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Hintergrund: Viel Lärm um Nichts - Macromedia gegen Adobe

23.11.2001 | 00:00 Uhr |

Am 19. Oktober 2001 war es wieder so weit: Die zwei großen Hersteller von Grafiksoftware schicken ihre Anwälte los, weil der Konkurrent angeblich Patente verletzt, die man selbst schon lange gesichert hat

Am 19. Oktober 2001 war es wieder so weit: Die zwei großen Hersteller von Grafiksoftware schicken ihre Anwälte los, weil der Konkurrent angeblich Patente verletzt, die man selbst schon lange gesichert hat (vergleiche www.macwelt.de/_news/200110/id10774.shtml ). In der aktuellen Runde eröffnete Macromedia den Fall und erstattete Klage gegen Adobe, da die Adobe-Produkte Photoshop und Golive Verfahren nutzen sollen, das Netobjects patentiert hat. Da Netobjects aber seit Herbst dieses Jahres zu Macromedia gehört, war es an Macromedia den Prozess anzustrengen. Und obwohl Macromedia finanziell angeschlagen ist, soll zumindest die juristische Abteilung der Firma noch immer die alte Schlagkraft haben.

Adobe weist die Anklage inzwischen aber weit von sich (vergleiche www.adobe.com/adobefacts/main.html ). Denn schon Anfang 1999 hatte Adobe die entsprechenden Patente geprüft. Damals hatte Adobe die Hamburger Firma Golive übernommen und kurze Zeit später von Netobjects Post bekommen. Die darin erhobenen Vorwürfe wegen Patentrechtsverletzungen "habe man eingehend geprüft und Netobjects mitgeteilt, dass man sie für gegenstandslos halte. Daraufhin seien keine weiteren Schritte erfolgt", erläutert Adobe auf der Internet-Seite. Deshalb sehe man auch jetzt einem Prozeß gelassen entgegen. Denn die Auslieferung von Photoshop und Golive könne Macromedia nicht stoppen. Sollte das Gericht der Klage von Macromedia wider Erwarten statt geben, müsse man sich auf Lizenzgebühren einigen oder die beanstandeten Teile aus den beiden Programmen entfernen, erläutern die beiden Geschäftsführer von Adobe, Bruce Chizen und John Warnock, auf den Internet-Seiten. Laut der Klageschrift ist die Vorschau auf HTML-Seiten patentiert, die die Seiten "exakt so zeigt, wie sie im Browser zu sehen sind", außerdem habe Netobjects ein Patent auf ein Verfahren, mit dem man den hierarchischen Aufbau von HTML-Dokumenten grafisch festlegt.

Allerdings rechnen Insider in diesem Fall nur mit einer weiteren Runde im "Hornberger Schießen": Die vorige Runde hatte Adobe im Sommer des vergangenen Jahres eröffnet und Macromedia beschuldigt, ein Patente zu verletzen, das die Einstellungsdialoge von Software beschreibt. Adobe hält ein Patent auf ein Fenster, in dem man am oberen Rand zwischen mehreren Optionen wechseln kann ("Karteikartenreiter"). Kurze Zeit später antwortete Macromedia mit einer Gegenklage, in der Adobe beschuldigt wurde, mit Illustrator und Premiere zwei Macromedia-Patente zu verletzen. Und bei beiden Fällen rechnet man heute allgemein mit einer gütlichen Einstellung des Verfahrens.

wm

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