895216

Happy Birthday, TCP/IP!

17.01.2003 | 12:40 Uhr |

Vor ziemlich genau 20 Jahren lernte das damalige Arpanet den Protokollstandard, der in unveränderter Form auch heute noch das weltweite Netz der Netze zusammenhält.

Vinton Cerf und Bob Kahn haben in diesen Minuten vielleicht eine große Torte auf dem Tisch stehen. Im Auftrag des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums entwickelten die beiden Programmierer mit vielen anderen Menschen den Vorläufer des Internets, das Arpanet (Advanced Research Project Agency Network). Bereits 1969 bildeten vereinzelte Großrechner in den USA die Basis für das Arpanet, Vinton und Bob stießen erst Mitte der siebziger Jahre in das Forscherteam. Zu diesem Zeitpunkt lief die Datenkommunikation des für den atomaren Ernstfall gedachte Netz über das eingeschränkte Network Control Protocol. Damit sich das Rechnernetz weiterhin schnell ausbreiten konnte, musste jedoch ein schnelleres Protokoll her - Cerf und Kahn schafften mit dem Entwurf zum Transmission Control Protocol (TCP) 1974 den Durchbruch. Ab 1977 vollzog sich der technische Umzug von NCP auf TCP.

TCP kümmert sich um die Zerlegung und Zusammenfügung von einzelnen Datenpaketen, die über ein Netz von einem Rechner zu einem anderen geschickt werden. Zwar haben die Erfinder eine erhebliche schnellere Sende- und Empfangsmethode für diese einzelnen Pakete entwickelt, nur leider bleibt eine TCP/IP-Verbindung zwischen zwei Geräten für die Dauer der Sendung bestehen. Bei höherem Datenaufkommen besteht also irgendwann die Gefahr eines erheblichen Informationsstaus. Hier kommt das Internet Protocol Version 4 aus dem Jahre 1978 auf den Plan: TCP-Pakete wandern zu einem Gateway, bekommen eine IP-Verpackung - unter anderem mit der legendären IP-Nummer, die Zieladresse für die Daten - und gehen durch das weltweite Netz auf die Suche nach einem Gateway, welches den Empfänger innerhalb der eigenen Domäne beherbergt. Am Ziel angekommen wird TCP wieder aktiv und setzt die eingehenden Datenpakete in der richtigen Reihefolge zur gewünschten Information zusammen.

1980 fällten die Arpanet-Betreiber eine Entscheidung: Zur weiteren Ausbreitung des Netzes wird die bewährte Protokollkombination TCP/IP als Standard festgelegt. Schließlich war es im Januar 1983 soweit - Administratoren von allen rund 1000 Arpanet-Rechnern bekamen die Auflage, ihre Server innerhalb von drei Monaten auf TCP/IP umzustellen. Wer nach dieser Frist immer noch mit NCP am Arpanet hängt, wird von der Zentrale gnadenlos abgekapselt. Doch der Protokollumzug gestaltete sich nicht so schwierig wie befürchtet, und den entstandenen Aufwand nahmen die Beteiligten mit Humor: Konvertierte Server schmückten ihre Homepages mit einem "I survived the TCP/IP transition"-Button.

Kurze Zeit später entschloss sich das US-Verteidigungsministerium das Arpanet in zwei Bereiche zu teilen. Für militärische Zwecke existiert seitdem das abgeschottete Milnet, der öffentliche Bereiche erhielt die Bezeichnung Internet. Somit basiert die Technik, mit dessen Hilfe Sie diesen Text lesen können, auf einem Weg weisenden Ereignis, das vor genau 20 Jahren stattfand. In diesem Sinne: Happy Birthday, TCP/IP.

Dirk Steiger

0 Kommentare zu diesem Artikel
895216