875258

Gute Zeiten für Internet-Käufer

18.12.2000 | 00:00 Uhr |

Apple Deutschland begrüßt die von der Bundesregierung in der letzten Woche beschlossene Abschaffung von Rabattgesetz und Zugabeverordnung. Sonderregelungen für global aufgesetzte Preisaktionen werden der Vergangenhiet angehören.

München/Macwelt - Nachdem das Kabinett am vergangenen Mittwoch gebilligt hatte, das Rabattgesetz und die Zugabeverordnung, die im 2000 sehr umstritten waren, ersatzlos zu streichen, wird es wohl spätestens Mitte nächsten Jahres vom Verhandlungsgeschick eines Käufers abhängen, welchen Preis er für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu zahlen hat.

Populärste Auseinandersetzung in bezug auf das Rabattgesetz war in diesem Jahr wohl die um die Online-Anbieter Letsbuyit.com und Primus-online, die im Oktober dieses Jahres mit einer Entscheidung der Gerichte gegen die Online-Verkäufer endeten. Beide Unternehmen hatten ein neues Geschäftsmodell eingeführt, bei dem der Käufer umso weniger für ein Produkt bezahlt, je mehr "Mitkäufer" sich finden. Dagegen hatte nicht nur die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Frankfurt Einspruch erhoben, sondern auch einige Firmen wie Philips. In der Begründung für ihre Entscheidungen hatten die Richter sich auch auf das seit 70 Jahren geltende Rabattgesetz berufen, das es Händlern untersagt, reguläre Preisreduzierungen von über 3 Prozent anzubieten.

Dementsprechend kommentierte Romy Hochwald, Justiziarin der LetsbuyIt.com Deutschland GmbH, "Wir betrachten diese Entscheidung als Bestätigung unseres Co-Shopping-Modells und als eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg von länderübergreifendem Geschäftsverkehr im Internet".

Doch nicht nur Internet-Händler unterstützen die Entscheidung der Regierung. Global agierende Unternehmen wie Apple mussten in den vergangenen Jahren bei weltweiten Marketingaktionen immer wieder Sonderregelungen für Deutschland und Österreich einführen. Gerade das in den USA und England populäre System, Käufern neuer Macs einen Gutschein mitzugeben, den diese online einsenden konnten, um einen Teil der Kaufsumme zurückzubekommen oder als Gutschrift aufzuheben, konnte hier nie zum Einsatz kommen. Statt dessen musste sich die Führung von Apple Deutschland zeitlich befristete Preissenkungen oder Bundle-Aktionen ausdenken, die sich hier auch immer erst mit einigen Tagen Verspätung umsetzten ließen.

Dies soll nun anders werden. Georg Albrecht, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Apple Deutschland äußerte auf eine Anfrage der Macwelt:
"Wir begrüssen den Beschluss der Bundesregierung, das überholte Rabattgesetz und die Zugabeverordnung abzuschaffen. Apple setzt seine Promotions und Preisaktionen in der Regel global auf, hier blieb Deutschland allzu oft außen vor beziehungsweise musste eigene komplizierte Programme aufsetzen, die nur mit zeitlicher Verspätung implementiert werden konnten. Der Verbraucher bleibt in seinen Rechten durch u.a. die Preisangabenverordnung weiterhin geschützt. Eine Grundregel gilt aber um so mehr: Die Möglichkeit, Geld zu sparen, bietet sich vor allem für denjenigen, der sich künftig vor dem Kauf gut informiert."

Damit greift Georg Albrecht einen Bedeutungswandel auf, den die Abschaffung der beiden Gesetze deutlich macht. Sahen sich die Gesetzesgeber in den 30er Jahren noch in der Pflicht, den Verbraucher vor Manipulationen cleverer Geschäftemacher schützen zu müssen, hat sich das Bild gewandelt. In einem Urteil des Landesgericht Wiesbaden, allerdings zum Thema Internet-Auktionen, machten die Richter dies deutlich: "...wer sich im Internet betätige, wisse auch, wie Internet-Versteigerungen grundsätzlich ablaufen und erkenne folgich die damit verbundenen Gefahren." - Gleiches gilt natürlich auch für Online-Käufer und, bis das Gesetz zum 1. Juni endgültig außer Kraft ist, haben die Käufer ja auch etwas Zeit, sich an die neue Freiheit, des Feilschens zu gewöhnen.

Marlene Buschbeck-Idlachemi

Quellen:

Spiegel Online

Electronic Commerce InfoNet
l

0 Kommentare zu diesem Artikel
875258