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Händlerinitiative vor Gründung

01.03.2002 | 13:03 Uhr |

Fachhändler in Deutschland sehen sich von Apple ungerecht behandelt. Nächste Woche soll sich in München eine Interessensgemeinschaft gründen.

München/Macwelt - Margen von zwei bis vier Prozent, teure Prospekte und bis vor Kurzem ein "Reparaturverbot" - Fachhändler in Deutschland und Österreich fühlen sich von Apple im Vergleich zu Großhändlern unfair behandelt. Nach Informationen der Website MacGuardians wollen am kommenden Dienstag Apple-Händler sich zu einer "Interessensvertretung e.V." zusammenschließen. Zur Gründungsversammlung sollen rund 80 Händler Interesse an ihrer Anwesenheit bekundet haben.

Gegenüber Apple Deutschland will die Händlervertretung in erster Linie vier Kernpunkte durchsetzen. Höhere Margen, kostenloses Demo-Material, eingehaltene Lieferfristen und "annehmbare" Konditionen für Demo-Geräte. Gegenüber Bertram Haller von MacGuardians.de haben namentlich nicht genannte Händler geklagt, die für sie gültigen Einkaufspreise ermöglichten Margen von lediglich drei Prozent beim neuen iMac und gar nur zwei Prozent für Zubehör wie Tastaturen. Zudem seien unbestätigte Gerüchte im Umlauf, dass Apple Großhändler wie Cancom, Gravis und Cyberport weit mehr entgegenkomme und diese mit Verkaufspreisen, die unter den Einkaufspreisen der Fachhändler lägen, jene verdrängen wollten.

Bei geringeren Umsätzen fällt es Natur gemäß schwerer, die Kosten für Vorführgeräte wieder hereinzuholen. Auch für Demogeräte will Apple Geld haben, nach Monaten im Vorführraum lassen sich Ausstellungsstücke aber nicht mehr zu einem adäquaten Preis verkaufen. Ohne sich festzulegen, will die Initiative hier niedrigere Einkaufspreise für dedizierte Demo-Geräte. Demo-Material wie Flyer, Prospekte und Plakate soll Apple zudem kostenlos an Handelspartner ausgeben. Welche Preise bisher für Werbematerial zu zahlen waren, hat die Initiative bisher nicht spezifiziert.

Wer dieser Tage einen Händler aufsucht, erntet in der Regel Schulterzucken auf die frage nach Verfügbarkeit des mittleren und des kleinen neuen iMac. Generell fordert die Initiative von Apple, "Lieferfristen zu nennen, die dann auch eingehalten werden", hierbei dürfte es sich jedoch um ein globales Problem handeln. Wie die Marktforscher von Merrill Lynch herausgefunden haben wollen, hat der Mac-Hersteller derzeit mit Produktionsproblemen zu kämpfen, die den erwarteten Ausstoß von 200.000 Geräten im ersten Quartal verhindern solle. ( macwelt.de berichtete ). Auch Online-Retailer und der Apple Store selbst können derzeit nur vage Lieferfristen nennen.

Apple Deutschland sieht der Gründung der "Interessensgemeinschaft e.V." positiv entgegen. Pressesprecher Georg Albrecht äußerte gegenüber Macwelt: "Apple weiss von dieser Diskussion. Wir werden uns gerne mit den Händlern zu einem Gespräch zusammensetzen und alle Punkte diskutieren. Sich vorher darüber öffentlich zu äussern, wäre schlechter Stil, denn das würde dem Gespräch vorgreifen." Und auch sonst ist der Mac-Hersteller zuletzt dem Handle entgegen gekommen. Musste man bis vor Kurzem noch jedes defekte Gerät an eine zentrale Service-Stelle einschicken, können Händler jetzt wieder Reparaturservice anbieten und auch auf diese Weise Geld verdienen. pm

Info: Apple , MacGuardians

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