Von Peter Müller - 23.12.2011, 00:01

Gewinnspiel Macwelt Adventskalender: 23. Dezember

Gewinnspiel (23.12): Facebook, Twitter, Youtube - öfter Mal was Neues

In den vergangenen Wochen haben wir uns gefragt, wie sehr die digitalen Revolutionen unseren Alltag verändert haben. Nicht selten kamen wir zu dem Schluss, dass zwar alles anders geworden ist, die digitale Welt die analoge aber gerne imitiert. Einige Innovationen sind aber ohne Beispiel.
Besonders offensichtlich wird die Imitation des Analogen durch das Digitale etwa an Apples Programmen Adressbuch und Kalender, bei denen man eine digitale Abbildung einer alten Lederkladde oder eines perforierten Blocks vor sich hat. Hersteller klassischer Brett- und Gesellschaftsspiele portieren ihr Design auf das iPad und nutzen zwar dessen Möglichkeiten aus, die Spielidee bleibt aber unberührt. Und die Zeitung von gestern versucht sich auch auf dem iPad immer öfter als solche zu präsentieren, mit Blätterfunktion zwischen Seiten und Büchern.

Die Auflösung der Frage vom 22. Dezember

Wer postulierte in der theoretischen Physik das Neutrino?
Wolfgang Pauli hatte die Idee, ein "geisterhaftes Teilchen" zu postulieren, um im theoretischen Modell des Betazerfalls die Erhaltung des Drehimpulses zu retten. Eine geniale Idee, die sich erst 23 Jahre später verifizieren ließ. Heute kennt man drei Familien von Neutrinos und Antineutrinos, die allem Anschein nach sich ineinander wandeln können - und somit eine Ruhemasse haben müssen. Das die Masse verleihende Teilchen, das Higgs-Boson, ist bis heute nicht nachgewiesen. Der LHC am Cern hat aber womöglich schon seine Spuren gemessen, bis die Daten ausgewertet sind und keine Zweifel mehr bestehen, wird es aber noch eine Weile dauern. Denn auch die Nichtexistenz des Higg-Bosons ist möglich.
Doch gibt es im Digitalen jede Menge Neuheiten ohne analoge Vorbilder oder Pendants. Wo im analogen Leben natürliche Grenzen gesetzt sind glänzen digitale Welten mit einzigartigen Möglichkeiten: Der schier unbegrenzten Vernetzung. In der Theorie kennt jeder Mensch jeden anderen der sieben Milliarden über höchstens sechs Ecken, eine durchschnittliche Anzahl von 150 Bekanntschaften vorausgesetzt. In der Praxis können aber nur Facebook, Twitter, Youtube und andere soziale Netze in der Tat leicht den Kontakt zum Freund des Freundes des Freundes in Brasilien herstellen, die Vision vom globalen Dorf wird in Digitalien erst wahr. Welche Ironie hinter dem Erfolg von Facebook steckt, merkt man, wenn man an dessen Gründungsmythos glaubt: Demnach wollte Mark Zuckerberg seinerzeit nur eine digitale Version eines Uni-Jahrbuches erstellen, um leichter an die Kontaktdaten interessanter Studentinnen zu kommen. 700 Millionen Nutzer später ist ein Facebook zu einem Internet im Internet geworden das sich nicht mehr ignorieren lässt. Der von Facebook generierte Traffic ist längst größer als der von Google, wir wollen nicht wissen, wie viele junge Digital Natives überhaupt kein Netz mehr außerhalb von Facebook kennen. Natürlich steckt hinter Facebook ein Geschäftsmodell, Märkte sind Gespräche, heißt es nicht umsonst im Cluetrain-Manifest. Und dort, wo Menschen sich zum Austausch treffen, kann man ihnen geben, wonach sie verlangen. Oder ein Verlangen wecken, von dem sie noch gar nichts wussten.
Facebook steht nicht völlig zu Unrecht in der Kritik von Datenschützern, man muss sich auch nicht an der Vision - andere sagen dazu Hybris - von Mark Zuckerberg erfreuen, der Facebooks Timeline gerne als digitalen Rekorder des gesamten Lebens der Nutzer sieht. Doch war 2011 auch das Jahr von Facebook und dem in Sachen Verbreitung von Kurznachrichten ähnlich erfolgreichem Twitter. Ohne die von staatlichen Organen kaum kontrollierbaren sozialen Netze hätten sich Nachrichten aus dem arabischen Frühling kaum weiterverbreiten können. So leistet ein Instrument zur Balz wertvolle Dienste als Steigbügel für die Demokratie.
Die digitalen Revolutionen sind noch lange nicht abgeschlossen, ganz im Gegenteil geraten sie jetzt in eine spannende Phase in der Produkte und Services völlig neu ohne analoge Vorbilder entstehen. Für ein solches Beispiel steht Youtube, dessen Entwickler aus der Not technischer Beschränkungen eine Tugend gemacht hatten. Da digitale Videos sich nur schlecht oder meist gar nicht als E-Mail-Anhang verschicken lassen, soll man sie eben auf einen Server laden und dem Empfänger den Link schicken. Youtube wurde zur ersten Jahrhundertidee des jungen 21sten Jahrhunderts, die dem damals bereits großen Google zwei Milliarden US-Dollar wert war. Gut angelegtes Geld, wie man heute sieht, da sich Youtube anschickt, zum Fernsehsender der Zukunft zu werden.
Das nächste große Ding wird also definitiv "im Internet geboren" (gell, Herr Uhl?), vorausgesetzt, das Netz behält seine Neutralität. Sobald aber große Firmen bestimmen können, welche Datenpakete bevorzugt behandelt werden, könnte dies die Innovationskraft des Netzes brechen. Denn der Vergleich mit der Autobahn, auf der LKW in Deutschland für die Nutzung extra zahlen und PKW (noch) nicht, fällt schief aus. Supercommunication Highways sind Straßen nur sehr entfernt ähnlich. Aber das sollte heute sogar Helmut Kohl verstanden haben.
Die heutige Frage: Auf welche Begebenheit spielen wir mit dem letzten Satz an?
  1. Kohl antwortete im Bundestagswahlkampf 1994 auf eine Frage nach den "Supercommunication Highways", die Bundesländer seien zuständig für die Autobahn
  2. Kohl wollte die Aufgabe zum Ausbau der "Supercommunication Highways" dem Bundesverkehrsministerium übertragen
  3. Kohl lobte seine Regierung, dass der Ausbau der Glasfasernetze in den fünf neuen Ländern schneller vonstatten ging als der Autobahnbau in Griechenland
Zu gewinnen gibt es heute:
Fünf Hardcases für iPod Touch 4G iCU Plant: Der Kunststoff für die Schutzhüllen von iCU ist aus Pflanzenbestandteilen gewonnen. Verfügbar sind die Hüllen in den Farben schwarz, grün, rot, violett und transparent, der Macwelt-Adventskalender verlost jeweils eine Hülle.
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