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Gravis zieht bei Karstadt ein

20.11.2007 | 09:55 Uhr |

Ein ehrgeiziges Ziel hat sich Gravis-Chef Archibald Horlitz gesetzt: Jeder zweite bei Karstadt verkaufte Computer soll ein Mac werden. Gestern eröffnete in der Düsseldorfer Karstadt-Filiale die erste Computer- und Multimedia-Fachabteilung unter Ägide der Berliner Handelskette, im ersten Halbjahr 2008 sollen im Rahmen eines Pilotversuchs bis zu acht weitere Standorte folgen.

Für den Mac-Markt in Deutschland könnte dieser Schritt einen enormen Schub bedeuten - und Gravis' eigenes Wachstum schreitet mit Siebenmeilenstiefeln nicht weniger zügig voran. Damit konkretisieren sich Absichtserklärungen aus dem vergangenen Monat .

Am Telefon zeigte sich Archibald Horlitz in Düsseldorf immer noch euphorisch über die Wandlung der Fachabteilung in der Karstadt-Filiale an der Schadowstraße. Die meisten dieser Abteilungen liegen etwas abseits in den oberen Stockwerken der insgesamt 89 Warenhäuser und versprühen wenig Charme. "Hier strahlt jetzt das Gravis-Design, die Abteilung präsentiert sich im modernen Weiß mit den Akzenten, die unsere Kunden bereits aus den Gravis-Stores kennen." Der Umbau selbst, so Horlitz, habe zwei Wochen gedauert - und das sei auch der Grund, warum in diesem Jahr keine weiteren Karstadt-Filialen folgen: "Kein Einzelhändler möchte zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts Baulärm und abgesperrte Flächen seinen Kunden zumuten." Als nächster Standort soll das Karstadt-Warenhaus in Lübeck folgen, weitere Kandidaten sind München (Oberpollinger), Dresden und Dortmund und vier weitere Niederlassungen. Der Pilotversuch ist zunächst auf sechs Monate angelegt. In dieser Zeit will Gravis auch ermitteln, ob man sich selbst Konkurrenz macht, schließlich ist die Handelskette mit einer eigenen Filiale in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt vertreten. Aufgrund des gänzlich anderen Kundenprofils geht der Gravis-Gründer nicht von einer "Kanibalisierung" aus. Dass die Gravis-Verkäufer neben Apple-Produkten Kunden nun auch zu Windows-PCs beraten müssen, sieht er wenig problematisch: "Seit dem Intel-Switch, Boot Camp und den Virtualisierungslösungen müssen und können wir uns mit Windows-Systemen beschäftigen und haben uns längst die entsprechende Kompetenz angeeignet", so der Gravis-Chef. Nichtsdestotrotz: Für die neuen Standorte bei Karstadt ist auch neues Personal vonnöten: "Zwölf bis 15 Mitarbeiter brauchen wir pro Abteilung, zum Teil ist das Nachwuchs aus eigenen Filialen, aber es bewerben sich auch die bisherigen Karstadt-Mitarbeiter bei uns", so Horlitz und bestätigt auch, dass in den von Gravis betriebenen Abteilungen dann mehr Mitarbeiter für die Kunden da sind als bisher. Schließungen eigener Standorte seien nicht geplant. Die Süddeutsche Zeitung fragt sich, wie die Expansion finanziert werden soll, wenn der Pilotversuch glückt. Horlitz gibt sich zuversichtlich und glaubt, "bald" in jedem zweiten Karstadt-Warenhaus die Fachabteilung zu beschicken. Dabei koste jeder Abteilungs-Umbau zwischen einer Viertel- bis zu einer halben Million Euro. Gegenüber der Zeitung wiederholte Horlitz als Finanzierungsmöglichkeit den eigenen Börsengang wie auch den Einstieg eines Finanzinvestors, hierüber wollen er und die Miteigentümer Martin Wuppermann und Wilfried Gast im März entscheiden, Interessenten gebe es ( wir berichteten ). Auf 500 Millionen Euro Erlös pro Jahr taxiert Horlitz die Umsatzchancen; selbst wenn die Zusammenarbeit nicht zustande komme, will Gravis aus eigener Kraft im übernächsten Jahr die Umsatz-Marke von 200 Millionen nehmen. Bild: Gravis

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