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Haswell: Neue Core-CPUs offiziell vorgestellt

06.06.2013 | 10:22 Uhr |

Haswell, die neue CPU-Generation von Intel, soll Notebooks und Tablets dünner, leichter und ausdauernder machen. Wir stellen Ihnen die neuen Mobil-Prozessoren im Detail vor.

Unter dem Codenamen Haswell tritt die vierte Generation der Core-Prozessoren von Intel an. Sie soll in Notebooks, Ultrabooks und in Tablets ihren Platz finden. Das Ziel: Die mobilen Geräte sollen immer dünner und leichter werden, aber trotzdem die gewohnte PC-Leistung bringen.

Macwelt-Einschätzung

Die entscheidende Frage wird sein, für welche Macbook-Modelle Apple welche Haswell-Baureihen und Grafiklösungen nutzen wird. Ein Blick auf die aktuellen Modelle verrät: Beim Macbook Air setzt Apple bisher auf eine Kombination aus Core i5- und Core-i7-CPUs der U(ltrabook)-Baureihe, sowie auf On-Board-Grafik der Marke Intel HD 4000. Für mögliche neue Haswell-powered Macbook Air-Modelle kämen also tendenziell wieder U-CPUs mit zwei Prozessorkernen zum Einsatz, beispielsweise der Core i5-4250U für ein 13-Zoll-Einstiegsmodell. Iris wäre aber bei dieser CPU nicht integriert. Vielmehr käme mit der HD 5000 eine weniger starke, dafür aber sparsamere Lösung zum Einsatz. In Kombination mit einem neuen Macbook Pro Retina könnte man sich dann durchaus vorstellen, dass Apple zumindest für die Top-Modelle (oder alternativ als BTO-Option) einen der H-Haswells nebst Iris und zusätzlicher diskreter Grafikeinheit zum Einsatz bringt. Wie sich die Umsetzung dann tatsächlich darstellen wird, werden wir am kommenden Montag im Rahmen der WWDC-Eröffnungskeynote erfahren – die technische Grundlage für einen Hardware-Refresh der bestehenden Macbook-Baureihen ist jedenfalls gelegt.

Bekannte Fertigung, neue Mikroarchitektur

Für Intel ist Haswell ein Tock: Damit bezeichnet der CPU-Hersteller eine neue Mikroarchitektur, die auf einem eingeführten Fertigungsverfahren, dem Tick, basiert. Wie die Vorgänger-Plattform Ivy Bridge sind Haswell-Prozessoren im 22-Nanometer-Verfahren gefertigt. Die Neuerungen liegen unter der Haube – wir stellen Sie Ihnen ausführlich anhand der Haswell-Desktop-CPUs vor . Mit Haswell stellt Intel Prozessoren aus vier Modellfamilien vor: Das Namensschema bleibt dabei unverändert – wie bisher gibt es Core i7, Core i5 und Core i3. Die Modellnummer ist eine vierstellige Ziffer, die mit einer 4 beginnt, und mit einem oder zwei Buchstaben endet. Der erste Buchstabe bezeichnet dabei die Prozessorfamilie (H, M, U oder Y), der zweite kennzeichnet eine Extrem-Edition (X) oder eine Quad-Core-CPU (Q). Die Y-Modelle wurden übrigens von Intel speziell mit Blick auf Tablets designt. Da Apple beim iPad bislang aber nicht auf Intel-CPUs setzt, spielen die Y-Modelle für unseren Kontext nur eine untergeordnete Rolle.

H-Serie: Für Spiele-Notebooks

Die CPUs der H-Familie besitzen vier Kerne (acht logische Kerne durch Hyper-Threading) und passen aufgrund der relativ hohen Abwärme von 47 beziehungsweise 37 Watt nur in dickere, aber sehr leistungsfähige Mobilrechner. Sie werden als Core i7 verkauft und vor allem in Spiele-Notebooks zu finden sein.

Prozessor

Kerne

Takt (GHz)

maximaler Turbo-Boost (GHz)

integrierte Grafik

TDP (Watt)

Core i7-4950HQ

4

2,4

3,6

Iris Pro 5200

47

Core i7-4850HQ

4

2,3

3,5

Iris Pro 5200

47

Core i7-4750HQ

4

2

3,2

Iris Pro 5200

47

Core i7-4702HQ

4

2,2

3,2

HD Graphics 4600

37

Core i7-4700HQ

4

2,4

3,4

HD Graphics 4600

47

M-Serie: Für Standard-Notebooks

Vierkerner unter den Namen Core i7 gibt es auch in der M-Familie – ihre maximale Abwärme (TDP, Thermal Design Power) liegt je nach Modell bei 37, 47 oder 57 Watt. Sie liegen damit etwas über den Vorgängern mit 35 und 45 Watt TDP. Den größten Teil der M-Serie machen aber die CPUs Core i5 und Core i3 aus: Diese Zweikerner werden vor allem in Standard-Notebooks mit 15-Zoll-Display zu finden sein.

