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Google wirft Videoformat H.264 aus dem Browser

13.01.2011 | 07:23 Uhr |

Im Wettbewerb um das Videoformat der Zukunft hat Google eine wichtige Vorentscheidung getroffen: Das für den Internet-Browser Chrome zuständige Entwicklerprojekt Chromium beschloss, künftig nicht mehr die Kompressionstechnik H.264 zu unterstützen

Google Chrome
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H.264 spiele zwar bei Videos im Internet eine wichtige Rolle, schrieb Produktmanager Mike Jazayeri am Dienstag (Ortszeit) im Chromium-Blog. Weil Google Innovationen auf der Grundlage offener Standards unterstützen wolle, konzentriere sich das Browser-Projekt aber nun auf frei verfügbare Video-Codec-Formate.

Ein Video-Codec kodiert (überträgt) die Signale von bewegten Bildern in digitale Daten. Ebenso ermöglicht es ein Codec, diese Daten wieder zu dekodieren und als Bilder oder Klang sichtbar oder hörbar zu machen. Dabei ist es meist das Ziel, die bei Filmen anfallenden großen Datenmengen so zu komprimieren, dass eine möglichst schnelle Internet-Übertragung möglich wird.

Der Video-Codec H.264 gilt als besonders wirksam. Er wurde vom MPEG-Konsortium (Moving Picture Experts Group) entwickelt, dem rund 200 Unternehmen und Organisationen angehören, darunter auch Apple und Microsoft. Deren Internet-Browser Safari und Internet Explorer unterstützen H.264 als vorrangiges Video-Format.

Aus lizenzrechtlichen Erwägungen verzichtet das Open-Source-Projekt Mozilla aber in seinem Firefox-Browser auf H.264 und setzt stattdessen die Open-Source-Alternative Ogg Theora ein. Google wiederum hat einen eigenen Video-Standard WebM entwickelt, der ebenfalls mit dem Firefox genutzt werden kann. Die Codec-Formate spielen eine zentrale Rolle für Video-Webseiten mit dem neuen Web-Standard HTML5. Dieser ermöglicht es, Videos direkt in die Webseite zu integrieren. Die bisher meistgenutzte Technik für Videos im Web ist das Flash-Format der Software-Firma Adobe. Videos in diesem Format können von allen gängigen Web-Browsern dargestellt werden, auch von Chrome. Allerdings hat Apple Flash von seinen mobilen Geräten wie dem iPhone und dem iPad verbannt und setzt in seinem Betriebssystem iOS ganz auf HTML5.

Wer einen Browser ohne Unterstützung für ein bestimmtes Videoformat nutzt, bekommt beim Aufruf entsprechender Seiten den Hinweis, dass der Film nicht dargestellt werden kann. In diesem Fall sollten Nutzer entweder nach einer Erweiterung suchen, die das Format unterstützt, oder die Website mit einem anderen Browser aufrufen.

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