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Google I/O

Google I/O mit jeder Menge Neuheiten

15.05.2013 | 22:20 Uhr |

Google hat auf seiner I/O-Konferenz zahlreiche Neuerungen vorgestellt, einige der Erwartungen aber nicht erfüllt. Und Datenschützer dürften entsetzt sein, denn Google will den gläsernen Internetnutzer endgültig Realität werden lassen.

Google startet Feuerwerk an Neuerungen und Verbesserungen
Vergrößern Google startet Feuerwerk an Neuerungen und Verbesserungen

Es war eine lange Veranstaltung im Moscone West in San Francisco, die gestern um 18.00 Uhr deutscher Zeit begann und bis rund 21.00 Uhr dauerte. Die I/O brachte einige tolle Neuerungen, von denen viele aber nur die Entwickler betreffen. Doch etliche Erwartungen blieben auch unerfüllt. 

Status quo

Vic Gundotra, Senior Vice President, Engineering for Google machte den Anfang. Ihm folgte Sundar Pichai, Senior Vice President für Android Chrome und Apps. Er betonte die Zwei-Plattform-Strategie von Google: Android und Chrome.
Demnach wurden 2011 100 Millionen Androidgeräte aktiviert, 2012 waren es 400 Millionen, 2013 waren es dann bereits 900 Millionen frei geschaltete Androiden.

Vor allem in Russland, China, Mexiko, Südamerika und Afrika liegt der Androidanteil unter zehn Prozent – hier kann Googles mobiles Betriebssystem noch enorm wachsen.

Hugo Barra, VP, Product Management von Android ergänzte: Google Play meldet 48 Milliarden installierte App, davon 2,5 Milliarden allein im letzten Monat. Davon profitieren besonders die Entwickler: In den letzten vier Monaten hat Google an die Entwickler der Apps mehr Geld überwiesen, als im gesamten vergangenen Jahr.

Google Play Services

Entwickler können sich über neue APIs für die Google-Play-Dienste freuen. Über Google Play Services dürfen Entwickler alle APIs verwenden, die auch Google zum Erstellen von Android-Apps nutzt. Google-Maps-APIs dürfen Entwickler bereits nutzen. Drei neue Lokalisierungs-APIs kommen nun dazu, mit denen sich der Standort genauer bestimmen lässt anhand von Mobilfunk-, GPS- und WLAN-Daten. Mit der neuen Activity Recognition können Apps erkennen, ob der Android-Nutzer im Auto sitzt, zu Fuß geht oder den öffentlichen Nahverkehr nutzt. Außerdem erweitert Google auch die Integration von Google+ in Android, damit man sich besser geräteübergreifend einloggen kann.

Google Cloud Messaging wird Teil von Google Play Services und erlaubt den Apps beispielsweise eine persistente Verbindung mit den Google-Servern. Außerdem gibt es eine GCM-API (Google Push Notification), über die Apps ihre Benachrichtigungen über mehrere Geräte hinweg synchronisieren können. Praktisch, wenn die betreffende App beispielsweise auf einem Smartphone und Tablet genutzt wird. Über GCM, das nun auch Teil der Google Play Services ist, werden bereits jetzt jeden Tag 17 Milliarden Nachrichten versandt.

Google Play Game Services

Der neue Spieldienst kommt mit neuen APIs, mit denen App-Entwickler ihre Spiele anreichern können. Mit Cloud Save können zum Beispiel Daten über verschiedene Geräte hinweg gespeichert werden. Beispielsweise Spielstände. Der Spielstand wird in der Cloud gespeichert und dann kann auf einem anderen Gerät einfach weitergespielt werden. Außerdem dürfen auch Achivements (Erfolge) und Bestenlisten genutzt werden.

Insgesamt erinnern die neuen Google Play Game Services an das Apples Game Center . Google Play Game Services unterstützt neben Android auch iOS und das Web, kann also plattformübergreifend genutzt werden. Ebenso gibt es eine Multiplayer API: Auch das dürfte die Entwickler entzücken, weil sie sich nicht mehr selbst darum kümmern müssen, die technischen Voraussetzungen für einen Multiplayer-Modus schaffen zu müssen, vor allem bei mobilen Geräten, wo die Latenz so eine wichtige Rolle spielt
Bei der Vorführung stürzte Google Play Game aber prompt ab.

Google Play Game ist als Update ab sofort erhältlich. Es unterstützt alle Androidversionen ab Froyo (Android 2.2) und höher. Das Update mit den neuen APIs wird ab sofort an die Entwickler ausgeliefert - dürfte also nicht allzu lange dauern, bis die ersten Apps erscheinen.

