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Hifi lebt: Zulauf für klassische Musik-Elektronik bei der IFA

06.09.2005 | 14:44 Uhr |

Das klassische Hifi wurde in den vergangenen Jahren gern totgesagt. Der Vormarsch von Surround-Receivern, Multimedia- Computern und MP3 würde der altgedienten Kette aus Platten- oder CD- Spieler, Verstärker und zwei Boxen schon bald den garaus machen, lauteten oft die Prognosen.

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Doch das Gegenteil ist bei der diesjährigen Funkausstellung der Fall. Große Hersteller haben neue Stereo-Geräte nach Berlin mitgebracht, das Interesse der Besucher an den Ständen ist enorm. Schließlich habe man noch zuhauf Platten und CDs zu Hause, ist häufig zu hören.

Der vielbewunderte Extremfall auf der IFA ist die «teuerste Anlage der Welt», die die Zeitschrift «Audio» zusammenstellte. Um die fast eine Million Euro teure Ansammlung von Geräten zu hören, stehen die Besucher schlange, die 120 Sitze im abgeschotteten Hörsaal sind zu jeder stündlichen Vorführung voll.

Der Eindruck ist faszinierend. Die mannsgroßen französischen Lautsprecher Focal Grande Utopia - 219 Kilo schwer, Preis 35 000 Euro pro Stück - zaubern ein gigantisches Klang-Panorama herbei, mit in der Luft schwebenden Streichern, einem elastischen Bass und lebendigen Stimmen. Selbst ein altbekannter Song wie «Frozen» von Madonna klingt als würde man ihn zum ersten Mal hören. Ein weiterer Star der Anlage ist der gewaltige Plattenspieler Clearaudio Statement für 75 000 Euro - das bisher einzige funktionsfähige Gerät des Modells, sagt «Audio»-Redakteur Lothar Brandt.

Das sind alles Preisbereiche, in denen sich die 120 Leute im «Audio»-Hörsaal höchstens zusammen etwas leisten könnten. Dabei ist es nicht einmal die teuerste mögliche Geräte-Kombination: «Nach oben draufpacken könnte man ohne Ende», sagt Brandt. In diesem exklusiven High-End-Bereich kann man auch schon mal einige Jahre auf sein zehntausende Euro teures Gerät warten. Aber auch ein verhältnismäßig großer Hersteller wie B&W musste sich vor kurzem für Wartezeiten bei seinen Standlautsprechern 800D entschuldigen - und das bei einem Preis von rund 6000 Euro pro Stück.

Auch aus dem Handel wird der Trend bestätigt. «Der klassische Hifi-Kunde fängt wieder an, nachzufragen. Stereo hören ist nicht out», sagt der Geschäftsführer eines norddeutschen media marktes. Auch die seit Jahren gefallenen CD-Verkäufe stagnierten zwar, gingen aber nicht mehr zurück.

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