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Harter Standard für rohe Pixel

29.09.2004 | 18:12 Uhr |

Gute Canon Kameras unterstützen das RAW-Format, Nikon natürlich auch und bei der Olympus-DSRL steht ebenfall "RAW" zur Auswahl. Scheinbar gleich, aber in Wirklichkeit komplett unterschiedlich.

Die von der Kamera erzeugten Rohdaten lassen sich meistens nur von der mitgelieferten Software wirklich sofort öffnen. Bilddatenbanken wie iView Media Pro oder Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop können die Kamera abhängingen Raw-Files meistens nur nachträglich unterstützen - falls sie ungenügend dokumentiert sind, häufig auch überhaupt nicht.

Digitales Negativ statt hauseigene RAW-Formate

Diese Misere soll nun das von Adobe entwickelte DNG-Format beheben. Marketingwirksam bezeichnet es der amerikanische Softwarehersteller schon als "digitales Negativ" und greift damit zumindest verbal den Wunsch einer ganzen Branche auf. Denn gerade so etwas wie das 1925 von Oscar Barnack entwickelte analoge Kleinbildformat, gibt es eben noch nicht für das digitale Zeitalter.

TIFF und JPEG sind zwar heute auf jedem Rechner nutzbar, aber hierbei handelt es sich um ein bereits "entwickeltes" Format. Die erfassten Graustufenwerte der grünen, roten und blauen Lichtsensoren des Kamera-Chips wurden hierbei schon in Farbkanäle verrechnet und mit Weißabgleich und Scharfzeichnung versehen. Maximale Eingriffsmöglichkeiten bieten daher vor allem die Rohdaten, doch die sind wiederum nicht auf allen Rechner ohne Weiteres nutzbar.

"Bis jetzt!" verspricht Adobe, denn das DNG-Format soll nun der einheitliche Standard für Rohdaten werden. In einem ersten Schritt gibt es dazu einen Konverter für Photoshop CS , der die bisherigen RAW-Formate von 65 Kameratypen in den neuen Dateityp verlustfrei übersetzt. Im zweiten Schritt erhofft sich Adobe natürlich eine direkte Hersteller-Unterstützung des gut dokumentierten "digitalen Negativs", das auf dem ISO-Standard TIFF/EP für Digitalfotografie basiert.

Der Plattform und Kamera ungebundene Dateityp hat allerdings zur Zeit noch einen großen Nachteil. Lediglich Nutzer von Photoshop CS beziehungsweise Photoshop Elements 3.0 können ihn bisher nutzen. Noch nicht einmal Photoshop 7 wird bisher mit diesem Feature versehen, so dass die Nutzer eines klassischen Mac-Betriebssytems genauso wie Linux-Anwender das Nachsehen haben. Da das Format allerdings offen ist, bleibt zu hoffen, dass andere Softwarehersteller es möglichst schnell in ihre Produkte implementieren und so nicht nur die Adobe Applikationen unter Mac-OS X und Windows davon profitieren.

"Offener" Standard mit proprietären Dateidefinitionen

Neben den reinen Bilddaten integriert das DNG-Format auch EXIF-, IPTC- und XMP-Metadaten. So können beispielsweise Belichtungseinstellungen, Name des Fotografen, GPS-Daten oder auch Schlagwörter direkt im Foto abgespeichert werden. Als kleiner Leckerbissen für die Kamerahersteller ist allerdings auch Eintrag in die Spezifikationen mit dem Namen "Proprietary Data" eingefügt worden. Hier können die Firmen Code platzieren, der exklusiv von ihrer Software ausgelesen werden kann. Da die Bilddatei zwar in diesem Fall auch weiterhin mit anderen Programmen nutzbar wäre, scheint dies nicht allzu schlimm zu sein, doch es hinterlässt einen faden Beigeschmack mit Blick auf die propagierte Offenheit des "digitalen Negativs".

Um allerdings nicht die Hersteller zwangsweise zur Nutzung dieser Funktion zu treiben, verspricht Adobe das DNG-Format in Zukunft weiterzuentwickeln, um den fortschreitenden Möglichkeiten und Anforderungen in der digitalen Fotografie gerecht zu werden. Dennoch steht und fällt das Format mit der Unterstützung der Kameraproduzenten. Wenn sich hier DNG-konforme RAW-Spezifikationen durchsetzen, kann es zu einem Rohdaten-Standard werden wie es ihn mit TIFF oder JPEG für "entwickelte" Dateien schon gibt. Bleibt es lediglich Konverterformat für die weiterhin hauseigenen RAW-Files der Fotoindustrie muss Adobe viel Arbeit in die stetige Anpassung investieren und bekommt dafür noch nicht einmal das Prädikat das PDF der Rohdaten entwickelt zu haben.

DNG-Info

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