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32 Jahre Mac

Happy Birthday, Macintosh – Der Mac wird 32

25.01.2016 | 09:49 Uhr |

Heute vor rund dreißig Jahren lief im US-Fernsehen ein legendärer Werbespot, der ein Produkt bewarb, das darin gar nicht zu sehen. Erst zwei Tage später enthüllte Steve Jobs den Rechner in Cupertino: Happy Birthday, Macintosh!

22. Januar 1984: Der Superbowl zieht Fans der LA Raiders und der Washington Redskins in den Bann. In der Pause sendet ein junges Unternehmen einen spektakulären Werbespot – ohne ein Produkt zu zeigen. Der große Bruder spricht über die „Informations-Bereinigungs-Direktive“ vor einem willfährigen, gleichgeschalteten und entmündigten Publikum – in einer grauen und eisigen Welt. Doch die Hoffnung trägt ein weißes T-Shirt, rote Shorts, einen blonden Schopf und in den Händen einen riesigen Hammer. Von Sicherheitskräften verfolgt rennt die junge Frau in das Gehirnwäsche-Ritual des Diktators und schleudert ihren Hammer in die überdimensionale Leinwand. Warum 1984 nicht so werden sollte wie „1984“, fragen sich nicht wenige Zuschauer der Übertragung des Superbowl XVIII. In den USA ist das Finale um die Football-Meisterschaft das größte Fernseh­ereignis des Jahres, wer etwas von sich und seinem Produkt hält, bucht einen der sündteuren Werbespots. Nur wenige dieser Werbefilme werden aber zur Legende wie jener des britischen Regisseurs Ridley Scott, der einen Computer bewirbt, der erst zwei Tage später, am Dienstag, den 24. Januar 1984 zum Preis von 2495 US-Dollar in den Handel kommt: Der Apple Macintosh, ein völlig neuartiger Computer.

Der Werbespot von 1984

Offiziell behauptet Apple, der legendäre Werbespot „1984“ sei nur bei einer Gelegenheit gelaufen, am 22. Januar 1984, während der Übertragung des Super Bowl XVIII, den die Los Angeles Raiders gegen die Washington Redskins gewannen. Owen W. Linzmayer schreibt dagegen in seinem Buch „ Apple – Streng vertraulich! “, das amerikanische Fernsehen und einige Kinos hätten den Spot auch später noch einige Male gezeigt. Ganz gleich wer recht hat, es war der Beginn eines Mythos, der genau zwei Tage später, am 24. Januar 1984 begann und bis heute anhält. Für den 900 000-US-Dollar-Spot heuert die Werbeagentur Chiat/Day damals keinen geringeren als Ridley Scott an, der bereits bei den beiden Kultstreifen „Alien“ und „Bladerunner“ Regie führte. Dieser dreht den Film innerhalb von sieben Tagen in den Shepperton Studios in London. Nicht wenige englische Skinheads sollen sich unter den kahlköpfigen Arbeitern des Videos befunden haben, problematischer ist die Wahl der Hauptdarstellerin. Welche weibliche Darstellerin hat schon Erfahrung im Hammerwurf? Anya Major, eine Bewerberin mit Erfahrung im Diskuswerfen hatte nicht nur das richtige Aussehen, sondern kann auch den Hammer effektvoll schleudern. Das blieb übrigens nicht der letzte Auftritt der Engländerin, ein Jahr später spielt sie in dem Musikvideo „Nikita“ von Elton John eine vom Sänger umworbene russische Soldatin .

Bei den Verantwortlichen ist der Spot zu Anfang stark umstritten. Steve Jobs, der das Projekt Macintosh bei Apple leitet, beharrt allerdings darauf: Ein spektakulärer Computer brauche einen spektakulären Auftritt. 1985 versucht Apple, den Erfolg des Spots zu wiederholen, diesmal übernimmt Ridley Scotts Bruder Tony (bekannt für „Top Gun“) die Regie: Der ebenfalls beim Super Bowl laufende Spot „ Lemmings “ zeigt Manager mit verbundenen Augen, die eine Klippe hinabstürzen. Erst der letzte der „Lemminge“ nimmt die Binde ab und sieht ein helles Licht: das kommende Mac Office. Der Spot lös­t wenig Beifall aus, er ist einfach zu negativ und düster. Zwanzig Jahre später zeigt Apple den Spot in einer am Computer nachbearbeiteten Fassung, in der die Hammerwerferin einen iPod trägt. Im Frühjahr 2007 macht eine Parodie des Clips die Runde, in der die US-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, die „Big Sister“ gibt .

