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Microsoft, Twitter und Google diskutieren Einsatz von HTML5

20.06.2011 | 11:19 Uhr |

Top-Web-Entwickler debattierten über Einsatz und Grenzen des künftigen HTML-Standards, vor allem auf mobilen Plattformen.

HTML5-Demo
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Auf der diesjährigen USENIX -Konferenz in Portland (Oregon) Mitte Juni 2011 trafen sich in einer Podiums-Diskussion die Top-Designer für Web-Applikationen von Microsoft, Twitter und Google und debattierten über den Einsatz von HTML5 .

Die Hauptfragen waren: Ist HTML5 die ultimative Lösung für die nächste Generation von Browser-basierten Programmen? Und sollen Entwickler in Zukunft keine Zeit mehr für reine plattform-spezifische Programme verschwenden? Moderator war Michael Maximilien, ein Software-Architekt von IBM und Diskussionsteilnehmer waren Patrick Chanezon, Cloud-Entwickler bei Google, Raff Krikorian, Designer bei Twitter, Erik Meijer, Programmiersprachen-Entwickler für das Cloud-Team bei Microsoft, Tim Berners-Lee, der Erfinder des WWW und Charles Ying, Software-Ingenieur bei Flipboard

Ist HTML5 die ultimative Lösung für zukünftige Web-Apps?

Meijer (Microsoft) glaubt dies nicht und weist daraufhin, dass alle seit Jahren an der Idee einer universellen Programmierschnittstelle arbeiten und es nie umsetzbar war. Für ihn ist HTML5 einfach nur ein neuer Versuch. Während HTML5 eine ganze Reihe von neuen Features für interaktive Web-Programme bietet und sogar Offline-Speicher einbauen kann, kritisiert Meijer, dass HTML5 selbst noch nicht völlig native ist und ungeschliffene Ecken der Abwendungs-Plattform durchscheinen lässt.

Chanezon (Google) hingegen sieht eine Entscheidung abhängig von der Ziel-Plattform. "Wenn ein Entwickler nur für iOS programmieren will, sollte er auf native Programmiersprachen auf dieser Plattform zurückgreifen - wenn er aber deine Anwendungen auch unter Android und Browsern von Desktop-Computern einsetzen will, dann ist HTML5 die richtige Entscheidung", rät Chanezon und weist darauf hin, dass Google mit HTM5 beeindruckende Erfolge beim der Implementierung von Gmail-Clients vorweisen kann.

Für Krikorian (Twitter) ist HTML5 noch nicht weit genug entwickelt. Insbesondere bemängelt er die fehlende Unterstützung zum Senden von Notifikationen. Auch Ying ( Flipboard ) kritisiert die Grenzen von HTML5. Während Google erfolgreich Web-GL-generierte Grafiken mit 60 Bildern pro Sekunde in HTML5-Anwendungen auf Desktop-Rechnern einsetzt, sieht Ying mobile Plattformen weit hinterher hinken. "Diese Geschwindigkeiten können nur schwer auf Mobil-Geräten erreicht werden. [..] Wir arbeiten hart an neuen Animationen, aber die Bildraten können noch nicht mit unseren Ansprüchen mithalten, klagt Ying und fügt hinzu "HTML5 ist ein neues Modewort. Leute setzen den Namen mit Fortschritt und Zukunft gleich, ohne weitere Einzelheiten zu kennen."

In diesem Punkt sind sich alle Diskussionsteilnehmer einig: Während HTML5 ein großer Fortschritt ist, kann die Technologie der mobilen Plattformen mit den neuen Features noch nicht Schritt halten.

Gehören plattform-spezifische Programme zum alten Eisen?

Berners-Lee erhebt den Vorwurf, dass das App-Store -Modell das Internet in viele inkompatible Segmente aufteilt. Er fordert Entwickler auf, dem entgegenzuwirken und bevorzugt Browser-basierte Anwendungen zu entwerfen. Die Diskussionsteilnehmer stimmen auf der einen Seite den Nachteilen zu, dass beim Wechseln der Plattform der Kunde die Apps neu laden muss und auf die identische Funktionalität nur hoffen kann. Andererseits sehen alle einen unschlagbaren Vorteil: Geld. Trotz aller Kritik bevorzugen Programmierer das App-Store-Modell, denn dort können sie direkt Apps in Gewinne umsetzen.

Während Chanezon für Desktop-Plattformen Googles Chrome Web Store zum Verkauf von Anwendungen in Browsern lobt, schränkt Ying erneut ein, dass dieser Erfolg keinesfalls auf mobile Plattformen übertragbar ist. Zing schätzt, dass für Mobile-Geräte native Apps die richtige Programmier-Entscheidung sind. Grund ist seiner Meinung nach, dass die mobilen Browser nicht genug Funktionalitäten dieser Apps wie Touchscreen-Eingaben oder Animationen unterstützen und die Geräte diesen Mangel nicht mit Rechenpower wettmachen können.

Einig sind sich alle Teilnehmer, dass die derzeitige Web-Programm-Entwicklung den Client-Server-Modellen den Rücken zukehrt und den Mainframe-Modellen der 60er-Jahre ähnelt: Alle Logik und Bearbeitung wird auf dem Server ausgeführt. Chanezo n sieht für die Zukunft den Trend wieder zum Client-Server-Modell, wenn die nächste Generation von Web-Apps, die wie native Applikationen aussehen und leistungsstarke Web-Clients voraussetzen, entwickelt werden. Meijer begrüßt diesen Trend. "Es war schlichtweg verrückt, Benutzerschnittstellen auf dem Server zu erzeugen, um sie dann auf dem Client darzustellen. Viel zu aufwendig - ich bin eher konservativ und bevorzuge einfache Ansätze.", berichtet Meijer.

Während Google nach außen überzeugend auf hundertprozentige Web-Zukunft setzt, sieht es intern jedoch noch unentschlossen aus. Chanezon gab an, das auf Googles letzter I/O-Konferrenz ein Tag der Zukunft auf der Basis von Android und der nächste Tag auf Basis von Chrome gewidmet war.

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