Prozessor

Kerne

Takt (GHz)

maximaler Turbo-Boost (GHz)

integrierte Grafik

TDP (Watt)

Core i7-4930MX

4

3

3,9

HD Graphics 4600

57

Core i7-4900MQ

4

2,8

3,8

HD Graphics 4600

47

Core i7-4800MQ

4

2,7

3,7

HD Graphics 4600

47

Core i7-4702MQ

4

2,2

3,2

HD Graphics 4600

37

Core i7-4700MQ

4

2,4

3,4

HD Graphics 4600

47

Core i7-4600M

2

2,9

3,6

HD Graphics 4600

37

Core i5-4330M

2

2,8

3,5

HD Graphics 4600

37

Core i5-4300M

2

2,6

3,3

HD Graphics 4600

37

Core i5-4200M

2

2,5

3,1

HD Graphics 4600

37

Core i3-4100M

2

2,5

-

HD Graphics 4600

37

Core i3-4000M

2

2,4

-

HD Graphics 4600

37

U-Serie: Für Ultrabooks

Die sparsamen CPUs werden mit Haswell noch sparsamer: Die U-Serie für Ultrabooks und besonders flache Notebooks verbrät nur noch 15 statt zuvor 17 Watt. Alle U-Modelle sind Zweikerner und laufen je nach Taktrate unter der Bezeichnung Core i7, Core i5 oder Core i3. Wie bei den bisherigen Core-Generationen bleibt übrigens auch bei Haswell die Funktion Turbo Boost, also das automatische Übertakten des Prozessors, nur dem Core i7 und dem Core i5 vorbehalten.

Prozessor

Kerne

Takt (GHz)

maximaler Turbo-Boost (GHz)

integrierte Grafik

TDP (Watt)

Core i7-4650U

2

1,7

3,3

HD Graphics 5000

15

Core i7-4550U

2

1,5

3

HD Graphics 5000

15

Core i7-4500U

2

1,8

3

HD Graphics 4400

15

Core i5-4350U

2

1,4

2,9

HD Graphics 5000

15

Core i5-4250U

2

1,3

2,6

HD Graphics 5000

15

Core i5-4200U

2

1,6

2,6

HD Graphics 4400

15

Core i3-4100U

2

1,8

-

HD Graphics 4400

15

Core i3-4010U

2

1,7

-

HD Graphics 4400

15

Eine neue Form für das Prozessorgehäuse bei den U- und Y-Modellen soll dies unterstützen: Beim 1-Chip-BGA sitzen die beiden Siliziumplättchen (Dies) mit Prozessor und Chipsatz zusammen in einem Package, das auf die Hautplatine gelötet wird. Bisher musste auf der Platine Platz für die beiden getrennten Gehäuse von CPU und Chipsatz sein. Damit rücken die Intel-CPUs näher an die System-on-a-Chip-Architektur (SoC) heran, die Smartphone- und Tablet-CPUs beispielsweise von Nvidia oder Qualcomm nutzen. Die U- und Y-Haswells im platzsparenden Package beherrschen außerdem den neuen S0ix-Modus: Dabei befindet sich das System im Leerlauf (idle), verbraucht aber kaum mehr als in einem Schlafzustand und kann deutlich schneller wieder aktiv werden.

Sparsamer und trotzdem schneller

Laut Intel soll Haswell für zwei bis drei Stunden mehr Akkulaufzeit sorgen – bei einem 50-Wattstunden-Akku. Verdoppeln gegenüber Ivy Bridge soll sich die Standby-Zeit – auf zehn bis 13 Tage. Die Ersparnis geht dabei sowohl aufs Konto von CPU und Chipsatz, aber vor allem auf die übrigen Komponenten der Intel-Plattform wie Speicher-Controller.

Das müssen die neuen Ultrabooks können

Von der höheren Rechenleistung Haswells verspricht sich Intel auch Fortschritte bei Gesten- und besonders der Sprachsteuerung von Ultrabooks und Tablets. Für Haswell-Ultrabooks verlangt Intel daher einen Touchscreen sowie Hardware, die Sprachsteuerung erlaubt – also beispielsweise entsprechend empfindliche Mikrofone. Log-in per Gesichtserkennung empfiehlt Intel ebenfalls, schreibt es den Herstellern aber nicht ins Pflichtenheft.

