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Parum: Ein ganzes Dorf wehrt sich gegen Google Street View

08.11.2010 | 07:01 Uhr |

Gerade erst feierte Google den Deutschland-Start seines umstrittenen Dienstes Street View groß in der Allgäuer Gemeinde Oberstaufen, die ihre Straßen im Netz sehen will. Jetzt gibt es ein Gegenbeispiel: Ein ganzes Dorf in Mecklenburg-Vorpommern will raus aus Street View.

Street View Panoramio
Vergrößern Street View Panoramio

Mit dem 70-Einwohner-Ort Parum bei Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern setzt sich erstmals ein ganzes Dorf gegen den umstrittenen Online-Straßenatlas Google Street View zur Wehr. Google-Sprecherin Lena Wagner bestätigte am Freitag entsprechende Medienberichte. Google reagiere auf die Parumer Aktion sehr ruhig: "Man muss das in Relation sehen. Die Unterschriften von 70 Leuten zusammenzubekommen ist eine andere Geschichte, als Unterschriften von Zehntausenden zu bekommen." Dass sich ein komplettes Dorf gegen Street View wehre, das habe aber Symbolcharakter, gestand sie ein.

Der Initiator der Aktion in Parum, Wilhelm Meier, sagte, Google verfüge über umfangreiche Kenntnisse aus dem Privatleben vieler Menschen. Die Bewohner von Parum hätten die Sorge, dass mit Street View noch weit mehr auf die Bürger zukomme. "Diese Anmaßung, über unsere Daten zu verfügen, ist abenteuerlich", meinte Meier. Er beklagte auch, dass der Staat und die Datenschutzbeauftragten nicht lebhaft gegen Google vorgingen, sondern diplomatisch verhandelten und sich darauf beschränkten, deren Konditionen an die Bürger weiterzugeben. "Das ist skandalös. Google hat zu fragen."

Die Aufregung in Parum sei nicht gerechtfertigt, betonte hingegen Google-Sprecherin Wagner. Es stelle sich derzeit gar nicht die Frage, ob Parum im Netz erscheint. "Das liegt in weiter Ferne". Es gebe aber keinen prinzipiellen Ausschluss von kleinen Gemeinden. Wagner berichtete von Kommunen, die ihren Einwohnern mit dem Auslegen von Formularen Unterstützung geben. Google hatte Mitte Oktober mitgeteilt, dass gut 244.000 Haushalte Widerspruch gegen die Veröffentlichung ihrer Häuserfronten eingelegt hatten. Das sind knapp 3 Prozent der Betroffenen in den bereits für den Dienst erfassten 20 größten deutschen Städten. Google garantiert allen Bürgern ein Widerspruchsrecht.

Wenn sich ein komplettes Dorf wehrt, sei es für Google einfacher, damit umzugehen, sagte der Datenschutzbeauftragte von Mecklenburg- Vorpommern, Karsten Neumann. So gebe es bei Google Earth große Flächen, meist mit militärischer Nutzung, die auf dem Bildschirm grau erscheinen. "Das, was für das Militär gut ist, soll für die Privaten nur billig sein." Diese könnten sich auf den Schutz ihrer Privatsphäre als übergeordnetes Interesse berufen. Niemand hätte etwas dagegen, wenn touristisch interessante Ziele per Street View ins Netz gestellt werden. Neumann begrüßte es, dass sich Bürger mit dem Thema auseinandersetzen, denn Street View sei nur die Spitze eines Eisberges.

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