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Große Vorschau auf OS X Mavericks

28.06.2013 | 09:00 Uhr |

Apple verabschiedet sich von seinen Raubkatzen und läutet eine neue Ära ein: Mit neuem Finder, besserem Multi-Display-Support und intelligenterem Ressourcenmanagement soll aus Mavericks der nächste große Schritt werden

Apples Senior Vice President of Software Engineering, Craig Federighi, hat im Rahmen der Eröffnungs-Keynote der diesjährigen WWDC die nächste Generation des „fortschrittlichsten Computer-Betriebssystems der Welt“ der versammelten Entwicklergemeinde vorgestellt. OS X Mavericks zeigt, dass Apple doch auf häufig genannte Anwenderwünsche eingeht.

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Finder-Tabs

Tabs sorgen für mehr Übersicht im Finder.
Vergrößern Tabs sorgen für mehr Übersicht im Finder.
© Apple

Einer der größten Wünsche der Mac-Nutzer waren Tabs für den Finder. Vor allem mit Blick auf Drittherstellerlösungen wie Total Finder oder Pathfinder war es dafür an der Zeit. Die neuen Finder-Tabs lassen sich einfach und schnell per Drag-and-drop oder simplem Klick auf die „+“-Taste am rechten Rand der Tab-Leiste erzeugen und können jeweils unabhängig voneinander konfiguriert und an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Sollen für eine bessere Übersichtlichkeit mehrere geöffnete Finder-Fenster zusammengeführt werden, reicht es aus, über die Menüleiste im Fenster-Menü den Befehl „Fenster zusammenführen“ zu wählen, und schon zieht OS X Mavericks sämtliche geöffneten Finder-Fenster in ein einziges Fenster mit der entsprechenden Anzahl an Tabs zusammen.

Tags statt Etiketten

Tagging ist die zweite große Finder-Neuerung der WWDC-Keynote. Künftig können alle Dateien mit einem Tag versehen und so einer system- oder nutzerdefinierten Kategorie zugeordnet werden. Das dürfte das Suchen und Finden von einzelnen Files deutlich vereinfachen. Das Tagging von Dateien funktioniert dabei denkbar einfach: Erstellt man beispielsweise ein Pages-Dokument, entscheidet man beim Speichern der Datei nicht nur, welchen Namen das Dokument tragen und wo es abgespeichert werden soll, sondern auch, ob es einen Tag bekommen soll.

Auf welchen Macs läuft Mavericks?

© 2015

Wie bei jeder neuen Generation von OS X stellt sich für viele Mac-Besitzer die Frage: Ist mein Mac mit Apples OS X Mavericks überhaupt kompatibel? Laut einem von bekannten Entwicklern bestätigten Bericht der US-Webseite Macrumors.com lauten die Anforderungen für die Beta von OS X 10.9 exakt so, wie seinerzeit diejenigen von OS X Mountain Lion. Apple wird also wohl keine älteren Geräte von der Mavericks-Kante stoßen.

Es ist möglich, wie bisher mit farbigen, den „Etiketten“ ähnelnden Tags zu arbeiten, oder selbst neue Begriffe zu definieren. In der Seitenleiste des Finders stehen dann alle Tags aufgelistet, ein Klick auf einen Tag zeigt alle zugehörigen Dateien. Mit Mountain Lion scheinen die neuen Finder-Tags jedoch nicht komplett kompatibel zu sein. Verschiebt man eine getaggte Datei von Mavericks auf Mountain Lion, bleibt lediglich ein gleichfarbiges Etikett. Im umgekehrten Fall scheinen, so berichten jedenfalls einige Entwickler, Spotlight-Kommentare nicht mit den neuen Tags kompatibel zu sein.

Dank der neuen Tags lassen sich Dateien leichter Finden.
Vergrößern Dank der neuen Tags lassen sich Dateien leichter Finden.
© Apple

Mehr Bildschirme, mehr Freiheiten

Ebenfalls neu in OS X Mavericks: Der Finder unterstützt ab OS X 10.9 auch den mit Lion eingeführten Vollbild-Modus für Apps. Apple hat außerdem mit „ Multiple Displays“ eine deutliche Verbesserung vorgenommen. OS X Mountain Lion kann problemlos mit mehreren externen Bildschirmen umgehen, bekommt aber ein Problem, wenn auf einem der Monitore eine App in den Vollbild-Modus geschaltet wird.

