Von Florian Kurzmaier - 28.01.2013, 14:00

Spielen am Mac

Im Kommen: Gaming am Mac

Gaming am Mac wäre ohne Aspyr und Feral kaum vorstellbar, portieren diese beiden Entwickler doch einen Großteil der für den Mac erhältlichen Spiele. Im Gespräch mit den Kollegen von 9to5mac gibt Aspyrs Vice President of Publishing, Elizabeth Howard, interessante Einblicke in den Entwickleralltag.
Mac-Gaming ist kompliziert – zumindest für diejenigen, die Titel wie Call of Duty: Black Ops oder Borderlands 2 auf den Mac bringen. Das Entwicklerstudio Aspyr ist so jemand: Kaum ein großer Spiele-Erfolg im Mac App Store geht nicht auf das Konto der Firma, die im texanischen Austin beheimatet ist.

Warum dauert das so lange?

Viele Spieler fragen sich, warum Mac-Spiele immer erst so viel später erscheinen als die PC-Versionen. Mal davon abgesehen, dass die Entwicklungszyklen gerade 2012 deutlich kürzer waren als in den Jahren zuvor, müssen viele Hürden genommen werden, bevor ein Titel wie Borderlands 2 für den Mac erscheinen kann.
Zuerst muss natürlich von Seiten Aspyrs einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden: „Der erste und wichtigste Schritt ist, alle Beteiligten davon zu überzeugen, dass eine Mac-Version eine gute Idee ist.“ Die Beteiligten sind in der Regel die ursprünglichen Entwickler des Spiels und der Publisher, der für die Vermarktung und den Vertrieb zuständig ist. Dieser Schritt – das Einverständnis der Entwickler – ist essenziell, denn Aspyr emuliert die PC-Spiele nicht, sondern arbeitet mit dem Quellcode, um eine native Portierung zu bewerkstelligen.
Außerdem ist bei der Entwicklungszeit zu berücksichtigen, dass im Grunde zwei Versionen der Portierung erstellt werden müssen: eine für den Mac App Store mit Multiplayer-Restriktionen aufgrund des App-Sandboxing und der Gamecenter-Anbindung, eine zweite für die anderen digitalen Distributionskanäle wie Steam. Eng mit dem Vertriebskanal App Store hängt eine weitere Hürde zusammen, nämlich die Zulassung für den Store, die gut und gerne vier Wochen dauern kann. All diese Faktoren bedeuten für Aspyr einen zeitlichen Nachteil gegenüber dem PC- oder Konsolen-Release eines Spiels. Unter dem Strich steht aber, dass die Entwicklungszyklen einer Mac-Version deutlich kürzer geworden sind – sehr zur Freude all derer, die regelmäßig auf ihrem Mac spielen.

Herausforderungen

Neben der umfangreichen Überzeugungsarbeit bei den Partnern in der Spieleindustrie steht auch das Team von Aspyr selbst vor Herausforderungen technischer Art. Bekanntermaßen versteht sich die von Apple in OS X genutzte Open-GL-Grafikschnittstelle nicht mit Microsofts DirectX. Ein großes Problem für die Spieleportierung auch bei Aspyr – vor allem, weil die neueste Version von DirectX 11 auch für PC-Entwickler noch sehr neu ist: „DirectX 11 wird für uns eine komplett neue Herausforderung sein, denn die Technologie ist neu.“
Angesichts der vielen Millionen verkaufter PC- und Konsoleneinheiten von Titeln wie Call of Duty: Black Ops könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Mac-Unterstützung in der Branche nicht allzu breit gefächert ist. Angesichts des Aufwands (zwei Versionen für Mac App Store und Steam / andere Plattformen) und der Kosten ist es nicht verwunderlich, dass im Allgemeinen eher zurückhaltend agiert wird. Gerade darum aber sei Aspyr die beste Lösung. Man habe die Expertise, die Partner und die Infrastruktur zur effizienten Umsetzung von Portierungen. Über Publisher, die dem Mac-Markt bislang fernbleiben, sagt Howard: „Die meisten sind doch dabei! Wir arbeiten bereits jetzt mit den meisten wichtigen Publishern und Branchengrößen zusammen. Und was diejenigen betrifft, mit denen wir im Moment nicht aktiv zusammenarbeiten: Wir sind immer in Gesprächen über mögliche zukünftige Partnerschaften.“ Gerade der Entschluss von Electronic Arts (EA, Macher von FIFA, Die Sims oder Mass Effect), Origin auch für den Mac anzubieten, unterstreicht diese Sichtweise.

