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Hands-On: Angry Birds Go!

11.12.2013 | 09:27 Uhr |

Angry Birds Go ist jetzt erschienen, wir haben sie bereits angespielt. Eigentlich ist die Idee prima: Rovios beliebtes Angry-Birds-Franchise, gemixt mit bekannten Fun-Racer-Elementen. Das Problem: In-App-Käufe in bisher nicht gekanntem Ausmaß.

Angry Birds trifft Mario Kart. Was auf den ersten Blick nach einem Spielspaß-Garanten klingt, könnte aber ein teures Vergnügen werden. Der Fun-Racer Angry Birds Go! vom finnischen Entwicklerteam Rovio steht im Rahmen eines sogenannten Soft-Launchs (vor einem weltweiten Erscheinen wird das Spiel dort quasi in einer offenen Beta auf letzte Bugs oder Performance-Probleme getestet) bereits im neuseeländischen App Store zum kostenlosen Download bereit. Die Unterzeile " Bietet In-App-Käufe " verheißt allerdings nichts Gutes für die iTunes-Guthaben der User. Wir haben uns die Neuseeland-Version schon mal angesehen.

Spaßiges Gameplay

Angry Birds Go! folgt einem ungeschriebenen Gesetz der Spieleindustrie: Ist ein Franchise über längere Zeit gut und erfolgreich innerhalb seines Genres gelaufen, folgen irgendwann Ableger in anderen Genres. Bestes Beispiel: Nintendos Allzweckwaffe Mario. Der Klempner war schon in Karts, auf dem Center-Court, auf Fußballplätzen oder gemeinsam mit Segas Maskottchen Sonic bei Olympia unterwegs. Dabei durfte er neben seiner Kernkompetenz "Hüpfen" in zig Spin-Offs seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Rovios Wutvögel dagegen waren lediglich thematisch vielseitig unterwegs. Sie durften in Angry Birds Seasons, Angry Birds Halloween oder Angry Birds Star Wars I und II ran, ohne dass sich an der Spielmechanik etwas grundlegendes geändert hat. Mit Go! kommt nun der erste genrefremde Ableger, ein Seifenkisten-Funracer.

Optisch gehört Angry Birds Go! zu den hübscheren iOS-Titeln. Gerade die Lensflares und der Unschärfeeffekt im Hintergrund sind gelungen.
Vergrößern Optisch gehört Angry Birds Go! zu den hübscheren iOS-Titeln. Gerade die Lensflares und der Unschärfeeffekt im Hintergrund sind gelungen.

Dabei bedient sich Rovio hemmungslos an der reichen Gameplay-Palette anderer Funracer: Auf der Strecke liegen Münzen herum, während der Fahrt lassen sich Extras aufsammeln und mit Speed-Pfeilen wird das Vögelchen schneller. Gestartet wird dagegen total Angry-Birds-like, nämlich von einer Schleuder aus. Abseits von bekannten Spielelementen merkt man Angry Birds Go! aber an, dass die Entwickler viel Zeit in ein stimmiges Setting investiert haben. Sowohl die Vögel, als auch die Karts und Strecken sind abwechslungsreich und quietschbunt gehalten. Neben den bekannten Wutvögeln wie Red gibt es zig verschiedene Charaktere, aufrüstbare Karts und abwechslungsreiche Pisten bergab.

Im Spiel gibt es neben Münzen noch Edelsteine – insgesamt also zwei Währungen.
Vergrößern Im Spiel gibt es neben Münzen noch Edelsteine – insgesamt also zwei Währungen.

Besonders überzeugend: die Qualität der Texturen und die schönen Unschärfeeffekte der Grafikengine. Dank der aus den vorigen Ablegern bekannten Soundeffekte und der passenden Musik entsteht ein ausgesprochen rundes Gesamtpaket.  Und auch die Steuerung funktioniert gut: Entweder nutzt man die Neigungssensoren des iOS-Geräts (was nicht ganz so präzise funktioniert wie in Real Racing 3) oder man lenkt über Pfeiltasten an den Seiten des Displays. Sie sehen: Angry Birds Go! könnte ein toller und kurzweiliger Racer sein.

Weinender Geldbeutel

Könnte. Denn was Rovio mit seiner In-Game-Wirtschaft veranstaltet, deckt wirklich die komplette Free-to-Play-Bandbreite ab und hat Albtraum-Potential für elterliche Kreditkarten. Zwar kann Angry Birds Go! wie schon Real Racing 3 auch ohne bare Münze gespielt werden, doch bremst das Spiel durch geschickte Design-Entscheidungen den kostenlosen Spielfluss aus und verleitet zu In-App-Käufen. Zum einen verfügt das Spiel gleich über zwei In-Game-Währungen: Münzen und Edelsteine. Während erstere auf den Strecken zum schnöden Aufsammeln herumliegen, erhält der Spieler Zweitere in äußerst geringer Zahl für abgeschlossene Rennen – oder gegen bare Münze. Die Preisspanne reicht hier von 4,49 Euro für 500 Klunker bis hin zu – festhalten – 89,99 Euro für 14.000 Steinchen.

Da lacht nur der rote Vogel: Ein neues Kart gefällig? Macht 45 Euro.
Vergrößern Da lacht nur der rote Vogel: Ein neues Kart gefällig? Macht 45 Euro.

Zum anderen lassen sich aus dem In-Game-Shop noch Items wie Münzverdoppler oder kostenpflichtige Boosts kaufen – bestes Pay-to-Win also. Wer dagegen lediglich seinen Fuhrpark erweitern möchte, kann beispielsweise die „Big Bang Special Edition L6“-Seifenkiste für schlanke 44,99 Euro kaufen. Als kleines Sahnehäubchen gibt's dann oben drauf noch Werbung in den Pausenmenüs obendrauf. Die ist dafür dann wenigstens umsonst.

Geht's noch? 90 Euro für eine virtuelle Kiste Edelsteine sind happig.
Vergrößern Geht's noch? 90 Euro für eine virtuelle Kiste Edelsteine sind happig.

Fazit

Es kann sein, dass an der In-Game-Wirtschaft bis zum weltweiten Launch am 11. Dezember noch weiter gefeilt und die Preise angepasst werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber angesichts des großen Erfolgs (siehe: Umsatzstärkste Apps in Neuseeland) mehr als gering. Unter dem Strich kann man sagen: Rovio baut ein angenehm spielbares und ungemein launiges Arcade-Rennspiel und reißt mit seinem bis ins Äußerste ausgereizten Free-to-Play-Hintern alles wieder ein. Schade.

Link: Angry Birds Go! im App Store

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