Linkedin: Auf einer Wellenlänge mit Mavericks

© 2015

Neben den bisherigen systemweiten Logins für Facebook, Twitter, Flickr oder Vimeo gesellt sich mit dem Karrierenetzwerk Linkedin ein weiteres soziales Netzwerk zum bunten Reigen hinzu – inklusive der entsprechenden Freigabeeinstellungen zum direkten Teilen von Inhalten.

Damit räumt Apple bei Mavericks auf, denn nun wird jeder mit dem Mac verbundene Monitor wie ein Hauptbildschirm behandelt. Das heißt in der Praxis, dass verbundene externe Monitore eigene Menüleisten und Spaces bekommen, die unabhängig voneinander konfiguriert und verändert werden können – Vollbild-Probleme wie es sie noch unter Mountain Lion gibt, dürften damit der Vergangenheit angehören. Und auch bei der Kompatibilität von Displays, die via Airplay verbunden werden, hat Apple geschraubt. Diese sollen sich nun genauso verhalten, wie per Kabel verbundene Bildschirme.

Dashboard bleibt erhalten

© 2015

Das altbekannte Dashboard bleibt auch mit Version OS X10.9 Teil des Betriebssystems. Hier hat Apple den bisher an Legosteine erinnernden Hintergrund durch eine schlichte, grau gekachelte Fläche ersetzt. Die Funktionalität bleibt unangetastet. Hier im Bild: Das Mountain Lion-Dashboard.

Weniger Leinen und Leder

Kommen wir zu den optischen Veränderungen: Während das Dock und die Menüleiste nach wie vor transparent beziehungsweise spiegelnd gehalten sind, zeigt Apple mit der neu gestalteten Kalender-App, wohin es mit OS X gehen soll. Kalender passt mit den schlichten weißen Flächen und dem aufgeräumten und flachen Design perfekt zur Optik von iOS 7 – und verabschiedet sich damit endgültig von den Leder- und Leinenimitaten der Vorgänger. Die Funktionalität der App bleibt durch den Neuanstrich unberührt. Neben den gewohnten Ansichten für Tag, Woche, Monat und Jahr zeigt Apple auch neue Funktionen wie den verbesserten „Inspector“, der beim Anlegen oder beim Klick auf ein bereits bestehendes Ereignis ein kleines Menü öffnet.

Dank der verbesserten Inspector-Funktion können Karten- und Wetterinformationen nun in Terminen eingetragen werden.
Vergrößern Dank der verbesserten Inspector-Funktion können Karten- und Wetterinformationen nun in Terminen eingetragen werden.
© Apple

Dank des neuen Karten-Frameworks von OS X Mavericks können künftig die Orte von Ereignissen oder Terminen auch gleich noch per Mini-Map angezeigt werden. Und: Die neue Kalender-App kann sogar die Anreisezeiten in den Termin integrieren. Sie greift dafür entweder auf die von „Karten“ zur Verfügung gestellten Verkehrsinformationen (PKW oder zu Fuß) zurück, oder nutzt schlicht eine Nutzereingabe – zum Beispiel 20 Minuten. Ebenfalls integriert: Das Wetter am Zielort. Ganz nebenbei sorgt das deutlich verbesserte Scrolling von Mavericks für stufenloses Verschieben von Kalenderansichten.

Wirft man einen Blick auf die Apps Kontakte, Notizen, Nachrichten und Facetime fällt auf, dass Apple weitgehend auf skeuomorphistische Elemente verzichtet hat – das berichten uns mit der Mavericks-Beta vertraute Entwickler. Die Kontakte-App zum Beispiel hat sich nur optisch verändert, die Nutzerführung und Menüstruktur bleiben gleich. Bei Notizen wurden lediglich die Linien des „Notizzettels“ entfernt (die Papiertextur bleibt aber), in Facetime hat Apple den Leinenhintergrund gestrichen. Tiefer gehen die Veränderungen aber bei Nachrichten, das Apple nach uns vorliegenden Informationen künftig strikter von Facetime trennt: Mit anderen Kontakten können aus Nachrichten heraus keine Video-Anrufe mehr getätigt werden – dafür nutzt man mit Mavericks ausschließlich Facetime.

