutlich weniger Strom als die Intel-Pendants - wichtig bei den neuen mobilen Geräten mit ihren oftmals schwachen Akkus.

Wie bedeutsam ARM mittlerweile geworden ist, zeigte die Ankündigung des weltgrößten Software-Herstellers Microsoft, die nächste Generation des PC-Betriebssystems Windows werde auch auf den Chips der Briten laufen. Intel selbst scheint sich ebenfalls unsicher, wohin die Reise geht und prophezeit für das laufende Quartal einen Umsatz zwischen 11,1 und 11,9 Milliarden Dollar.

Mit Zukäufen versucht Intel, den Anschluss wiederzufinden. So übernimmt Intel unter anderem die Mobilfunk-Sparte von Infineon für 1,4 Milliarden Dollar . Die Münchener stellen fast das komplette Innenleben eines Handys her. Zudem will Intel die Grafiktechnik des Spezialisten Nvidia in seinen Chips verwenden und blättert für die nötigen Lizenzen 1,5 Milliarden Dollar hin.

Der kleinere Rivale AMD hat noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Weil Intel den PC-Markt seit Jahren fest im Griff hat, laufen anhaltend Verluste auf. Derart geschwächt muss sich AMD nun auf die Umbrüche hin zu mobilen Geräten einstellen. Konzernchef Dirk Meyer schien dieser Aufgabe nicht gewachsen. Er ging am Dienstag.

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