Im Spot ist der neue Macintosh nicht zu sehen, es handelt sich nur um die Ankündigung des neuen bahnbrechenden Computers. Der erste Blick bleibt den Anteilseignern von Apple vorbehalten, die am 24. Januar an der jährlichen Aktionärsversammlung teilnehmen – mit der bereits 1984 von Steve Jobs bekannten Dramatik. Auf einer abgedunkelten Bühne geht Steve Jobs zu einem Tisch mit einer Stofftasche, aus der er Computer, Tastatur und Maus zieht und alles mit ein paar Handgriffen anschließt. In der folgenden Präsentation führt er damals bahnbrechende Neuerungen wie animierten Text, Tabellenkalkulation oder ein Schachspiel vor. Später lässt er den Macintosh sogar einen Text vorlesen: „Hallo. Ich bin Macintosh. Endlich komme ich aus diesem Sack herraus. Da ich es nicht gewohnt bin, in der Öffentlichkeit zu sprechen, möchte ich Ihnen einen Grundsatz verraten, den ich mir zu eigen machte, als ich das erste Mal einem Großrechner begegnete. Trau keinem Computer, den Du nicht selbst hochheben kannst.“

Kompletter Text (laut Andy Hertzfeld)

Happy Birthday, Macintosh
© 2015

„Hello, I am Macintosh. It sure is great to get out of that bag! Unaccus-tomed as I am to public speaking, I‘d like to share with you a maxim I thought of the first time I met an IBM mainframe: Never trust a computer that you can‘t lift!

Obviously, I can talk, but right now I‘d like to sit back and listen. So it is with considerable pride that I introduce a man who has been like a father to me ... Steve Jobs!“.

Zum Vergleich: Der PC von IBM begrüßt seine Nutzer dagegen mit einem textbasierten DOS-Prompt und muss erst mit einem zusätzlichen Monitor ausgestattet werden. Der Beifall der Aktionäre dauert fünf Minuten und die Begeisterung für das neue Produkt ist groß, das Echo in den US-Medien sehr positiv. Als ihn später an diesem Tag ein Journalist fragt, welche Marktforschung er für das Gerät betrieben habe, sagt Jobs spöttisch: „Hat Alexander Graham Bell etwa Marktforschung betrieben, bevor er das Telefon erfand?“

Apple wollte mit dem neuen Rechner die Herrschaft von IBM brechen.
Vergrößern Apple wollte mit dem neuen Rechner die Herrschaft von IBM brechen.

Die Entwickler

Steve Jobs als Vater des Mac zu ehren, ist eigentlich nicht ganz korrekt. Der Apple-Mitgründer landet erst 1981 bei dem Mac-Projekt, das 1979 Jef Raskin angestoßen hatte. Raskin hatte im Jahr 1978 als Angestellter Nummer 31 bei Apple angefangen und war in der Mac-Projektgruppe für das Interface des damals neuartigen Rechners zuständig. Seine Idee ist ein „Toaster“, ein Computer, den man einfach einschalten und ohne Zusatzgeräte nutzen kann. Der Preis soll unter 500, später 1000 US-Dollar bleiben, ein kleiner Monitor und langsamer Prozessor sollen dies ermöglichen. Etwa 1981 entdeckt Steve Jobs das Projekt und macht sich bald zu seinem Leiter – es wird ihm klar, dass das für Apple wichtigere Projekt Lisa zu einem Flop werden könnte –  und in der Unternehmensführung von Apple kommt die Geschäftsleitung recht gut ohne den Gründer Jobs aus. Jobs will den Codenamen unter anderem in „ Bicycle “ ändern, kann diese Idee glücklicherweise nicht durchsetzen.

