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Gibson und die Welt der digitalen Musik

05.04.2007 | 13:22 Uhr |

Egal wo wir hinsehen: Unsere Welt wird immer schneller und umfassender digital. Und so war es auch nur eine Frage der Zeit, wann der erste Instrumentenbauer ein Instrument mit einer integrierten AD-Wandlereinheit auf den Markt bringen würde. Bei den Gitarren ist es Gibson. Macwelt hat auf der Musikmesse in Frankfurt den CEO des Unternehmens Henry Juszkiewic gefragt, für welche Zwecke die digitale E-Gitarre HD 6X Pro konzipiert ist.

Gibson-CEO Henry Juszkiewic mit Digitalgitarre Les Paul HD 6x Pro
Vergrößern Gibson-CEO Henry Juszkiewic mit Digitalgitarre Les Paul HD 6x Pro

Die erste digitale Gitarre hört auf den Namen HD 6X PRO, basiert auf dem klassischen Les Paul Design und ist wie alle anderen Les Paul, über einen herkömmlichen, analogen Verstärker spielbar. Neben den Standard-Pickups (498T/490R) ist sie mit einem neu entwickelten Hex-Pickup ausgerüstet, der es ermöglicht, das Signal jeder einzelnen Saite unabhängig abzunehmen und zu digitalisieren. Gibson setzt dabei die selbst entwickelte MagicTtechnologie ein, die sich von Midi deutlich unterscheidet.

Die über ein Ethernetkabel angesteuerte, separate Break Out Box (BoB) fungiert als zentrale Schnittstelle und liefert mit 6 separaten, analogen Ausgängen zahlreiche neue Möglichkeiten der Signalbearbeitung. So ist es z.B. möglich, diverse Raumeffekte und Stereosounds zu erzeugen oder bis zu 6 verschiedene Amps und Effektsettings gleichzeitig zu spielen. Die Les Paul HD 6X PRO kommt mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 4.870 Euro in den Handel.

Der Gibson-CEO Henry Juszkiewic, selbst Gitarrist und studierter Ingenieur, hatte die Idee zu dieser Gitarre mit integrierter A/D-Wandlereinheit. Um die Vision umzusetzen, stockte Gibson sein Personal mit für einen Gitarrenbauer ganz untypischen Fachleuten wie Netzwerktechnikern und Computerprogrammierern auf. Die Entwicklung nahm von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt 15 Jahre in Anspruch. Der Versuch, die Digitalgitarre bereits 2005 auf den Markt zu bringen, scheiterte an dem vor zwei Jahren nicht ausgereiften Hex-Pickup. Die Techniker mussten sich für die Lösung des Problems sowohl in Elektromagnetismus als auch in musikalischen Belangen auskennen. Juszkiewic wirkte in dieser Phase der Entwicklung noch einmal selbst mit, und half, den Tonabnehmer zur Marktreife zu bringen.

Der Unterschied zu MIDI

Die Digitalgitarre Gibson HD 6X Pro ist nicht zu verwechseln mit einer Midi-Gitarre. Midi, so beschreibt es Juszkiewic, war der erste logische Schritt von der analogen Musikwelt in das Zeitalter der Digitalisierung. Da über einen langen Zeitraum die Prozessorleistung in den erhältlichen Rechnern nie ausreichte, um Musik adäquat umzusetzen, bedurfte es eines einfach zu handhabenden Formats: Midi (Music Instrument Digital Interface). In einem Midi-Szenario schickt das Instrument – meist ein Keyboard - lediglich die Steuersignale an einen externen Tongenerator. Das kann zum Beispiel ein Sampler oder ein Synthesizer sein. Dieses Soundmodul spielt dann den eigentlichen Ton entsprechend der Steuersignale ab. Das Problem hierbei ist die entstehende Latenz, mit der die Keyboarder gelernt haben zu leben. Für Gitarristen ist die Zeitverzögerung wenig akzeptabel. Durch die zunehmende CPU-Power und die Möglichkeit auch Sounds zu digitalisieren, ist die Entwicklung und Einführung einer Digitalgitarre der natürliche zweite Schritt, erklärt der Gibson-CEO. Juszkiewic zeiht anschauliche Vergleiche: "Midi ist das Steno unter den Schreibweisen/Schriften und verfügt lediglich über vier Informationen: Note on, Note off, Velocity (Anschlagsstärke, Anm. d. Red.) und Aftertouch (zusätzlicher Druck auf bereits angeschlagene Taste, d. Red.). Die Informationen, die ein Gitarrist während seines Spiels produziert, sind jedoch so vielfältig, dass das Midi-Format hierfür nicht ausreicht und der Informationsträger ein anderes Format haben muss: Digital..."

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