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Hacker Tron: CCC glaubt nicht an Selbstmord

19.02.2002 | 10:53 Uhr |

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine revolutionäre Verschlüsselungsmethode soll der Grund für den Tod des Hackers Tron gewesen sein, glauben Freunde und Anhänger des Chaos Computer Club (CCC). Auf der Website Tronland.net bezweifeln sie nun das offizielle Ermittlungsergebnis der Berliner Staatsanwaltschaft vom Sommer 2001, wonach sich der Hacker mit dem bürgerlichen Namen Boris F. im Oktober 1998 selbst umgebracht hat. Auf der Internet-Seite stellen sie Fragen nach angeblich nicht abgeschlossenen kriminologischen Untersuchungen und liefern das von ihnen vermutete Mordmotiv.
Tron, der sich bereits in seiner Diplomarbeit mit der "Realisierung einer Verschlüsselungstechnik für Daten im ISDN B-Kanal" beschäftigt hatte, verfolgte demnach Pläne für eine Verschlüsselungsmethode, die absolut unknackbar sein soll. Das so genannte "Cryptron" setzt auf der Annahme auf, dass zwar die Verschlüsselungsalgorithmen sicher sind, nicht jedoch die Geräte, auf denen sie verwendet werden. So basiert es zwar auf den auch in PGP (Pretty Good Privacy) verwendeten Algorithmen RSA (Rivest-Shamir-Adleman) und IDEA (International Data Encryption Algorithm), soll aber dennoch sicher sein, weil angeblich von Geheimdiensten in herkömmliche Verschlüsselungssysteme eingeschleuste Hintertüren beseitigt wurden. Die Einfachheit und Nachvollziehbarkeit der Bauweise des Geräts biete zudem ständigen Schutz vor derlei Infiltrierung. Deswegen, so spekulieren die Betreiber von Tronland.net, könnten Geheimagenten den Hacker ermordet haben.
Andere halten das allerdings für "abstruse Verschwörungstheorien". So warf der Autor Burkhard Schröder, der die Geschichte Trons in dem Buch "Tron - Tod eines Hackers" (1999 erschienen bei Rowohlt) verarbeitete, dem CCC bereits im Dezember 1999 in einem offenen Brief "bewusste Irreführung" und Vorenthaltung von Fakten vor. (lex)

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