Die Nachfolger des Original-Macintosh Macintosh Classic und Macintosh Plus sind ungleich erfolgreicher.
Vergrößern Die Nachfolger des Original-Macintosh Macintosh Classic und Macintosh Plus sind ungleich erfolgreicher.
© Apple

Steve Jobs spielt bei der Entwicklung des ersten Mac seine Fähigkeiten zur Motivation und Suggestion aus, Mac-Entwickler Guy Tribble nennt dies einmal Jobs’ „Reality Distortion Field“. Er spornt die Entwickler zu Höchstleistungen an, 80-Stunden-Wochen werden als selbstverständlich angesehen. Viele anspruchsvolle Änderungen setzt Jobs durch, angefangen von der grafischen Benutzeroberfläche. Diese erfordert mehr Leistung und damit teurere Komponenten. Raskin hatte für „seinen“ Rechner eigentlich einen preiswerten, aber langsamen Prozessor vorgeschlagen, Jobs entscheidet sich dagegen für den schnellen, aber teuren Motorola 68000. Nach einem unausweichlichen letzten Streit mit Jobs verlässt Raskin das Unternehmen, die Premiere des Mac geht ohne ihn über die Bühne.

Auch der Entwickler des Mainboards, Burrel Smith, muss sich mit einem Chef auseinandersetzen, der selbst beim Aussehen des Mainboards Wert auf Ästhetik legt. Am Ende zahlt sich dies aus. Beeindruckend ist am Macintosh nicht nur die Technik, sondern auch das Design. Der recht große Rechner wirkt klein und handlich wie aus einem Guss. Nicht zufällig erinnert das aus zwei Einzelteilen bestehende Gehäuse an ein Gesicht. Viel Wert wurde auf Details gelegt, so sind Anschlüsse mit erklärenden Symbolen versehen, ein Handgriff erleichtert den Transport. Man kann sogar für 99 US-Dollar eine Tragetasche kaufen. Um die Nutzer zur Verwendung der neuen Maus zu zwingen, kommt die mitgelieferte Tastatur ohne Funktions- und Pfeiltasten –eine zusätzliche Zifferntastatur ist bald beliebtes Zubehör.

Revolutionär ist aber vor allem das neue Betriebssystem. Statt kryptischer Textzeilen sieht man auf dem Bildschirm die von der Designerin Susan Kare gestalteten Icons für Ordner und wird beim Systemstart vom Bild eines lächelnden Computers begrüßt. Dokumente verschiebt man mit der Maus in Ordner, ein Programm startet man mit einem Mausklick auf ein Programmsymbol. Eigentlich absurd: Der Apple Lisa besitzt ein eigenes Betriebssystem mit Maus und Benutzeroberfläche, das aber parallel entwickelt und nicht mit dem Macintosh kompatibel ist!

Die Nachfolger des Original-Macintosh Macintosh Classic und Macintosh Plus sind ungleich erfolgreicher.
Vergrößern Die Nachfolger des Original-Macintosh Macintosh Classic und Macintosh Plus sind ungleich erfolgreicher.
© Apple

Begeistertes Presseecho

Aus heutiger Sicht ist der Macintosh klein und lahm, im Vergleich zu den zeitgenössischen Konkurrenten sieht dies aber ganz anders aus. In der Fachwelt wird das Konzept begeistert aufgenommen, wie ein damaliger Bericht in der Fachzeitschrift „Byte“ zeigt. Auf 20 Seiten stellt das Magazin das Gerät (inklusive Schaltkreis und Artikeln von Andy Hertzfeld und Burrell Smith) vor und sieht es als wichtigste Computerentwicklung der letzten fünf Jahre an. Die erste Ausgabe des Magazins Macworld erscheint. Aber auch in Tageszeitungen wie der New York Times sind Journalisten wie Erik Sandberg-Diment begeistert, der den Macintosh als „towering, square, robotic Cyclops“ beschreibt. Weniger gefällt ihm die Farbe, dafür lobt er aber die Qualität des kleinen Bildschirms. Kein Lüfter stört bei der Arbeit, um das kleine Keyboard bequem zu verbinden, liegt der Anschluss an der Seite des Rechners. Auffallend: Noch unter dem Eindruck des 10 000 US-Dollar teuren Lisa wird der niedrige Preis von 2500 US-Dollar gelobt. Das Zeichenprogramm Mac Paint und Mac Write sind vorinstalliert, vor allem das Zeichenprogramm Mac Paint ist damals einzigartig. Die Textverarbeitung Mac Write beherrscht bereits so innovative Funktionen wie verschiedene Schriften und Schriftgrößen, allerdings darf ein Dokument nicht länger als zehn Seiten sein.

Happy Birthday, Mac!

