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Streit um iPhone-Software: US-Behörden prüfen Wettbewerb

04.08.2009 | 07:29 Uhr |

Der jüngste Streit zwischen Apple und Google um eine Google-Telefonsoftware für Apples iPhone könnte weiterreichende Folgen haben, als es Apple und der Mobilfunkbranche lieb sein dürfte. Ende vergangener Woche hat die Verbannung von Google Voice aus dem AppStore auch das Interesse der US-Telekom-Aufsicht FCC geweckt.

In den Fokus der Behörde ist unter anderem auch die Vermarktung über exklusive Partnerschaften gerückt. Noch gibt es keine offizielle Untersuchung, doch die Ermittlung könnte Folgen für die gesamte Telekom-Branche haben. Inzwischen richtete die US-Behörde erste Anfragen an Apple, Google und den Mobilfunk-Anbieter AT&T. Die FCC wolle unter anderem prüfen, ob exklusive Industrie-Partnerschaften den technologischen Fortschritt fördern oder aber behindern könnten, 0sagte FCC-Vorstand Julius Genachowski. Mit Ausnahme weniger Länder wie etwa Frankreich bietet Apple sein iPhone exklusiv über ausgewählte Mobilfunkprovider an, in den USA über AT&T, hierzulande mit T-Mobile. Von AT&T will die FCC nun auch wissen, inwieweit der US-Mobilfunkprovider Einfluss auf die Entscheidung Apples genommen hat.

Streitpunkt zwischen Apple und Google ist die Telefon-Software Google Voice, die bislang nur in einer Test-Version zur Verfügung steht. Die Software ermöglicht unter anderem kostenloses Versenden von SMS-Nachrichten und günstige beziehungsweise kostenlose Telefongespräche über das Internet-Protokoll.

AT&T dürfte in Google Voice eine große Herausforderung für das eigene Geschäftsmodell sehen und könne deshalb durchaus Druck auf Apple ausgeübt haben, schätzt Carl Howe, Analyst der Yankee Group in Boston. In Deutschland hatte zuletzt die Internet-Telefon-Software Skype in der Mobilfunkbranche für Aufregung gesorgt. Die Ankündigung des zum Auktionshaus eBay gehörenden Skype vor einigen Monaten, den Internet-Telefon-Dienst künftig auch für Apples iPhone und den Blackberry anzubieten, konterte iPhone-Partner T-Mobile prompt damit, die Software in den eigenen Netzen blockieren zu wollen. Mit zum Teil kostenlosen Gesprächen über das Internet-Protokoll sieht der Mobilfunk-Provider seine wichtigsten Umsatz-Quellen in Gefahr.

In einer ersten Stellungnahme gegenüber der «Washington Post» bestritt AT&T jegliche Einflussnahme auf die Entscheidung von Apple. «Kunden können jedes GSM-fähige Telefon in unserem Netzwerk nutzen», betonte das Unternehmen. Den Kunden stehe es auch frei, jede Anwendung ihrer Wahl auf ihren Handys zu nutzen. Für eine ausführliche Antwort hat die FCC den drei Unternehmen bis zum 21. August Zeit eingeräumt.

Für Apples iPhone ist der AppStore mit Hunderten von Software- Anwendungen eine der tragenden Säulen des Erfolgs. Innerhalb eines Jahres registrierte das Unternehmen insgesamt 1,5 Milliarden Downloads. Googles Telefonsoftware Voice ist nicht die erste Anwendung, die an dem umstrittenen Zulassungsverfahren für den Store scheitert. Die Art und Weise der Auswahl war wiederholt in die Kritik geraten. Die Kriterien seien nach außen nicht transparent, so einer der Vorwürfe. Branchenbeobachter sehen in der restriktiven Auslese für den Store eine bedenkliche Wettbewerbsverzerrung. Apples iPhone hat wie kaum ein anderes Handy den Mobilfunkmarkt in in jüngster Zeit geprägt und die mobile Nutzung des Internets hoffähig gemacht. «Vorher gab es das Internet, mit dem iPhone haben wir neues, bislang unentdecktes Land betreten», sagte Daniel Lüders, Redakteur der Fachzeitschrift «c't». Für das normale Internet könne jeder Nutzer jeden beliebigen Computer und die Software seiner Wahl einsetzen. Im Mobilfunkbereich würden dagegen die Provider und Hardware-Anbieter kontrollieren und bestimmen, welche Handys und welche Anwendungen genutzt werden dürften. Durch die Dominanz von Apple finde inzwischen eine eindeutige Wettbewerbsverschiebung statt. «Mich wundert, warum die FCC erst jetzt tätig wird», sagte Lüders. (dpa)

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