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24. Dezember: Der Weihnachtsabend - ganz analog

24.12.2011 | 00:01 Uhr |

Es ist soweit: Heute ist Heilig Abend und wir haben den letzten Teil unseres Adventskalenders erreicht. Unsere Reise durch digitale Welten hat heute ein Ende - wir versammeln uns ganz analog unter dem Baum. Wobei das Warten auf Weihnachten andernorts noch weiter geht…

Advent 2011 - 24
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Nichts ist so beständig wie der Weihnachtsabend, vom Ritual wird über Jahrzehnte nicht abgewichen und die Tradition der Weihnacht von Generation zu Generation weiter vererbt. Daran werden die digitalen Revolutionen nichts ändern, nein, wir fahren über Weihnachten nach Hause und skypen nicht mit dem Tannenbaum. Allenfalls helfen uns unsere neuen digitalen Spielzeuge beim Warten auf das Christkind. Das Fernsehprogramm können wir für diesen Tag seit Jahren vergessen, die wenigen guten Weihnachtsfilme haben wir auf DVD (oder jetzt auf dem iPad) schon dutzende Male gesehen. Vielleicht hilft uns ja der neue digitale Fernsehkanal Youtube weiter, mit einer digitalen Weihnachtsgeschichte ? Ach nein, Weihnachten ist nicht witzig, sondern eine ernste Angelegenheit. So pfeffern wir auch erbost die aktuelle Ausgabe von Spiegel Geschichte in die Ecke. Die Kollegen wollen uns allen Ernstes erklären, dass Jesus niemals in Bethlehem war und schon gleich gar nicht dort geboren wurde? Am Ende stimmt das mit Ochs und Esel auch nicht und unsere alpenländischen Krippenfiguren haben gar keine Ähnlichkeit mit den historischen Personen? Nein, an Weihnachten wollen wir uns unsere Illusionen nicht nehmen lassen und schon gleich gar nicht die geschlossene Schneedecke, die wir an Heiligabend doch immer hatten.

Wenn es eine allerletzte Bastion gegen die Moderne gibt, dann ist das der Heilige Abend, jedes Jahr die gleiche Routine, jedes Jahr das Wehklagen über das Lametta von früher. Während unserer Recherchen zu diesem Adventskalender sind wir aber noch auf eine Technologie gestoßen, die sich ebenso hartnäckig der Digitalisierung verweigert: Das Radio. Unsere Kollegen der brand eins titelten "Das Gute ist der Feind des Besseren" und beschrieben die Schwierigkeiten bei der Einführung des digitalen Rundfunks. UKW scheint so tief verankert in den Köpfen der Radiohörer zu sein, dass sie einen Umstieg für wenig sinnvoll erachten, selbst wenn sie dann am Urlaubsort ihren Lokalsender von daheim unter der gleichen Frequenz hören könnten. Problematisch ist beim digitalen Rundfunk aber auch due Frage nach dem richtigen Standard (DAB? Oder DAB+?) und vor allem die drohenden Neuanschaffungen. Für Elektronikhersteller wäre es aber, als fielen Weihnachten und Ostern auf einen Tag, würde der analoge Rundfunk auf den digitalen umgestellt.

Aber wir wollen uns nicht weiter damit beschäftigen, schließlich ist heute nur Weihnachten und Ostern allenfalls ein zärtlicher Traum vom Frühling. Versammeln wir uns also am Nachmittag zu Plätzchen, Punsch und Kaffee und gehen allmählich zu Bier und Wein über. Wenn es draußen dunkel wird und es die Kleinen schon gar nicht mehr erwarten können, erzählen wir ihnen entweder Märchen von Weihnachtsmännern und Christkindern oder lesen Ihnen die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium vor. Dann wird irgendwo ein Glöckchen klingeln, jemand bringt Geschenkpakete herein und die nächste halbe Stunde hört man zwischen freudigem "Ahh!", überraschtem "Oohh!" und enttäuschte Erwartungen oder Entsetzen überspielendem "Mmmmh!" vor allem jede Menge Papier rascheln. Ja, es ist wie bei Loriots Familie Hoppenstedt, nur machen wir es uns anschließend noch bei Wienern und Kartoffelsalat oder anderen regionalen Wurst- und Salatspezialitäten (Weißwürste! Heringssalat!) gemütlich. Irgendeiner wird dann schon aufräumen. Die Christmette? Auch, die ist erst so spät und draußen ist es kalt und dunkel, machen wir doch lieber noch den Schnaps von Oma auf.

Dieses wiederkehrende Ritual lässt sich nicht digitalisieren, das Fest ist der letzte Hort des Analogen. Es gilt gerade an Weihnachten: Das haben wir schon immer so gemacht, wo kommen wir denn da hin?

Für Außenstehende mag also die deutsche Weihnacht bizarr sein, deswegen lassen wir hier zwei Menschen aus anderen Kulturkreisen von ihren Christfesten berichten:

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