1984 war nur der Anfang einer Geschichte, die noch lange nicht auserzählt ist. Unser Sonderheft zum 30sten Geburtstag des Mac nimmt Sie mit auf eine Zeitreise durch Apples Geschichte und stellt legendäre Produkte ebenso vor wie geniale Flops. Besuchen Sie mit uns die spektakulärsten Apple Stores der Welt und erfahren Sie, wie Apple zur wertvollsten Marke der Welt werden konnte. Lernen Sie die Köpfe hinter dem Erfolg kennen und sehen Sie, wie Profis ihren Mac nutzen und was sie heute an ihm schätzen. Nicht zuletzt stellen wir die komplette aktuelle Produktpalette vor und sagen, wie Apple in naher und fernerer Zukunft sein Geld verdienen könnte.

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Anfangsprobleme und erfolgreiche Nachfolger

Die Verkaufszahlen entwickeln sich zunächst gut, in den ersten hundert Tagen nach Produkteinführung verkauft Apple 70 000 Stück. Dann sinken die Verkaufszahlen aber auf knapp 10 000 Stück pro Monat. Apple verdient mit seinem Dauerbrenner, dem Apple II aus dem Jahre 1977, weit mehr als mit dem neuen Wunderwürfel. Offenbar ist der Preis zu hoch und der erste Macintosh hat eine entscheidende Schwachstelle: Das erste Modell ist einfach zu lahm. Er hat keine interne Festplatte und gleichzeitig ist der eingebaute Arbeitsspeicher sehr knapp bemessen – hohe Preise für Arbeitsspeicher machen dies notwendig, um bei einem Verkaufspreis von 2500 US-Dollar zu bleiben. Durch die grafische Benutzeroberfläche ist aber der Speicherbedarf ungleich höher als bei den Vormodellen. Will man beispielsweise einen Brief schreiben, muss das Gerät die Textverarbeitungssoftware von der Diskette laden und auch das Speichern erfolgt auf dieses lahme Speichermedium. Ein Ausdruck dauert ebenfalls ewig. Leider sind die Disketten und das Diskettenlaufwerk recht anfällig und fallen regelmäßig aus, das Erweitern des Arbeitsspeichers ist lediglich Profis per Lötkolben möglich. Im Unterschied zu Konkurrenten wie dem IBM-PC ist der Macintosh ein geschlossenes System – und nicht einmal mit den Schwes­tersystemen von Apple II und Lisa kompatibel.

Besser geht es den Nachfolgern. Schon im September 1984 erscheint der Macintosh 512K, ein fast identisches Modell mit akzeptablen 512 KB Arbeitsspeicher. Ganze vier Jahre produziert Apple schließlich den erfolgreichen Mac Plus, der 1986 auf den Markt kommt. Nicht zuletzt die Verfügbarkeit von Excel unddes Layoutprogramms Aldus Pagemaker macht das Modell erfolgreicher. Ab 1985 gibt es auch den Laserwriter, der dank der Unterstützung von Postscript und Netzwerkfähigkeit das Desktop-Publishing revolutionierte. 1987 erscheint die neue Software Quark Xpress, die Datenbank-Software Filemaker erhält begeisterte Rezensionen. Das Design bleibt lange identisch, spätere Modelle erkennt man an einer neuen Gehäusefarbe. Statt Beige (genauer Pantone 453) wechselt man zu „Platinum“. Beschränkt bleibt der Erfolg aber auf kleine Firmen und Grafiker, die fehlende Möglichkeit zum Datenaustausch mit IBM-PCs verhindert die Verbreitung in Firmen. Schmerzlich vermisst wird auch bereits Mitte der Achtzigerjahre ein Datei-Server. Gedacht ist der Macintosh für Büroanwender, zeigt aber gerade hier Schwächen.

