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Happy Birthday Mac!

22.01.2004 | 10:00 Uhr |

Am 24. Januar 2004 wird der Macintosh 20 Jahre alt; unter amerikanischen Verhältnissen noch nicht erwachsen, so wie auch sein Vater Steve Jobs in zwei Jahrzehnten Mac nicht ganz erwachsen wurde. Mit ihm lebt der Mythos Macintosh - doch was macht den Mythos eigentlich aus?

Das Original von 1984
Vergrößern Das Original von 1984
© 2015

Offiziell behauptet Apple, der legendäre Werbespot "1984" sei nur bei einer Gelegenheit gelaufen, heute vor 20 Jahren, am 22. Januar 1984, während der Übertragung der Super Bowl XVIII, die die Los Angeles Raiders gegen die Washington Redskins gewannen. Owen W. Linzmayer schreibt dagegen in seinem Buch "Apple - Streng vertraulich!", das amerikanische Fernsehen und einige Kinos hätten auch danach den Spot noch einige Male gezeigt. Ganz gleich wer Recht hat, es war der Beginn eines Mythos, der genau zwei Tage später, am 24. Januar 1984 begann und bis heute anhält. Für den 900.000-Dollar-Spot heuerte die Werbeagentur :Chiat/Day damals keinen geringeren als Ridley Scott an, der bereits für die beiden Kult-Streifen Alien und Blade Runner Regie führte.
Bei den Verantwortlichen war der Spot zu Anfang stark umstritten. Steve Jobs, der das Projekt Macintosh bei Apple leitete, beharrte allerdings darauf: Ein spektakulärer Computer brauche einen spektakulären Auftritt. Und spektakulär ist der Macintosh bis heute. Nichts bewegt die Mac-Gemeinde mehr als neue Hardware. Wenn die Keynotes des Apple-Chefs via Quicktime über das Internet gestreamt werden, sitzt ein Millionenpublikum vor den Bildschirmen und wartet gebannt auf sein "There’s one more thing", mit dem er jenes Ritual beginnt, das meist neue Hardware beschert.

Der Reiz des Macintosh

Was macht aber den Reiz des Macintosh aus? Ist es seine Exklusivität? Ohne die Zusammenhänge von 1984 lässt sich diese Frage wohl nicht beantworten. Mit einem 8 MHz schnellen 68000-CISC-Prozessor, 128 KB Arbeitsspeicher, einem 64 KB großen ROM und einem 400 KB 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk kostete der erste Macintosh 2500 US-Dollar. Viel Geld? Je nachdem. Im Vergleich zum legendären Lisa, der zu seiner Markteinführung 1983 noch mit 10.000 US-Dollar auf der Liste stand, ist der erste Macintosh ein echtes Schnäppchen. Im Vergleich zu seinen Konkurrenten allerdings überzogen teuer. Denn gegenüber dem IBM PC, der zwar nur mit 16 KB RAM daher kam, allerdings auch nur 1500 US-Dollar kostet, genießt der Mac zwar den Ruf des Stärkeren, der Preis spielt aber schon damals eine wichtige Rolle beim harten Kampf um Marktanteile. Und die schmälerten sich für Apple schon vor dem Macintosh durch die aufkeimende Konkurrenz zusehends: Im Jahr 1982 von 29 auf 24 Prozent. Zahlen, von denen man heute bei Apple wohl nur noch träumen kann. Doch liegt darin nicht genau der Reiz der Plattform mit dem einst bunt gestreiften Apfel-Logo? Die immens hohen Preise unterstreichen schließlich den Pioniercharakter der Firma. Und als Pioniere haben sich die Apple-Gründer und -Mitarbeiter schon immer gesehen. Was nicht heißt, dass sie damit nur Erfolge feiern konnten, aber sie waren eben die ersten.

Macs für Pioniere

Seinen Pioniercharakter verdankt der Mac sowohl seinen Vorgängern als auch seiner spektakulären Entwicklung in den letzen zwei Jahrzehnten. Immerhin hat sich alleine die Taktfrequenz von ersten 128-K-Mac bis zum 2x2 GHz Power Mac G5 verfünfhundertfacht. Solche technischen Sprünge spielen in der Evolution des Mac bis heute eine wichtige Rolle. Der Mac Plus zum Beispiel, der als erster Mac mit einer SCSI-Erweiterungskarte den Schlüssel zu einer ganzen Palette an Peripheriegeräten enthielt; oder 1998 der iMac, der mit dieser Schnittstelle brach, auf ein Diskettenlaufwerk verzichtete und erstmals einen USB-Port und wernig später auch einen Firewireport enthält. Der Mac war der erste Computer mit integrierten DVD-Brenner, der erste 64-Bit-Desktop-Rechner, der erste Rechner mit Mausbedienung. Dieser technische-Fortschritts-Faktor zieht sich lange durch die Mac-Geschichte. Der Mac setzt Standards und bricht ebenso radikal mit ihnen, wie er sie eingeführt hat. Dieser technische Wagemut, der seine Anwender immer wieder zum Zähneknirschen bringt und seine zeitweise Überlegenheit spielt für den Macintosh eine zentrale Rolle: Wir denken etwa an den Bunnie-Spot zurück, der auf einen Intel-Prozessor anspielte. Apple hat uns gezeigt, dass ein Pentium 2 während eines Shoot-Outs mit einem G3-Prozessor in einem Photoshoptest durchglühen kann. Goldene Zeiten in der Prozessorgeschichte des Macs. Gerade wenn man voller Demut die letzten drei Jahre Revue passieren lässt, in denen die AMD- und Intel-Konkurrenz in Sachen Taktfrequenz und Leistungsfähigkeit den PowerPCs davon galoppierten. Deshalb sind wir heute alle ein bisschen stolz, dass es den G5 gibt - auch wenn wir ihn nicht alle besitzen.

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