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Telekom verliert weniger Festnetzkunden

07.08.2009 | 07:26 Uhr |

Die Deutsche Telekom hofft nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr auf den Rest des Jahres. «Wir haben immer noch viel Arbeit vor uns, um die Prognose zu erreichen», sagte Telekom- Finanzchef Timotheus Höttges am Donnerstag.

Harte Kosteneinsparungen halfen im zweiten Quartal, die Entwicklung etwas zu stabilisieren. Im April hatte der Konzern seine Gewinnerwartungen für 2009 wegen einer schwächer als erwarteten ausgefallenen Entwicklung in den USA, Großbritannien und Polen gekappt. Die Zahl der Festnetzanschlüsse in Deutschland sank im zweiten Quartal deutlich geringer um 470 000 auf rund 27 Millionen. Im Vorquartal hatte es noch einen Rückgang um 600 000 Anschlüsse gegeben.

Auf dem Heimatmarkt kämpft der Ex-Monopolist wegen des harten Preiswettbewerbs und regulatorischer Einschnitte unterdessen weiter mit sinkenden Umsätzen. Im Vergleich zum Hauptkonkurrenten Vodafone habe sich die Telekom im Mobilfunk aber gut geschlagen, sagte Commerzbank-Analyst Heike Pauls.

Insgesamt steigerte die Telekom im zweiten Quartal ihren Umsatz und operativen Gewinn dank ihrer griechischen Telekomgesellschaft OTE. Der Umsatz legte um 7,4 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro zu, das bereinigte EBITDA (Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) stieg um 8,4 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Ohne den Beitrag der griechischen Telekomgesellschaft, an der die Telekom seit Ende Juli 30 Prozent plus eine Aktie hält, wären Umsatz und Gewinn gesunken. Auch für das Gesamtjahr rechnet Höttges ohne den erhofften OTE- Beitrag von zwei Milliarden Euro mit einem EBITDA-Rückgang von zwei bis vier Prozent. Unterm Strich verbuchte der Ex-Monopolist einen Gewinn von 521 Millionen Euro nach 394 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Im DSL-Geschäft kam die Telekom mit 245 000 neuen Kunden auf einen Neukundenmarktanteil von 59 Prozent. Insgesamt liegt die Zahl der DSL-Anschlüsse bei 11 Millionen. Im dritten Quartal rechnet Obermann wegen auslaufender Verträge mit steigenden Kündigungszahlen.

In den USA, Großbritannien und Polen hatte die Telekom wie angekündigt an der Kostenschraube gedreht und ihre Margen verbessert. In den USA waren die Kosten um 300 Millionen Dollar zurückgefahren worden. «Diese Gegensteuerung wird sich im zweiten Halbjahr weiter auszahlen», sagte Konzernchef René Obermann. Trotzdem rechnet er im US-Geschäft, dem wichtigsten Wachstumstreiber des Konzerns, im laufenden Quartal noch nicht mit einer Trendwende. Er sehe beim Absatz noch nicht die Entwicklung, die er sich wünsche. Auf Dollarbasis stagnierten die Umsätze. Höttges will möglicherweise noch einmal an den Investitionen drehen. Im April hatte der Finanzchef wegen der unsicheren Entwicklung nach der Gewinnwarnung eine Milliarde Euro an geplanten Investitionsausgaben eingefroren. Insgesamt will die Telekom in diesem Jahr 9 Milliarden Euro investieren. Ein Großteil davon gehe in die USA. Dort treiben die Bonner derzeit den Ausbau ihres Mobilfunknetzes voran, um ihre Wettbewerbsposition zu verbessern und den Umsatz mit mobilen Datendiensten anzukurbeln.

Die seit Wochen schwelenden Spekulationen über einen Verkauf ihrer Mobilfunktochter in Großbritannien wollten weder Obermann noch Höttges kommentieren. Der neue T-Mobile-UK-Chef Richard Moat werde in den kommenden Wochen seine Strategie konkretisieren und vorstellen. «Dem werden wir hier nicht vorgreifen», sagte Obermann. Auf dem hart umkämpften britischen Mobilfunkmarkt gingen die Erlöse trotz Einsparungen im zweiten Quartal weiter zurück. Dort verlor die Telekom auch erneut Kunden an die Konkurrenz.

Seine Sparziele hat der Bonner Konzern inzwischen vorzeitig erreicht. Die Kostenbasis im Vergleich zu 2005 sei vor allem dank einer Absenkung der Personalbestände um 4,9 Milliarden Euro gesenkt worden. Ursprünglich war dies bis Ende 2010 vorgesehen. In Deutschland waren wie geplant rund 12 000 Stellen weggefallen. Trotzdem will die Telekom weiter sparen - neue Ziele sollen im vierten Quartal ausgegeben werden. Die T-Aktie zeigte sich an der Frankfurter Börse am frühen Nachmittag fast unverändert, nachdem sie im frühen Handel noch kräftiger zugelegt hatte. (dpa)

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