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Greenpeace-Ranking: Erneut Prügel für Nintendo

18.03.2008 | 13:35 Uhr |

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat ihren vierteljährlichen Ratgeber "Grüne Elektronik" veröffentlicht. In dem Bericht wird dem Spielkonsolenhersteller Nintendo erneut eine Schelte erteilt.

Das Unternehmen Nintendo, das im Dezember-Bericht von Greenpeace bereits als Schlusslicht gebrandmarkt wurde, konnte sich in den vergangenen drei Monaten nicht verbessern und erreicht lediglich 0,3 der möglichen zehn Punkte. "Es hat sich bei Nintendo einfach nichts getan", begründet Herwig Schuster, Chemie-Experte bei Greenpeace, das schwache Ergebnis des japanischen Konzerns im Gespräch mit pressetext. Nintendo brauche sicherlich noch Zeit, meint Schuster, "denn es ist ein Lernprozess, der dauern kann." Als grüner Musterschüler mauserte sich Toshiba. Das Unternehmen belegt im aktuellen Ranking den ersten Platz ex-aequo mit Samsung und verdrängt damit auch Nokia von dieser Position.

"Toshiba hat mittlerweile ein weltweites Rücknahmeprogramm ins Leben gerufen und wurde somit zum Aufsteiger von Platz sechs auf eins", lobt Schuster. Am finnischen Handyhersteller kritisiert Greenpeace die schlechte Rücknahmepolitik in Indien und Russland. Allerdings verfehlte das Unternehmen den ersten Platz nur knapp, so Greenpeace, und landete auf Rang drei. Samsung hat seine Punktezahl im Vergleich zur letzten Fassung des Ratgebers beibehalten. Philips, Panasonic and Sharp ignorieren weiterhin ihre Verantwortung für Elektronikschrott, der aus ihren Produkten entstanden ist, so die Organisation.

"Die meisten Elektronikfirmen haben mittlerweile begonnen, Risikochemikalien zu ersetzen und Verantwortung für ihren Elektronikschrott zu übernehmen. Die Unternehmen müssen jedoch im Sinne einer nachhaltigen Geschäftstätigkeit die Verantwortung für den gesamten Produktlebenszyklus ihrer Geräte übernehmen", fordert Schuster. Dies beginne bereits bei der Konstruktion und gehe über die Produktion bis zur endgültigen Entsorgung der Produkte. Das GreenIT-Ranking von Greenpeace wurde im August 2006 erstmals veröffentlicht. Seit damals konnten sich die meisten Firmen verbessern. Einfluss auf die Platzierung hat die globale Politik der Unternehmen hinsichtlich des Umgangs mit Risikochemikalien sowie Elektroschrott und Recycling. In die künftigen Rankings soll zudem der Energieverbrauch der Produkte als weiteres Kriterium einfließen. Dadurch sollen die Elektronikhersteller ermutigt werden, ihre CO2-Bilanz zu verbessern, so Schuster.

Verbessert hat sich im aktuellen Ranking auch Apple, von Platz 11 auf Platz 9. Greenpeace lobt die teilweise PVC- und BFR-freie Produktion von Macbooks (Pro) und iMacs. Zudem gefällt die Roadmap, auf der Apple zeigt, welche Produkte bis wann frei von schädlichen Materialien sein werden. Kritik gibt es jedoch an der mangelnden Inforamtionspolitik über derzeit noch verwendete Substanzen, Greenpeace fordert Apple auf, sein Rücknahmeprogramm international auszuweiten.

Die aktuelle Strategie der IT-Branche, mit GreenIT zu punkten, sieht man bei der Umweltschutzorganisation mit gemischten Gefühlen. "Der Trend wurde durch den Klimawandel losgetreten. Nun wird die Reduktion des Energieverbrauchs bei den Firmen groß geschrieben. Allerdings muss noch viel passieren", fordert Schuster, denn viele Unternehmen würden sich aktuell grüner geben, als sie sind. Neben dem Stromverbrauch müssen die Hersteller auch weitere Kriterien berücksichtigen, damit aus der Marketing-Floskel Realität werde. "Sie müssen die Produkte entwerfen, die keine giftigen Chemikalien enthalten, energieeffizient, lange haltbar und recyclingfähig sind. Und sobald sie von den Verbrauchern entsorgt wurden, müssen die IT-Firmen weltweit für den daraus entstandenen Elektroschrott Verantwortung übernehmen", so Schuster. (pte)

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