Auto-Updates auch für OS X

© 2015

Wie schon iOS 7 erhält auch OS X mit Mavericks eine Funktion für das automatische Herunterladen von App- und System-Updates
im Hintergrund. Außerdem lassen sich künftig App-Updates auf einen festen Zeitpunkt legen, beispielsweise zu einer bestimmten Uhrzeit.

Deutlich ausgebaut hat Apple in OS X Mavericks die Mitteilungen, die erstmals mit Mountain Lion auf dem Mac zu finden waren. So findet sich neben den bisherigen Knöpfen für Tweets und Facebook- Postings auch eine Schaltfläche für iMessages, die künftig direkt aus der Mitteilungszentrale heraus geschrieben werden können. Auch neu: Mitteilungen sind in Mavericks interaktiv – man kann also direkt in einer iMessage-Benachrichtigung eine Antwort ein- tippen. Und auch wenn man ge- rade nicht vor dem Rechner sitzt, sammelt OS X künftig die eingehenden Mitteilungen und zeigt diese beim Wiedereinloggen in das System. Schließlich hat Apple die Benachrichtigung durch Webseiten verbessert und um die aus iOS 6 bekannte „Nicht-Stören“- Funktion erweitert.

Besser Surfen mit Safari 7

Neu hinzugekommen ist die Seitenleiste mit den gesammelten Informationen der Leseliste, den Lesezeichen und den neuen freigegebenen Links.
Vergrößern Neu hinzugekommen ist die Seitenleiste mit den gesammelten Informationen der Leseliste, den Lesezeichen und den neuen freigegebenen Links.
© Apple

„In OS X Mavericks ist Safari einfach die beste Art zu surfen.“ So beschreibt Apple Safari 7 mit wenigen Worten. Der Browser kommt oberflächlich betrachtet mit ein paar kosmetischen Veränderungen daher. Zu nennen wäre hier das neue, flache Design der Top-Seiten. Waren diese in den letzten Versionen von Safari noch gewölbt angeordnet, scheinen Apples Interface-Designer die Maßgabe des flachen Designs wörtlich genommen zu haben, denn die Ansicht zeigt sich in Safari 7 bretteben. Außerdem haben die „alte“ Leseliste und der separate Lesezeichenbereich ausgedient, denn in der neuen Seitenleiste finden nun beide gemeinsam Platz.

Ergänzt werden die beiden Menüelemente noch durch eine Neuerung, genannt „Freigegebene Links“: In diesen News-Feed laufen Meldungen von Kontakten ein, denen man bei Twitter oder Linkedin folgt. Neben diesen offensichtlichen Funktionen hat Apple auch unter der Haube von Safari viel geändert und zahlreiche Optimierungen und Leistungsverbesserungen durchgeführt, unter anderem durch die neuen Technologien „Nitro Tiered JIT“ und „Fast Start“. Die Technologie „Safari Power Safer“ sorgt schließlich dafür, dass in der Peripherie von Webseiten keine ungewollten, energiehungrigen Video-Plug-ins ihr Unwesen treiben.

Offline-Diktate mit Mavericks

© 2015

Die mit Mountain Lion eingeführte Diktierfunktion lässt sich nun auch offline nutzen. Zwar muss dafür eigens ein knapp 940 MB großes Dateipaket geladen werden, dafür funktioniert das Diktieren im Anschluss ohne Internetverbindung und mit Live-Feedback.

