919525

Grenzenlose Freiheit: Surfen über den Wolken

18.02.2004 | 16:02 Uhr |

Was auf der Erde schon fast Standard ist, wird bei einer Geschwindigkeit von 800 Kilometern pro Stunde und in 10.000 Metern Höhe zu einer echten technischen Herausforderung.

Das Surfen an exotischen Orten ist schon länger möglich: In einigen Münchner Biergärten gibt es Internetzugänge, in vielen Cafés, in Hotels, an Flughäfen und zuhause auf dem Sofa im nicht verschlüsselten Wireless-Netz des Nachbarn. Die WLAN-Technologie (Wireless Local Area Network), in allen neueren Notebooks integriert, ermöglicht das kabellose Surfen im Internet und die rapide wachsende Zahl an Internetzugängen per DSL sorgt für eine schnelle Anbindung.

Eine konstante Datenverbindung bei Fluggeschwindigkeit und der störungsfreie Betrieb eines WLAN neben den hochsensiblen Computersystemen eines Flugzeugs sind nur zwei der vielen technischen Probleme. Doch nun, verspricht Boeing, finden Bits und Bytes ihren Weg auch ins Flugzeug. Connexion by Boeing heißt der Internetdienst den Flugzeughersteller Boeing inklusive Technik allen Airlines anbietet und den als erste Fluggesellschaft die Lufthansa ihren Fluggästen ab April auf Langstreckenflügen in die USA und nach Asien kostenpflichtig zur Verfügung stellen will. Macwelt war beim ersten Probeflug für die deutschen Medien dabei und hat das Surfen im Flugzeug getestet: Mit Login-ID und Passwort ausgestattet, gelingt die Einwahl ins WLAN kurz nach dem Start der Boeing auf Anhieb und das Powerbook stellt mit einer Signalstärke von drei Balken wie gewohnt eine Verbindung zum Internet her. Weitere Einstellungen sind nicht erforderlich. Das kabellose Surfen in luftigen Höhen beginnt - und schon baut sich die erste Seite auf. Während das Flugzeug über den zum Greifen nahen Alpen dahinfliegt, erscheinen die angesurften Internetseiten.

Im Netz lässt die Reisegeschwindigkeit allerdings zu wünschen übrig, denn der Seitenaufbau ist deutlich langsamer als erwartet, hatte doch die PR-Dame von Boeing einen High-Speed-Zugang vergleichbar mit DSL angekündigt. Der Boeing-Techniker im Flugzeug erklärt, dass über die Satelliten-Verbindung theoretisch eine Download-Rate von 7,5 Megabit und ein Upload von 128 Kilobit möglich seien, je nach Anzahl der Internetnutzer und der zur Verfügung stehenden Zugangspunkte (Hotspots) im Flugzeug würden die Übertragunsraten aber variieren. Bei diesem Testflug mit einem Hotspot und 24 eingewählten Benutzern gibt die Freeware Menumeters in der Menü-Leiste des Powerbook den Datendurchsatz mit 30 bis 50 Kilobyte pro Sekunde an. Hinzu kommt, dass die Übertragungsraten sehr stark schwanken. Ein Quick-Time-Trailer auf Apples Movie-Seite lädt erst mit 100 Kilobit pro Sekunde bleibt aber nach einer Weile stehen. Alles in allem liegt die Surfgeschwindigkeit gefühlsmäßig zwischen ISDN und DSL. Neben dem Internetzugangt ermöglicht die Satellitenverbindung auch eine Übertragung von Live-Fernsehen ins Flugzeug.

Spannend wäre eine iChat-Konferenz mit Apples iSight-Webcam gewesen, doch leider gelingt die Video-Konferenz nicht, da die entsprechenden Ports nicht verfügbar sind. Für solche Späße ist die Verbindung also nicht gedacht. Überhaupt richtet sich der Internetzugang im Flugzeug laut Boeing vor allem an Geschäftskunden die auf Langstreckenflügen Termine und E-Mails bearbeiten wollen. Der Service, den die Lufthansa ab Anfang April in allen 80 Langstreckenflugzeugen ihrer Flotte anbietet, ist aber für jeden Passagier zugänglich, vorausgesetzt er ist bereit, bis zu 30 US-Dollar für den Zugang pro Flug zu zahlen. Genaue Preise stehen noch nicht fest. Verläuft die Einführung des Internetzugangs erfolgreich will Connexion by Boeing in zwei bis drei Jahren auch ein Internet-Telefon (Voice-Over-IP) einführen.

Fazit

Für Geschäftskunden ist der Internetzugang im Flugzeug sicherlich eine gute Arbeitshilfe, und auch der Economy-Fluggast profitiert, da er nun die Möglichkeit hat, die langen Stunden eines Interkontinentalfluges mit einem Internetstreifzug zu überbrücken. Bei einem Preis von voraussichtlich 30 US-Dollar pro Flug lässt die Geschwindigkeit des Zugangs allerdings zu wünschen übrig, was sich jedoch bei der rasanten Entwicklung der Technik in absehbarer Zeit ändern dürfte.

0 Kommentare zu diesem Artikel
919525