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Googles Konkurrenten holen auf

27.07.2004 | 10:01 Uhr |

Der milliardenschwere Börsengang markiert nach der erstaunlichen Erfolgsgeschichte des Suchmaschinenbetreibers Google einen neuen Höhepunkt für das Unternehmen.

Doch längst stehen mächtige Konkurrenten wie Yahoo! und der Softwaregigant Microsoft im Kampf um den lukrativen Suchmaschinenmarkt in den Startlöchern.

Der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft will mit seinem Internetportal MSN schon seit geraumer Zeit Google die Marktführerschaft streitig machen. So integrierte der Konzern für seine amerikanischen Kunden zum Beispiel umfangreiche Suchfunktionen über eine Werkzeugleiste, die ganz deutlich ähnliche Angebote von Yahoo! und Google imitieren. Erst vor wenigen Tagen übernahm Microsoft die kleine kalifornische Firma Lookout, die ein Programm für die schnelle Suche in E-Mail-Fächern oder auf dem Computer vertreibt - Funktionen, die nach Ansicht von Branchenexperten auch bei Google längst in der Entwicklung sind.

Mit zahlreichen Neuentwicklungen und zusätzlichen Serviceleistungen wappnet sich derzeit auch Yahoo! gegen die wachsende Konkurrenz. Mit Zukäufen etwa des Suchmaschinenbetreibers Inktomi oder des Anzeigenvermarkters Ouverture verschaffte sich das Unternehmen in der Vergangenheit einen guten Stand im Markt. Zuletzt hatte sich das Unternehmen im März vom einstigen Partner Google als Technologielieferant getrennt und setzt seither eine eigene Technik ein.

Die «Yahoo! Search Technology» (YST) soll nach Angaben des Unternehmens eine deutlich verbesserte Trefferquote erzielen. Weltweit soll inzwischen fast jede zweite Suchanfrage im Internet über die YST-Technologie bedient werden - derzeit wird sie auch vom Konkurrenten Microsoft genutzt. Allerdings will der Softwaregigant bis Ende 2004 seine eigene Technologie fertig haben. Dabei galt bislang stets Google als technologisch führend und baute seinen enormen Erfolg nicht zuletzt auf diesem Ruf auf.

Zumindest in den USA scheint die Strategie von Microsoft bereits Früchte zu tragen. Nach Angaben des Internet-Marktforschers ComScore Networks haben im April 47 Prozent der amerikanischen Nutzer mindestens einmal über Google gesucht, verglichen mit bereits 40 Prozent, die MSN ausprobiert haben.

Angesichts der Markt- und Kapitalmacht des weltgrößten Softwarekonzerns hatten manche Branchenbeobachter Google längst ein ähnliches Schicksal prophezeit, wie es einst der Browser-Hersteller Netscape erlitt. Damals hatte Microsoft in ganz ähnlicher Weise einen entstehenden Markt zunächst verschlafen. Die Firma Netscape war Mitte der Neunziger auf dem Browser-Markt mit weitem Abstand weltweiter Marktführer - bis Microsoft das Geschäftsfeld für sich entdeckte, den eigenen Internet Explorer in das Betriebssystem integrierte und in wenigen Jahren das Verhältnis mit einem Marktanteil von heute 90 Prozent radikal umkehrte.

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