Über den Wolken: iCloud Keychain

Wenig erfreut sind bestimmt die Entwickler des Tools 1Password über den iCloud-Schlüsselbund. Denn statt wie bisher seine Login-Daten separat und verschlüsselt in Passwort-Safes zu speichern, sichert künftig auf Wunsch Apples iCloud. Wenn man innerhalb von Safari auf einen Login-Dialog stößt, kann man dort seine Daten eingeben und iCloud sichert diese Eingaben dann im iCloud-Schlüsselbund. Danach ist es an anderen verbundenen Geräten nicht mehr nötig, die Login-Daten erneut einzugeben.

Wenn dagegen eine Neuanmeldung ansteht, wird man bei der Auswahl eines sicheren Kennwortes vom integrierten Passwortgenerator unterstützt. Dieser gibt ein sicheres, zufällig generiertes Kennwort vor und speichert dieses dann ebenfalls in der Cloud. Neben Login-Informationen ermöglicht Apple zudem das Abspeichern von Kreditkartendaten innerhalb des iCloud-Schlüsselbundes. Um technisch die Sicherheit der Daten zu gewährleisten, greift Apple für die iCloud-Keychain auf die nahezu nicht knackbare AES-256- Bit-Verschlüsselung zurück.

Neue Apps in OS X Mavericks

Wohin des Wegs? Apples Karten-App für Mavericks

Apple bringt seine iOS 6 Karten-App auch auf den Mac. Dabei sind alle aus der iOS-Version bekannten Features mit an Bord: Neben den drei bekannten Ansichten „Standard“, „Hybrid“ und „Satellit“, bietet die OS-X-App auch den 3D-Modus der iOS-Version (Flyover). Und der ist Entwicklern zufolge ziemlich performant geraten, denn das Zoomen, Drehen und Erkunden geht dank der besseren Hardware von Macs deutlich flüssiger vonstatten als am iPhone oder iPad. Liegt nun neben einem Mac mit OS X 10.9 auch noch ein iOS 7-De- vice, können am Mac erstellte Routen direkt auf das mobile Gerät übertragen und zur Navigation genutzt werden.

Lesestube Mac: iBooks

Die Informationen zur Mac-Version von iBooks sind momentan noch rar gesät, denn iBooks war noch nicht Teil des ersten Mavericks-Beta-Seeds. Klar ist, dass Apple den iBook Store in die iBooks-App integrieren wird. Damit steht neben iTunes und dem Mac App Store ein drittes Digital-Kaufhaus zur Verfügung. Speziell für Studenten und andere Vielleser ist die Möglichkeit gedacht, mehrere Bücher parallel für Recherchezwecke (Zitierfunktion inklusive) zu öffnen, Markierungen und Hervorhebungen vorzunehmen und dann über alle Geräte via iCloud zu synchronisieren.

Einschätzung

Apple hat wie es scheint zugehört, denn mit OS X Mavericks kommen einige Features, die vor allem langjährigen OS-X-Nutzern gefallen dürften: Finder-Tabs, aufgeräumtere Oberflächen wie in der Kalender-App oder (endlich) besserer Multi-Display-Support. Unter diesen Gesichtspunkten macht Mavericks bereits jetzt einen angenehm guten und runden Eindruck.

OS X Server

© 2015

Im Rahmen der Keynote wurde
sie noch ausgeklammert, im Nachklapp berichteten Entwickler aber von einer neuen Beta-Version
der OS X Server-App. Bis auf die Ankündigung, dass eine neue Server-App kommen wird und
dass mit „Caching Server 2“ und neuen App-Management-Features des Profil-Managers Leistungsverbesserungen zu erwarten sind, hält sich Apple mit Informationen aber noch zurück.

Die Umsetzung eines flacheren Designs bei OS X scheint aber noch nicht abgeschlossen zu sein, denn es wird berichtet, dass noch immer einige Apps mit den „alten“ Oberflächen wie dem berüchtigten grünen Filz der Game-Center-App daherkommen. Bis zum endgültigen Release von OS X Mavericks im Herbst wird man bei Apple wohl nicht untätig sein, sondern konsequent an der Umsetzung eines flacheren Gesamtbildes arbeiten, denn: Was Apple im Rahmen der WWDC-Keynote gezeigt hat, war sicher nicht alles. 

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