Microsoft und der Mac

Eine Softwareschmiede namens Microsoft stellt mit als erste Programme für den neuartigen Computer bereit. Während das Lisa-Projekt im Jahr zuvor wegen des hohen Preises der Rechner und des Mangels an Programmen gescheitert war, läuft der Mac nicht in diese Falle. Zwanzig Microsoft-Angestellte programmieren Anwendungen für den Macintosh, zu dieser Zeit arbeiten gerade einmal fünfzehn Apple-Angestellte am Macintosh-Projekt. Ab 1984 gibt es den Excel-Vorläufer Microsoft Multiplan für den Apple II, ab 1985 Microsoft Excel 1.0 und Word 1.0, die Software von Microsoft ist für den Erfolg des Macintosh sehr wichtig. Konfliktfrei ist die Zusammenarbeit zwischen Steve Jobs und Bill Gates aber keinesfalls. So präsentiert Microsoft 1983 eine Alternative zur neuen Benutzeroberfläche des Macintosh: Windows 1.0, das 1985 auf den Markt kommt und nach Anfangsproblemen immer besser wird. Bill Gates erzählt später, Steve Jobs habe ihn beim nächs­ten Treffen angeschrien und des Diebstahls beschuldigt, was ihn wenig beeindruckte. Rechtlich war Microsoft nicht zu belangen, beide Firmen einigen sich außergerichtlich und schließen 1997 Frieden. Und nicht zuletzt wird Microsoft im Jubiläumsjahr 2014 die neueste Version von Microsoft Office für den Mac vorstellen.

Der Reiz des Macintosh

Dass Apples neuer Rechner kein Rohrkrepierer wurde, verwundert noch heute. Denn geplant war die Maschine ganz anders, als „Rechner für jedermann“, der sich unkompliziert und ohne große Einarbeitung bedienen lassen sollte

Zwar hatte Apple mit der von Xerox inspirierten grafischen Benutzeroberfläche dieses Ziel erreicht, mit dem Ladenpreis lag man aber deutlich über den 500 US-Dollar, die das Projektteam um Jef Raskin fünf Jahre zuvor veranschlagt hatte. Aber, um einen der Lieblingssätze des Apple-CEO Steve Jobs hier einzuflechten: „It’s the software, stupid“. Eine Softwareschmiede aus dem Bundesstaat Washington namens Microsoft stellte mit als erste Programme für den neuartigen Computer bereit. Im Vorfeld der Mac-Premiere war Apple fleißig bei Softwareherstellern hausieren gegangen. Während das Lisa-Projekt im Jahr zuvor wegen des hohen Preises der Rechner und des Mangels an Programmen gescheitert war, lief der Mac nicht in diese Falle. Die Verkaufszahlen entwickelten sich aber zögerlich, Apple verdiente mit seinem Dauerbrenner, dem Apple I, weit mehr als mit der neuen Kiste. Bis Ende 1985 waren erst 500 000 Geräte verkauft, die Millionengrenze durchbrach Apple erst am 17. März 1987, als der Mac Plus das aktuelle Modell war.

Was macht aber den Reiz des Macintosh aus? Ist es seine Exklusivität? Ohne die Zusammenhänge von 1984 lässt sich diese Frage wohl nicht beantworten. Mit einem 8 MHz schnellen 68000-CISC-Prozessor, 128 KB Arbeitsspeicher, einem 64 KB großen ROM und einem 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk mit 400 KB kostete der erste Macintosh 2500 US-Dollar. Viel Geld? Je nachdem. Im Vergleich zum legendären Lisa, der zu seiner Markteinführung 1983 noch mit 10 000 US-Dollar auf der Liste stand, ist der erste Macintosh ein echtes Schnäppchen im Vergleich zu seinen Konkurrenten allerdings überzogen teuer. So kostet er in Deutschland anfangs um die 10 000 D-Mark.

Seinen Pioniercharakter verdankt der Mac sowohl seinen Vorgängern als auch seiner spektakulären Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten. Solche technischen Sprünge spielen in der Evolution des Mac bis heute eine wichtige Rolle. Der Mac Plus zum Beispiel, der als erster Mac mit einer SCSI-Erweiterungskarte den Schlüssel zu einer ganzen Palette an Peripheriegeräten enthielt. Oder 1998 der iMac, der mit dieser Schnittstelle brach, auf ein Diskettenlaufwerk verzichtete und erstmals einen USB-Port und wenig später auch einen Firewire-Port enthält. Der Mac war der erste Computer mit integriertem DVD-Brenner, der erste 64-Bit-Desktop-Rechner, der erste Rechner mit Mausbedienung. Dieser technische Fortschrittsfaktor zieht sich lange durch die Mac-Geschichte. Der Mac setzt Standards und bricht ebenso radikal mit ihnen, wie er sie eingeführt hat. Dieser technische Wagemut, der seine Anwender immer wieder zum Zähneknirschen bringt, und seine zeitweise Überlegenheit spielen für den Macintosh eine zentrale Rolle: Mit dem neuen Mac Pro betritt Apple jetzt wieder Neuland. sw

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