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Heiligenbild oder Betrüger?

30.06.2005 | 16:45 Uhr |

Mit dem doppeldeutigen Buchtitel "iCon" suggerieren die Autoren Jeffrey Young und William Simon eine Alternative in der Betrachtung der schillernden Persönlichkeit von Steve Jobs, die sie aber letztlich nicht einlösen.

iCon - Biografie Steve Jobs
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Das englische „iCon“ erinnert an den Begriff Ikone – ursprünglich griechisch für „Abbild Gottes“ oder, besonders in der orthodoxen Kirche, Heiligenbild. Oder es lässt sich englisch als Verbform verstehen – „I con“, ich betrüge. Das ist ein harter Angriff auf den Geschäftsmann Steve Jobs, der erst einmal bewiesen sein will. Doch das gelingt den Autoren nicht, wenn sie es in dem Sinne überhaupt beabsichtig hatten. Offenbar waren Jeffrey Young und William Simon mehr in das publikumsträchtige und verkaufsfördernde Wortspiel verliebt.

Natürlich kennt jeder Macianer die Eskapaden des Apple-CEOs: Wie schnell und scheinbar launisch er Mitarbeiter von jetzt auf gleich entlassen kann und verdiente Apple-Ingenieure in der Frühzeit der ursprünglichen Garagenfirma vom Reigen der Aktienausschüttung gezielt und fast bösartig fernhielt. Wie massiv Jobs sich in Dinge einmischen konnte, von denen er augenscheinlich nichts verstand, sie nachher trotzdem zum Erfolg machte, wie etwa den Macintosh. Und wie er vorher von ihm selbst abgelehnte Ideen nachher als seine ureigensten verkaufen konnte. Wir wissen, dass Jobs auch hinten herum gern gegen unliebsame Personen Einfluss nahm, wozu er durch seine guten Beziehungen zur Presse und zur Politik (Ross Perrot etwa) auch die Möglichkeiten hatte. Uns ist bekannt, dass der heutige Apple-Chef mit seiner Next- respektive Nextstep-Firma um ein Haar gescheitert wäre, hätte ihn nicht der Deal mit Apple gerettet. Wobei er sich auf grandiose Weise an dem an sich favorisierten Betriebssystem BeOS vorbei pokern konnte. Und es ist längst kein Geheimnis, dass Steve Jobs zunächst Gil Amelio in Cupertino über die Klinge springen ließ und dann mit dem kokettierenden Titel "iCEO" von dessen einschneidenden Sparmaßnahmen profitierte wie auch von dem schon vor seiner Zeit geplanten Sensationserfolg iMac.

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