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Hightech-Industrie will Motor bei Klimaschutz sein

04.03.2008 | 07:17 Uhr |

Die Hightech-Industrie in Deutschland will beim lange vernachlässigten Klimaschutz eine führende Rolle übernehmen. Umweltfreundlichere Informationstechnologie soll den Energieverbrauch in fast allen Wirtschaftszweigen senken.

"Green IT" ist ein Top-Thema auf der Computermesse CeBIT in Hannover, die am Montagabend von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy eröffnet wurde. Frankreich ist in diesem Jahr Partnerland der Messe. Merkel und Sarkozy betonten die Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Bei einem anschließenden bilateralen Treffen in Hannover wollten sie die jüngsten Irritationen zwischen beiden Ländern ausräumen. Die CeBIT mit mehr als 5800 Ausstellern dauert von Dienstag bis Sonntag. Zu Schwerpunkten gehören auch mobiles Internet und schnelle Zugänge ins weltweite Netz. Die Unternehmen rechnen mit einem anhaltenden Boom auf dem Breitband-Markt.

Vom zunehmenden Konjunkturpessimismus will sich die IT-Branche nicht anstecken lassen. Der Branchenverband BITKOM erwartet für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von 1,6 Prozent auf 145 Milliarden Euro. 2007 schnitt die Branche deutlich besser ab als erwartet. Statt der prognostizierten 1,3 Prozent schaffte sie ein Wachstum von 2,0 Prozent. "Die Unternehmen haben aufgrund der guten Konjunktur mehr in Informationstechnologie investiert", sagte BITKOM-Präsident August- Wilhelm Scheer. Als zunehmende Gefahr für den IT-Standort Deutschland gilt aber der Fachkräftemangel bei Ingenieuren und Informatikern.

Beim Thema Energieeffizienz und Klimaschutz will sich die IT- Branche als "Innovationsmotor" präsentieren. Auf IT und Telekommunikation entfallen etwa zwei Prozent des weltweiten Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Die Industrie liegt damit in etwa gleichauf mit dem Luftverkehr. Die Industrieinitiative "Climate Savers Computing", der unter anderem Branchenriesen wie Intel oder Google angehören, will den Energieverbrauch der Computer bis zum Jahr 2010 unter bestimmten Voraussetzungen halbieren. Microsoft-Chef Steve Ballmer sagte in Hannover, Computer könnten einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten. "Die Rechner haben sich zwar inzwischen selbst zu einem bedeutenden Energieverbraucher entwickelt, sie können aber auch im starken Maß zum Einsparen von Energie und zum Schutz des Klimas genutzt werden."

Ballmer sagte für die kommenden Jahre umwälzende Veränderungen in der Nutzung von Computern in Aussicht gestellt. Die "fünfte Computerrevolution" werde geprägt von enormen Rechenkapazitäten und einem quasi unendlichen Speicherplatz. Die Veränderungen würden dabei helfen, auf die globale Klimaveränderung zu reagieren sowie die Gesundheitsversorgung und die Bildung von Milliarden Menschen zu verbessern. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso verwies bei der CeBIT-Eröffnung auf das enorme Potenzial der IT-Technik beim Umweltschutz. So könnten mit Videokonferenzen eine Menge Reisen eingespart werden. Das Top-Thema "Green IT" gehört zu dem neuen Konzept, mit dem die CeBIT einen Neuanfang starten will. Die Messe-Macher versprechen ein schärferes Profil als Fachmesse, eine übersichtlichere Struktur und mehr Inhalt. Die Dauer der Messe wurde um einen auf sechs Tage verkürzt, damit die Unternehmen Kosten sparen. Der Ausstellerschwund wurde allerdings nicht gestoppt: Die Zahl der Aussteller sank im Vergleich zum Vorjahr um rund fünf Prozent. Die Veranstalter nennen als Grund auch den Konzentrationsprozess in der Branche. Vor allem auf dem Telekommunikationsmarkt herrscht ein harter Preiskampf. Zum CeBIT-Auftakt läuteten die Branchenriesen Deutsche Telekom und Vodafone eine neue Preisrunde etwa beim Mobilfunk ein. Während Informationstechnik und Unterhaltungselektronik laut BITKOM-Prognose beim Umsatz nach wie vor zulegen, schrumpft das Telekommunikationssegment dieses Jahr erneut. Die Preise sinken weiter. "Das freut den Konsumenten, die Unternehmen aber nicht ganz so", sagte BITKOM-Chef Scheer. Es sei jedoch eine Trendwende in Sicht: "Wir hoffen, dass die Branche 2010 wieder wächst." Vor allem mit Datendiensten - etwa Internetverbindungen - lasse sich künftig Geld verdienen, während die Bedeutung von Sprachdiensten abnehme. Widersprüchliche Tendenzen sind auch auf dem Arbeitsmarkt zu beobachten. Insgesamt stieg die Zahl der Beschäftigten 2007 um rund 3000 auf 816 000. Als Motor dieser Entwicklung nannte Scheer vor allem Software-Häuser und IT-Dienstleister. Die Unternehmen der Unterhaltungselektronik verlagerten dagegen die Fertigung in andere Länder und strichen weiter Stellen. Scheer beklagte den derzeitigen Fachkräftemangel in der Branche. 43 000 Stellen seien unbesetzt, da die entsprechenden Spezialisten fehlten. Er forderte die Politik zur Reform des Bildungswesens auf. "Wir müssen junge Leute motivieren, das Ingenieursstudium aufzunehmen." (dpa)

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