Android Studio
Vergrößern Android Studio

Android Studio

Google gibt Entwicklern eine neue Entwicklungsumgebung in die Hand: Android Studio. Es basiert auf der IntelliJ Dev-Environment. Mit gleichzeitiger Echtzeit-Vorschau für unterschiedliche Geräte, Makros für Code-Strings und Live Layout-Editor für Oberflächen. Und Support für Multilingual-Development und -Vorschau.

Allerdings sagte Google nicht, wann das neue Android Studio erscheinen soll.

Google Play

Ellie Powers, Googles Product Manager für Google Play, spricht über diverse Werkzeuge, die Entwicklern bei der App-Programmierung und -Vermarktung helfen sollen. Es gibt auch neue Übersetzungsdienste für die App-Entwicklung. Die Entwickler erhalten zudem über die neue Google Play Developer Console beispielsweise Optimierungstipps oder erfahren, in welchen Ländern ihr App gerne genutzt wird. Und es gibt eine Vorschau auf die entstehenden Kosten. Neue Werkzeuge gibt es auch für Beta-Tests neuer App-Versionen. Ebenfalls neu in der Konsole: Weitergehende Infos über die Nutzung der Apps durch die Nutzer. App-Entwickler können solche Beta-Tests über die Konsole verwalten.

Google Play wird ebenfalls überarbeitet und bekommt ein Redesign. Chris Yerga - Engineering Director für Android, zeigt den neuen Google Play Store auf einem Nexus 10 . Es gibt eine neue Personalisierungsfunktionen in Google Play, die Anwendern bessere Tipps für Apps, Musik und Videos, etc geben sollen.

Musik-Streaming-Dienst: Google Play Music All Access

Wirklich spannend für Endanwender ist der neuer Musik-Abo-Streaming-Dienst Google Play Music All Access , der Nutzern den Zugriff auf Millionen Songs gibt. Sowohl auf Androidgeräten wie auch im Browser auf dem PC. Der neue Spotify-Konkurrent erstellt automatisch Listen mit Songs, die der Anwender gut findet. Der "Listen now"-Modus eignet sich dann, wenn man mal schnell Musik hören will, ohne mühsam zunächst nach Titeln suchen zu müssen. Vorschläge werden automatisch generiert und offeriert. Persönliche Empfehlungen sind aber ebenso möglich, unerwünschte Lieder sollen sich grundsätzlich vermeiden lassen. Der Benutzer kann unter 22 Top-Level-Genres auswählen.

Google Play Music All Access kostet rund 9,99 US-Dollar pro Monat (Einführungspreis 7,99 Dollar) und kann 30 Tage lang kostenlos getestet werden. In den USA startet der Dienst sofort, andere Länder sollen bald folgen.

Galaxy S 4 mit purem Android

Google zeigt ein Samsung Galaxy S4 mit der gleichen Oberfläche wie beim Nexus. Also ein Galaxy S4 ohne die Samsung-Touchwiz-Oberfläche. Das Telefon wird über Google Play erhältlich sein, für 649 US-Dollar (mit 16 GB) - also zum gleichen Preis wie das "normale" Galaxy S4. Kein Wunder, dass es Gelächter im Publikum gibt. Google nennt das, ein Galaxy S4 mit der "Nexus user experience"

Chrome-Plattform

Chrome hatte 2012 450 Millionen aktive Nutzer und nun sind 750 Millionen aktive Nutzer. Die Leistungsfähigkeit von Chrome wird anhand eines Chromebook Pixel demonstriert, dass einen hochauflösenden (und sehr guten) Bildschirm besitzt. Unter anderem läuft darauf ein WebGL-basiertes 3D-Spiel zum Hobbit. Man sieht, wie eine gigantische Karte von Mittelerde ruckelfrei im Chrome-Browser auf dem Chromebook gescrollt wird. Anschließend zeigt Google das Gleiche auf dem Nexus 10. Damit will Google demonstrieren, dass alle Möglichkeiten von Chrome auf allen Plattformen gleichermaßen gut zur Verfügung stehen.

Google will die V8 JavaScript-Engine um 28 Prozent verbessert haben, mobile Spiele sollen dank der Javascript-Verbesserung sogar um 57 Prozent schneller laufen.

WebP-Format

Google stellt auch gleich noch ein neues Open-Source Bilder-Format vor: WebP. Bilder im WebP-Format sind viel kleiner als JPG-Bilder (um 31 Prozent) und auch animierte Bilder sind damit möglich. WebP bietet aber trotzdem verlustfreie Kompression. Ebenso lassen sich damit Videos erstellen und zwar als VP9.