Die Rolle von Apple

Durch die Einführung des Mac App Store vor gut zwei Jahren hat Apple nicht nur seine eigene digitale Distribution um eine Variante erweitert, sondern gleichzeitig auch ein neues Gaming-Ökosystem auf dem Mac geschaffen. Ergänzt durch den Mac-Client von Steam also beste Voraussetzungen für Wachstum.
Auch Aspyr sieht das so und tritt der weit verbreiteten Meinung entgegen, Apple interessiere sich nicht für Spiele: “Die Leute bei Apple, mit denen wir direkt zusammenarbeiten, teilen unsere Zuversicht und helfen uns, wo sie können. Unser Erfolg ist es, der dabei hilft, Apple für Games zu sensibilisieren.“ Apple dürfte das Engagement nicht so unrecht sein, denn zum einen verdient Apple als Dienstleister des Mac App Store an den Umsätzen mit, zum anderen könnte man das Engagement der Dritthersteller als Testballon für die eigenen Planungen nutzen.

Zukunftsmusik

Doch was bringt die Zukunft? Durch das recht erfolgreiche Gaming-Jahr 2012 ist schon mal eine gute Basis für weitere Projekte geschaffen worden. Die Gerüchte um einen Ausbau von Apple TV oder gar einen kompletten Apple-Fernseher sind auch für Aspyr ein Thema, wenngleich nicht das wichtigste. Man habe über Airplay bereits mit Apple TV experimentiert, war aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden: „Jedes Gerät, mit dem ich interagiere, hat einmalige Features; und für diese Features möchte ich einmaligen Content“, sagt Howard. Ein Shooter wie Call of Duty sei demnach für eine Apple-TV-Umsetzung nicht geeignet. Zumal Steam ja bereits mit Big Picture eine ordentliche und funktionierende Lösung für Mac-Gaming im Wohnzimmer bieten könnte. „Man wird künftig weiter kreativ sein müssen", so Howard.
Die weite Verbreitung von iOS legt außerdem nahe, dass künftig ein noch größerer Transfer zwischen der mobilen Plattform und dem Mac-OS stattfindet. Einige Titel, wie beispielsweise Rovios Angry Birds, haben bereits den Sprung von iOS auf Mac-OS geschafft – und das wird scheinbar gut angenommen, denn die Wutvögel rangieren nun schon seit Wochen auf den Top-Plätzen des Mac App Store.
Auch der umgekehrte Weg, also Mac-Games auf iOS-Geräten zu spielen, sei künftig nicht ausgeschlossen: „Unser Kerngeschäft ist es, Marken auf Plattformen zu bringen, auf denen sie vorher nicht vertreten waren; bisher war das hauptsächlich auf den Transfer PC zu Mac ausgelegt. Im Moment experimentieren wir in der Tat mit Alternativen zu diesem Modell, nämlich mit Möglichkeiten von iOS nach Mac-OS (und umgekehrt).“

Einschätzung

Eine spannende Materie. Was 2013 kommt, ist zwar in Sachen Hardware noch sehr vage, dafür können wir uns darauf einstellen, dass Mac-OS als Spieleplattform auf dem konstanten Weg des Wachstums von 2012 bleiben wird. Das Angebot ist gut und wird stetig besser und auch durch neue Features wie Steams Big Picture wird das Gaming-Erlebnis am Mac immer vielseitiger. Ich freue mich drauf! Wenn Sie das Interview mit Liz Howard komplett lesen möchten, können Sie das hier bei den Kollegen von 9to5mac im englischen Original tun.
In den letzten Tagen haben wir uns außerdem intensiver mit dem Thema Mac-Gaming beschäftigt: Von den Chancen und Problemen der Plattform, über die Bezugsquellen für Mac-Games (zu denen absehbar auch Origin gehören wird) bis hin zur Spieletauglichkeit der Apple-Hardware – schauen Sie rein!
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