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Hackertechniken als Instrumente für einen Krieg

02.11.2000 | 00:00 Uhr |

Computer werden bei zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen immer häufiger zur Zielscheibe von Angriffen.

"Die Nachrichtendienste interessieren sich für die neuen Technologien, Armeen bilden Hackersoldaten aus", sagte der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, am Donnerstag auf einem Symposium zum "Information Warfare" (Informations- Kriegsführung) in Pullach bei München. Auch die NATO stellt sich nach Angaben eines Sprechers verstärkt auf die elektronische Kriegsführung via Internet ein.

Hanning sagte, Staaten setzten Computerviren oder andere Internetschädlinge ein, um die Systeme anderer Länder lahm zu legen oder auszuspionieren. "Computerviren werden immer mehr Bestandteil von zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen." Der Herausforderungen der Informationstechnologie könne nur durch Einspannung aller staatlichen Kräfte begegnet werden. Hacker-Angriffe seien zu einem globalen Problem von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung geworden. Auf dem Symposium diskutieren Computerfachleute über die Gefahren globaler Vernetzung.

Walter Jertz, Pressesprecher der NATO im Kosovo-Konflikt und Drei-Sterne-General der Bundeswehr, sagte, das Militär messe der Informationstechnik und aus ihr resultierenden Sicherheitsschwierigkeiten eine hohe Bedeutung zu. "Das Täuschen und Manipulieren von Daten und Informationen mit Computern ist ein Teil der psychologischen Kriegsführung geworden."

Jertz bezeichnete die Kosovo-Auseinandersetzung als ersten Konflikt, der auch im Internet ausgetragen worden sei. Zu Beginn des Krieges habe die "serbische Propaganda 10 000 E-Mails auf die Computer der Nato geschickt", um die NATO-Systeme zu blockieren. "Wir hatten für mehrere Stunden kein Internet und konnten nicht über das Netz arbeiten", sagte Jerzt.

Der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Uwe Thomas, schätzt die allgemeine Computer- und Internetkriminalität in Deutschland auf rund 50 000 Fälle im vergangenen Jahr. Das Schadenspotenzial pro Fall sei erheblich und nehme noch zu. Verantwortlich für die vielen Angriffe seien auch die fahrlässige Behandlung der Sicherheit bei Computerbesitzern. Nur vier Prozent der E-Mails von Unternehmen seien verschlüsselt. Viele Passwörter seien rasch zu entschlüsseln. Thomas bezeichnete die Sicherheit in der Informationstechnik als Standortfaktor. Durch fehlendes Vertrauen in die Sicherheit entginge der Internet-Wirtschaft Umsatz in Höhe von mehreren Milliarden Mark im Jahr. dpa

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