Beim Vergleich zwischen H.264 und den neuen VP9-Videos fällt auf: VP9 ermöglicht deutlich kleinere Videos bei vergleichbarer Qualität und damit wird auch weniger Bandbreite verschwendet. Das Beispielvideo hatte mit H.264 die Größe von 343,6 MB und mit VP9 komprimiert nur 125 MB Youtube wird später im Jahr 2013 VP9 unterstützen.

Bezahlen

Google will auch das Shoppen auf mobilen Geräten vereinfachen. Basierend auf HTML5-Autocomplete erweitert es Google Wallet, das nun einen deutlich vereinfachten Bezahlvorgang bieten soll.

UI Framework

Web-Entwickler erhalten Werkzeuge, um eigene HTML-Tags für Web-Anwendungen zu erstellen. Das demonstriert Google auf der Basis des Spiels Racer, einem Multiplayer- und Multiscreen-Chrome-Spiel. Das Ganze ist ein experimentelles Web-Projekt, dass demonstriert, wie ein Browser-Spiel für Chrome auf unterschiedlichen Screens gespielt werden kann (u.a. auf dem iPad und dem iPhone).

Google Play for Education

Mit Google Play for Education startet Google zudem eine eigene Version von Google Play für den Unterricht. Im Google-Play-Marktplatz werden Lern-Apps angezeigt und Lehrer können miteinander Empfehlungen für Apps austauschen. Das soll Schulen und Kindergärten dabei helfen die Verwaltung von Tablets und Geräten zu erleichtern, die sie den Kindern zur Verfügung stellen. Ein Lehrer kann beispielsweise per Mausklick dafür sorgen, dass alle Schüler eine App auf ihrem Gerät über Google Play for Education erhalten. Google Apps sollen also künftig im Bildungswesen eine wichtige Rolle spielen. Auch Apple und Microsoft engagieren sich auf dem Gebiet bereits sehr stark.

In über 1000 Schulen in den USA werden bereits Chromebooks eingesetzt.

Google+

Google spendiert Google+ ein völlig neues Design und 41 neue Funktionen. Das Update soll noch heute starten. Das Multispalten-Design kommt auf alle Plattformen, für die Google+ verfügbar ist. Die Menüs wurden deutlich verbessert.

Google analysiert dazu den Inhalt der Google+-Veröffentlichung noch mehr. Das dürfte Datenschützern kaum gefallen. Neue Inhalte des Nutzers werden von Google+ dann künftig automatisch mit Hashtags unterlegt. Das funktioniert auch mit Bildern durch Bildererkennung (bei einem Bild vom Eiffelturm erfolgt automatisch die Vergabe eines passenden Hashtags).

Hangouts

Eine neue Hangouts-App wird ebenfalls vorgestellt. Im Hauptbildschirm werden alle vom Anwender geführten Konversationen (mit einer oder mehreren Personen) angezeigt. So eine Konversation (etwa mit der Familie) kann auch über mehrere Monate oder Jahre andauern und alle in der Zeit ausgetauschten Bilder enthalten. Und sie ist auf jedem Gerät verfügbar. Weil die Inhalte auf Google-Servern und damit in der Cloud und nicht lokal auf dem Gerät gespeichert werden. Ab sofort ist Hangout für alle Plattformen (Android, Browser, iOS) verfügbar.

Foto-Verbesserungen dank Cloud
Vergrößern Foto-Verbesserungen dank Cloud

Fotos und Foto-Bearbeitung

Google bietet umfangreiche Foto-Bearbeitungsfunktionen an. Diese laufen komplett Cloud-basiert. Google übernimmt in der Cloud also rechenintensive Fotobearbeitungsaufgaben wie Hautfehler beseitigen oder rote Augen entfernen. Google kann aus einer großen Sammlung von Fotos zu einem bestimmten Bereich (etwa Urlaub) automatisch die besten Fotos auswählen. So lernt Google beispielsweise, welche Personen dem Nutzer wichtig sind und bewertet Fotos von diesen Personen höher als von Fremden. Auto-Enhance soll per Knopfdruck automatisch Fotos veredeln - ohne teure Software/Hardware, sondern eben in der Cloud.

Das bedeutet aber auch, dass Google alle in die Cloud hochgeladenen Bilder nicht nur speichern, sondern auch analysieren will. Die neuen Foto-Bearbeitungsfunktionen sollen heute noch frei geschaltet werden.

