Von Peter Müller - 26.04.1999, 00:00

Grafikdesign in Deutschland

Wer sich von 1000 Mark Eintritt für drei Kongreßtage nicht schrecken ließ, bekam auf der Typo Berlin 99 Typographie, Bild- und Buchkunst geboten. Das begann mit kräftigen Worten von Bazon Brock, Professor für Ästhetik und Gestaltungstheorie an der Universität in Wuppertal, und seinem Vortrag über "Mundräuber, Zechpreller und andere Gestalter - die Müllmänner der Datengesellschaft". Nach seinen Worten sind Gestalter heute für die sakrale Aufbereitung der Informationsflut verantwortlich, da in der heutigen Welt nicht mehr die Produktion, sondern die Entsorgung von Informationen nötig ist. Die Kulturgeschichte lehrt, daß "endzeitliche Entsorgung, ähnlich wie in Archiven oder Museen" nur durch verehrungswürdige Aufbereitung möglich ist. Dazu können Designer ein Objekt unter anderem so gestalten, daß es schon bei der ersten Präsentation als "veraltet, aber richtungweisend für spätere Generationen" angesehen wird. Veraltetes war auch das Thema von Günter Gerhard Lange, dem "Maschinengewehr Gutenbergs", der gewohnt deutlich die Vorzüge alter Gestaltungsmuster für die heutige Zeit präsentierte. Sein furioses Plädoyer für Schriften wie die Garamond läßt uns jetzt in gespannter Erwartung auf den ersten Geschäftsbericht warten, dessen Titelblatt streng nach Bodoni im Mittelachsensatz aufgebaut ist. Wichtigster Punkt für Studienabgänger oder Freischaffende war allerdings Designerdock (www.designerdock.de), eine Berliner Anlaufstelle, die zwischen Arbeitgebern und Arbeitsuchenden vermittelt. Der Service ist weitgehend kostenlos: Wer sich von Designerdock an eine Agentur oder eine Firma vermitteln lassen will, muß eine Mappe mit Arbeitsproben einreichen. Designerdock prüft die Arbeiten und nimmt vermittelbare Angebote in die Kartei auf. Dieser Service und die Vermittlung einer festen Stelle ist kostenlos, nur wer von Designerdock einen Einzelauftrag für Freiberufler vermittelt bekommt, muß zehn Prozent des Honorars an die Agentur zahlen. wm
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