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Google fotografiert Deutschlands Straßen

07.07.2008 | 15:17 Uhr |

Sie fahren durch München, durch Frankfurt und durch Berlin: schwarze Fahrzeuge, die einen komplizierten Aufbau auf dem Dach tragen, im Schritttempo fahren und laufend Fotos schießen.

Es sind Kamerawägen der Firma Google und sie wollen die Funktion "Street View" nach Deutschland holen. In Frankreich kann man sich damit bereits in Radfahrerperspektive durch den Streckenverlauf der Tour de France klicken.

Die Substanz, die Radfahrer fliegen lässt, ist anscheinend noch nicht erfunden. Jedenfalls sehen auch die Teilnehmer der diesjährigen Tour de France ihre Umgebung noch ungefähr in Fußgängerperspektive vorbeirasen. Wer Google Maps benutzt, kann diese Umgebung jetzt in derselben Perspektive sehen: Auf dem gesamten Streckenverlauf hat der Anbieter alle paar Meter ein Panorama erstellt. Die Rundum-Fotos lassen sich im Internet ansehen, per Mausklick kann man von Bild zu Bild navigieren. In den USA ist die Funktion "Street View" bereit seit über einem Jahr in rund 40 großen Städten verfügbar. Der Tagesspiegel aber hat nun entdeckt, dass derzeit auch in Berlin alle Straßenzüge abfotografiert werden, außerdem in München und in Frankfurt. Jede Spezialkamera verfüge über 11 Linsen, aus denen sich ein Rundumpanorama zusammensetze, fotografiert werde nur bei gutem Wetter. Darf es denn sein, dass man im Internet auf einmal in Google Maps zu sehen ist, womöglich vor dem Haus der Geliebten oder auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch bei der Konkurrenz? Nein, schimpfen besorgte Bürger und Datenschützer - und Google ist bereit, ihnen Recht zu geben: In Deutschland will der Anbieter Gesichter von Passanten und Autokennzeichen unkenntlich machen. Datenschützer sind sich allerdings nicht ganz sicher, ob das auch zuverlässig funktioniert und fragen sich zudem, wann die Informationen entfernt werden. Auch wenn sie Otto Normalsurfer nicht im Internet finden kann - Google könnte ein gigantischer Vorrat an Bildern mit Gesichtern und Kennzeichen zur Verfügung stehen, auch wenn diese die Firma gar nicht verlassen - doch auch das bereit so manchem Kritiker Bauchschmerzen. Wann die Fotos online gehen werden, kommuniziert Google nicht.

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