Auto-Awesome

Die Funktion "Auto-Awesome" generiert aus mehreren Bildern ein neues animiertes Bild. Auto-Awesome gibt es in fünf Varianten: "HDR", "Mix", "Smile", "Motion" und "Pano". Wenn man mehrere Portraitaufnahmen hat, so entsteht daraus eine Kollage.

Suche

Der Teil des Events wurde mit folgendem Satz eingeleitet: "Das Ende der Suche, wie wir sie kennen". In Google-Suchergebnis-Seiten werden künftig Statistiken via Google Knowledge Graph angezeigt werden. Polnisch, Türkisch, vereinfachtes Chinesisch und Thailändisch kommen als neue Sprachen jetzt bei Knowledge Graph dazu.

Die Suche soll insgesamt viel persönlicher werden. Neben dem aufgewerteten Knowledge Graph ist vor allem wichtig, dass die Suche den Charakter eines Gespräches bekommen soll. Diese Suchanfragen per Konversation kommt für alle Plattformen. Sie stellen Google also in Zukunft eine Frage und bekommen darauf eine Antwort. Die sprachgesteuerte Suche soll besonders Antworten auf Fragen liefern, die den Anwender gerade beschäftigen (wann geht mein nächster Flug, wo ist das Restaurant, in dem ich ein Termin habe, etc).

Google Now

Google Now wird ebenfalls verbessert. Es soll nun Antworten auf Fragen liefert, bevor man diese überhaupt stellt. Und man darf sich fortan an kommende Ereignisse erinnern lassen. Die Spracherkennung am Browser schaltet sich ein, wenn man "Okay, Google" ins Mikro sagt. Diese sprachgesteuerte Suche erinnert an Apple Siri.

Wenn man zuerst eine Suchanfrage nach einem Ort stellt und dann fragt, wie weit "es" entfernt ist, dann weiß Google automatisch, dass mit "es" der Ort von vorhin gemeint ist und die Entfernung vom aktuellen Standort gemessen werden soll. Eine Frage wie „wann startet mein Flug“ liefert wiederum die Abflugdaten. Man muss sich bei aller Bequemlichkeit aber darüber im Klaren sein, dass man Google damit unendlich viele Daten von sich ausliefert.

Google Maps für Android und iOS

Google Maps für Android und iOS bekommt eine neue Oberfläche und eine neue Darstellung von POIs in den Karten. 200 Staaten werden mittlerweile abgedeckt, darunter neuerdings auch Nordkorea. Google Street View wiederum gibt es für 50 Länder. Neu ist die Zagat-Integration. Zagat ist ein Beurteilungssystem für Gastronomie und Hotellerie. Damit sollten Sie auf Google Maps immer lecker Essen finden. Dazu gibt es erweiterte weltweite Verkehrslageinformationen mit automatischer Routenneuberechnung bei Staus. Google Maps unterstützt zudem nun auch das iPad.

Das neue Google Maps soll in diesem Sommer kommen.

Google Maps mit der neuen Zeitleiste
Vergrößern Google Maps mit der neuen Zeitleiste

Google Maps für den Browser

Eine neue Oberfläche von Google Maps gibt es auch für den Browser am PC. Dabei kommen WebGL und Vektoren-Karten kommen zum Einsatz. Keine Pins mehr, sondern direkt an den gefundenen Orten werden die Infos angezeigt. Mit verbesserter Inhouse-Kartendarstellung.

Google Maps merkt sich die Orte, die man wichtig findet und markiert sie automatisch. So erstellt der Nutzer mit der Zeit eine personalisierte karte. So kann man auch Orte entdecken, die Freunde und Bekannte gerne besuchen. Eigene Routen können per Mausklicks erstellt werden. Und die neuen 3D-Modelle von Gebäuden sehen sehr schick aus, wie man am Beispiel des Petersdoms in Rom sehen kann.

Zoomt man aus, so bekommt man die ganze Erde zu sehen. Nun sogar mit Echtzeitwolkenlage. Und Sonnenaufgang und –Untergang. Man kann sogar eine eigene Sonnenfinsternis simulieren.

Sie wollen das neue Google Maps ausprobieren? Dann mal los: Hier kann man das neue Google Maps sofort ausprobieren: maps.google.com/preview .

Zum Schluss der Google I/O trat noch der erkrankte Larry Page auf. Er sprach über die rasanten Veränderungen im Technikbereich und beantwortet erstmals auch Fragen im Anschluss an den Event.

Und was gab es nicht zu sehen? Google Glass zum Beispiel. Und Google Watch . Auch die DriveStyle-App für Mercedes wurde nicht gezeigt. Und auch kein Android 4.3 und kein neues Nexus 7.

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