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Facebooks Projekt "Spartaner" bringt HTML5-Apps auf iOS-Geräte

16.06.2011 | 13:32 Uhr |

Die Rivalität zwischen zwei IT-Konzernen wird immer deutlicher: Mit dem Ping versuchte Apple ein eigenes soziales Netzwerk aufzubauen. Der Versuch floppte bislang.

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© Facebook

Nun hat Facebook zu einem Gegenschlag ausgeholt: TechCrunch berichtet über die heimlichen Pläne für eine neue HTML5-Plattform auf iOS-Geräten. Das Projekt trägt den Codenamen " Spartaner " und sei angeblich fast fertig. Die Plattform basiert ausschließlich auf HTML5 und hat nur einen Zweck: mehr als 100 Millionen User zu erreichen, die Facebook auf ihren mobilen Geräten nutzen. Die HTML5-Plattform von Facebook wird extra für die mobile Version von Safari optimiert, was wahrscheinlich bedeutet, dass die Facebook Anwendungen vorerst exklusiv auf iPhone und iPad funktionieren werden.

Der Trick dahinter ist: Sie werden nicht in App Store als native Anwendungen erscheinen. Der Browser bleibt auf dem iPhone die einzige relativ freie Zone, die nicht unter totaler Kontrolle von Apple steht. Facebook wird wahrscheinlich nie zugeben, aber so wie es aussieht, ist seine Strategie darauf ausgerichtet, Apples Vorherrschaft in der Distribution von mobilen Apps zu umgehen und Safari als Transportmittel für Apps zu nutzen. Das größte soziale Netzwerk mit seinen 700 Millionen Mitgliedern kann diese Vorherrschaft bestreiten. Einzige Voraussetzung dafür ist, dass die neuen Anwendungen auf iOS-Geräten funktionieren. Zum einen bilden das iPhone & Co. den Großteil des Smartphone-Marktes, zum anderen sind seine Nutzer für mobile Anwendungen affiner und in einem gewissen Maße erfahrener, da der App Store deutlich früher gestartet ist als die Angebote der Konkurrenz.

Techcrunch behauptet, dass mittlerweile über 80 Entwickler an dem Projekt arbeiten. Die Teams entwickeln eine breite Auswahl an Apps von Spielen bis Nachrichten-Reader. Einige davon sind bereits im App Store gut bekannt: unter anderem Zynga und Huffington Post. Das Projekt sollte in den nächsten Wochen starten. Facebook hat in den "Spartaner" bereits viel investiert: dem Bericht zufolge dauern die Entwicklungsarbeiten schon mehrere Monate.

Facebook wird wahrscheinlich die neuen HTML5-Apps in einer zusätzlichen Menüleiste anbieten, wenn man mit Safari auf dem iPhone die Internetseite von Facebook aufruft. Nach dem Download kann die App in der Facebook-Umgebung starten. Diese Umgebung gewährleistet einige Grundfunktionalitäten wie Facebook Credits, die ein anderes Aspekt vom Projekt "Spartaner" sind.

Einer der Gründe, die maßgeblich zum Erfolg von App Store beigetragen haben, ist die einfache Zahlungsabwicklung von Apple. Facebook versucht schon seit langem sein Zahlungstool Credits dagegen zu etablieren. Bis dato haben die digitalen Münzen wenig bis keine Anwendung im mobilen Bereich. Durch das Projekt "Spartaner" wird die Credits-Option in den Apps vorinstalliert, um die Entwickler bei den bezahlen Apps und bezahlten Dienste in den Apps zu unterstützen.

Facebooks Angriff auf den mobilen Markt erscheint nur als Konsequent aus den vorgehenden Schritten. Erst vorigen Herbst hat Apple bekannt gegeben, dass die Verhandlungen zur Anbindung von Ping an Facebook mehrere Monate dauerten und letztendlich scheiterten. Die Absage vom sozialen Netzwerk konnte man noch damit erklären, dass Ping die Konkurrenz zu Facebook darstellt. Nun hat vor zwei Wochen Apple das neue mobile System iOS 5 vorgestellt. Eine der Neuerungen bringt eine erweiterte Anbindung an Twitter. Die Gerüchte davor haben darauf hingewiesen, dass Facebook zuerst im Gespräch für diese Option war, die Idee aber später wieder verworfen wurde.

Facebook als das größte soziale Netzwerk hat den Kampf um die Nutzer des Desktop-Internet weitgehend gewonnen: Seit vorigem Jahr ist facebook.com die meistbesuchte Internetseite in den USA noch vor Google. Bei der rasanten Entwicklung des mobilen Internets hat der Konzern weitgehend den Anschluss verpasst: Die unabhängigen Entwickler haben zuerst die mobilen Facebook-Clients angeboten, Monate später kam dann die offizielle App fürs iPhone. Bis jetzt sucht man vergeblich nach einer offiziellen Facebook-App fürs iPad. Google dagegen konkurriert mit Android und Android Market ziemlich erfolgreich gegen Apple. Das Projekt "Spartaner" sieht in diesem Kontext eher als eine Flucht nach vorne aus.

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