Die 2013-Generation der Ultrabooks muss außerdem in weniger als drei Sekunden aus einem Schlafzustand aufwachen – bisher durfte das Aufwachen bis zu sechs Sekunden dauern. An die Akkulaufzeit stellt Intel folgende Forderungen: mindestens sieben Tage Standby, wobei das Ultrabook zwischendurch aufwachen darf, um seine Daten per Intel Smart Connect oder Windows Connected Standby zu aktualisieren. Statt fünf Stunden Laufzeit müssen neue Ultrabooks jetzt neun Stunden im Windows-Leerlauf durchhalten und mindestens sechs Stunden bei der HD-Videowiedergabe.

Endlich spieletauglich? Die Haswell-Grafik

Viel verspricht sich Intel von der integrierten Grafik der Haswell-CPUs: Sie soll so leistungsfähig sein, dass selbst flache Ultrabooks spieletauglich werden und größere 15-Zoll-Notebooks auf eine zusätzliche Grafikkarte verzichten können.

Die integrierte Haswell-Grafik unterstützt die Programmierschnittstellen DX11.1, OpenCL 1.2 und OpenGL 4.0. Außerdem versteht sie sich auf Displayport 1.2 – dieser Anschluss liefert eine höhere Bandbreite und erlaubt mehrere Monitore hintereinander anzuschließen (daisy-chain). Außerdem lassen sich an der neuen Grafik bis zu drei Bildschirme (Notebook-Display plus zwei externe Monitore) mit höherer Auflösung betreiben als beim Vorgänger HD Graphics 4000. Schließlich hat Intel Quick Sync Video verbessert, um das hardware-gestützte Umwandeln von Videoformaten zu beschleunigen.

Der kabellose Bildschirm-Anschluss Wireless Display bekommt mit Haswell die Version 4.1. Neben der Unterstützung für Miracast, das Android ab Version 4.2 für die Funkverbindung zwischen Smartphone und Fernseher unterstützt soll die WiDi-Software eine Touch-optimierte Bedieneroberfläche bekommen.

Die Varianten der integrierten Grafik

Die leistungsstärkste Variante der integrierten Grafik nennt sich Iris Pro Graphics 5200 (Codename: GT3e). Sie sitzt in den 47-Watt-Quad-Core-Modellen der H-Serie und taktet mit bis zu 1300 MHz. Das Besondere: Beim GT3e sitzen wohl 128 MB Speicher direkt auf dem Prozessor-Package – das sorgt wie das lokale RAM einer Grafikkarte für hohe Speicherbandbreite und niedrige Latenz, weil der Speicher näher an CPU und Grafik heranrückt. Für Ultrabooks liegt die TDP zu hoch, aber dünnere 15-Zoll-Laptops könnte diese Grafikvariante ermöglichen, denn normalerweise muss das Kühlsystem in einem Standard-Notebook nicht nur die CPU-Abwärme, sondern auch die Hitze einer zusätzlichen GPU bewältigen.

Benchmarks deuten darauf hin, dass Iris Pro auf dem Niveau einer Mittelklasse-Grafikkarte wie der Geforce GT635M oder GT640M liegt. Damit wären selbst aktuelle Spiele in Full-HD-Auflösung möglich, allerdings in mittlerer bis niedriger Detailstufe.

Eine Stufe darunter liegt Iris Graphics 5100, die wie die Pro-Variante mit 40 Grafikkernen arbeitet, aber ohne integrierten Speicher auskommen muss. Sie wird in Haswell-CPUs der U-Serie mit 28 Watt TDP zum Einsatz kommen, die Intel aber wohl erst im Herbst auf den Markt bringen wird.

Die stärkste Grafik für Ultrabooks wird die HD Graphics 5000 sein: Auch sie besitzt 40 Kerne, taktet aber mit maximal 1100 MHz. Sie steht einigen Core-i7- und Core-5-Modellen der U-Serie zur Seite. Ihre Leistung dürfte ungefähr auf dem Niveau einer Einsteigergrafik wie der Geforce GT 620M liegen: Ältere Spiele laufen damit bei 1366 x768 Bildpunkten und maximalen Details flüssig und auch höhere Auflösungen dürfte bei etwas reduzierten Details möglich sein. Das macht flache und schicke Ultrabooks zumindest für Gelegenheits-Spieler attraktiv.

Die meisten Haswell-Notebooks werden aber wohl mit den kaum spieletauglichen Varianten HD Graphics 4600 (20 Kerne, maximal 1300 MHz), HD Graphics 4400 (maximal 1100 MHz) und HD Graphics 4200 (maximal 850 MHz) ausgestattet sein – und damit für Spiele-Freunde unattraktiv bleiben. Für Spiele-Interessierte, die flacher Bauweise und langer Akkulaufzeit nicht höchste Priorität einräumen, sollte auch deshalb ein Notebook mit zusätzlicher Grafikkarte erste Wahl bleiben, weil AMD und Nvidia für eine schnellere und bessere Treiber-Unterstützung ihrer GPUs sorgen.

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