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Green IT: Unternehmen und Politik in der Pflicht

14.08.2008 | 13:38 Uhr

Unternehmen und Politik müssen Green IT ernster nehmen, schließlich erzeugen Computer so viel Kohlenstoffdioxid wie der globale Flugverkehr. Noch fehlt es an ganzheitlichen Strategien und Initiativen.

Greener Apple
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© Apple

Weltweit werden über eine Milliarde Computer genutzt. Bis zum Jahr 2012 soll sich diese Zahl verdoppeln, so die Studienergebnisse des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Gartner . Für rund 58 Prozent der Arbeitnehmer ist der kleine Helfer im Beruf unverzichtbar. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes steht er außerdem in 70 Prozent aller deutschen Haushalte. Auf der Schattenseite dieser elektronischen Flut steht die schlechte Umweltbilanz: Viele der Geräte sind veraltet und wahre Stromschlucker. Strom im Wert von 360 Millionen Euro jährlich verbrauchen die rund 30 Millionen Privat-PCs bereits im Standby-Modus.

Kein Wunder also, dass die Politik die Notbremse zieht. Einem Beschluss der EU-Kommission zufolge dürfen Computer ab 2010 im Bereitschaftsmodus höchstens ein Watt pro Stunde verbrauchen. Diese Standby-Vorgabe ist die erste Verordnung, die die EU-Mitgliedsstaaten im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie beschlossen haben, berichtete die "Tagesschau". Erklärtes Ziel sei es, durch bessere Konstruktionen der Computer die Umweltbelastungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu mindern. Doch das so genannte Konzept der Green IT umfasst weit mehr als nur sparsame Geräte, wie Ulrike Kalle, Chemieexpertin von Greenpeace , zu berichten weiß: "Die Hersteller müssen sich den gesamten Lebensweg ihrer Produkte vornehmen - vom Abbau der Rohstoffe über die Produktion bis hin zur Wiederverwertung der Altgeräte", so Kallee.

Greenpeace setzt sich bereits seit 2005 für umweltfreundliche Elektronik ein. Zahlreiche Hersteller hätten seitdem ihre Umweltrichtlinien geändert. Apple etwa habe im vergangenen Jahr als Reaktion auf die Greenpeace-Kampagne "Green my Apple" angekündigt, auf PVC und bromierte Flammschutzmittel zu verzichten. Auch das Technologieunternehmen Bizerba aus Balingen hat erkannt, dass Green-IT nicht nur umweltfreundlich ist, sondern auch lukrative Einsparmöglichkeiten bietet. "Zur Kühlung der Geräte im Rechenzentrum nutzen Klimaanlagen mit Free-Cooling-Funktion in der kalten Jahreszeit die Außenluft zur Kälteerzeugung. Zusätzliche Kältemaschinen kommen nur an heißen Tagen zum Einsatz. Dadurch lässt sich der Energieverbrauch beträchtlich senken", erklärt Matthias Harsch, Sprecher der Geschäftsführung bei Bizerba.

Und das scheint dringend nötig. Denn laut einer Gartner-Schätzung erzeugt die IT-Industrie genauso viel Kohlendioxid-Ausstoß wie der weltweite Flugverkehr. Die Schätzungen basieren auf der gesamten Energie, die PCs, Server, Telefonanlagen und Netzwerke in den Büros weltweit erzeugen. "In den nächsten fünf Jahren wird der finanzielle, umweltpolitische, juristische und risikobehaftete Druck auf Unternehmen stärker, ihre Organisation grüner zu machen", so Simon Mingay, Vizepräsident von Gartner, in einem Bericht von Grüne-IT . Nur wenige Manager hätten bislang die von ihnen verursachten Umweltbelastungen erkannt. (pte)

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