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Unterhaltungselektronik-Branche feiert Ende der Krise

11.01.2010 | 07:27 Uhr |

Die Unterhaltungselektronik-Branche atmet auf. Das Gröbste scheint überstanden. Schon das Weihnachtsgeschäft verlief für viele Hersteller besser als erwartet. Und die Konsumlaune der Verbraucher hielt dank neuer Entwicklungen auch nach dem Weihnachtsgeschäft an.

Auch auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ist von Krise nicht mehr viel zu spüren. Sowohl Besucher als auch Aussteller der größten US-Messe für Unterhaltungselektronik schwelgen nach einem schwarzen Jahr in Optimismus.

Neue Entwicklungen wie Internet-fähige TV-Geräte, neue Funktionen für Unterhaltung und Kommunikation und vor allem das 3D-Fernsehen machen es möglich. «Es ist Licht am Ende des Tunnels, und es ist das strahlende Licht der Innovationen», sagte Gary Shapiro, Chef des US-Branchenverbands CEA. Nach Angaben des Verbands hat die Messe über 20 000 neue Entwicklungen präsentiert - so viele wie noch nie zuvor.

Der Schrecken der Krisenjahre 2008 und 2009 steckt der Branche noch tief in den Knochen. Auch die erfolgsverwöhnten Hersteller von TV-Geräten waren von der Rezession erfasst worden. «Niemand wünscht sich das Jahr 2009 zurück», sagte Shapiro. Im laufenden Jahr soll das Umsatzwachstum nun endlich wieder anziehen. Der größte Hoffnungsträger ist dabei mit Abstand das neue dreidimensionale Fernsehen. Schließlich ist der Fernsehmarkt für rund 60 Prozent der Umsätze in der Consumer-Electronic-Branche verantwortlich.

«In Deutschland werden pro Jahr rund acht Millionen Fernseher verkauft», sagte Panasonic-Manager Ralf Hansen. «Um das Niveau zu halten, müssen neue Technologien für den Verbraucher und neue Erfahrungen her.» Während in den USA die Fernsehsender bereits in den Startlöchern für die Produktion von 3D-Inhalten stehen, könnte es hierzulande allerdings bis zu einem breiten Angebot noch etwas dauern. Für die räumliche Aufnahme müssen die Fernsehanstalten in das nötige Equipment investieren. Es sollen jedoch bereits in diesem Jahr etliche Filmtitel auf Blu-ray Discs in 3D auch in Deutschland auf den Markt kommen.

Die Zweifel, ob sich die Menschen tatsächlich zu Hause mit einer speziellen Brille aufs Sofa setzen, die für Fernsehen in 3D nötig ist, sind inzwischen weitgehend verstummt. Die 3D-Blockbuster in den Kinos haben die Kassen klingeln lassen und machen der Branche Hoffnung auf eine gutes Geschäft auch mit Heimelektronik. So verweist der koreanische Hersteller Samsung auf Studien, wonach 80 Prozent der Kinobesucher, die einmal Filme 3D gesehen haben, dies auch zu Hause tun wollen. Neben den Hollywood-Produktionen werden große Sport-Ereignisse oder auch Übertragungen von Festivals und Konzerten 3D-Fernsehen zum Erfolg bringen, sagt Sony-Chef Howard Stringer voraus. So will in den USA Sony in Kooperation mit dem Sportkanal ESPN für die Ausstrahlung der Fußball-WM in Südafrika in 3D sorgen.

Zahlreiche neue TV-Geräte werden außerdem auch in Echtzeit zweidimensionale Filme in 3D umrechnen können. Für die nötige Rechenleistung stattet Toshiba seine Spitzenmodelle zum Beispiel mit einem Hochleistungs-Prozessor aus. Damit soll die Umrechnung auf 3D, aber auch andere Multimedia-Anwendungen wie Internet-Telefonie und Video-Konferenzen vor der Mattscheibe ohne Probleme möglich sein. Der speziell für diese Aufgaben ausgelegte Prozessor «Cell ZX900», den Toshiba gemeinsam mit Sony und IBM entwickelt hat, soll den Fernseher zu einer Kraftmaschine machen, deren Leistung die eines Personal Computers um das zehnfache übertrifft.

«Der Fernseher ist heute nicht nur das Zentrum der Unterhaltung, sondern auch die Zentrale für Kommunikation», betonte Panasonic- Manager Josh Silverman. Mit der rasanten Metamorphose des guten alten Fernsehers in einen Hochleistungsrechner behaupten sich die Unterhaltungselektronik-Hersteller zugleich im Mittelpunkt der Wohnzimmer. Die jahrelangen Versuche der IT-Industrie, stattdessen den PC ins Zentrum der Unterhaltung zu setzen, bleiben damit weitgehend erfolglos. «Dafür haben wir zu viel Erfahrung, als dass wir uns verdrängen lassen», sagte Hansen. Der Computer- und iPhone- Hersteller Apple habe eigentlich als einziges Unternehmen aus der IT- Industrie das Zeug gehabt, jemals eine Bedrohung darzustellen, sagte Hansen - «zum Glück aber erst sehr spät». (dpa)

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