Hardware-Trend

Das Ende von Do-It-Yourself

30.07.2012 | 08:55 Uhr | Christian Remse

Spezialwerkzeuge und fest installierte Bauteile erschweren es Bastlern zunehmend ihre Systeme aufzurüsten – gerade anfällige Reisegefährten wie Handys, Laptops und Tablets sind aufgrund ihres ständigen Einsatzes besonders davon betroffen. Kurz gesagt: Do-It-Yourself adé – Willkommen Wegwerfgesellschaft.

Es gab eine Zeit, in der Sie Geräte selbst reparieren konnten. Die meisten Gadgets ließen sich problemlos auseinandernehmen und oftmals genügte ein kurzer Besuch beim Computer-Laden um die Ecke, um den PC oder Fernseher mit den passenden Teilen wieder auf Vordermann zu bringen. Im Laufe der letzten Jahre wurde es immer schwieriger, diese Unterfangen selbst zu bestreiten. Hardware-Reparaturen setzen plötzlich Bauteile und Spezialwerkzeuge aus Übersee voraus. Zumal laufen Sie mittlerweile Gefahr, Ihre Garantieansprüche zu verletzten, sollten Sie selbst Hand anlegen.
 
Zu den anfälligsten Geräten zählen Reisegefährten wie Handys, Tablets und Laptops. Einerseits ist es verständlich, dass es Spezialwerkzeuge bedarf, um beispielsweise ein zerbrochenes Display zu reparieren. Andererseits steht es in keinem Verhältnis, dass Sie tage- oder sogar wochenlang auf Ihr Handy verzichten müssen, nur weil ein Techniker die Batterie austauscht.
 
Obwohl sich Handys, Laptops und Tablets der letzten Jahre nicht mehr so ohne weiteres öffnen lassen, liegt die Schuld nicht notgedrungen an den Herstellern, sondern mitunter auch an den Nutzern selbst. Hardware-Fabrikanten orientieren sich an dem, was Käufer interessiert. Kunden finden beispielsweise Gefallen an schlankeren Geräten, Akkus mit längerer Laufzeit und gestochen scharfe Displays – was dafür eingespart werden muss, interessiert die Konsumenten weniger.
 
Beispiele: Als Apple die Produktion des weißen Macbooks eingestellt und somit den Weg für sein Macbook Air freigemacht hat, nahm das Unternehmen dem Kunden die Möglichkeit, das Gerät selbst problemlos zu reparieren. Dieser Trend beschränkt sich jedoch nicht nur auf Apple, sondern trifft auch auf andere Hardware-Hersteller zu. Selbst Fabrikanten von Windows-PCs verriegeln zunehmend ihre Systeme und erschweren es dadurch, diese eigenständig aufzurüsten.
 
Da Hardware-Hersteller zunehmen Geräte herausbringen, die sich an den Durchschnittsnutzer richten, haben auch Technik-Erfahrene das Nachsehen. Das heißt: Design und Funktion sind mittlerweile wichtiger als technische Spezifikationen. Eine Marktlücke für Nutzer wie Spieler, die Ihr System selber aufrüsten wollen oder müssen, wird allerdings weiterhin bestehen bleiben – wenn auch deutlich eingeschränkter. Ein Zufluchtsort für Technik-Erfahrene ist Kickstarter.com . Hier treffen sich Bastler und stellen Ihre Projekte für finanzielle Unterstützung vor.

1533663