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Historischer Wachwechsel bei Sony

07.03.2005 | 14:06 Uhr |

Die Nachricht schlug ein wie ein Paukenschlag. Der japanische Elektronikriese Sony, einst legendärer Vorreiter der Unterhaltungselektronik, berief am Montag mit dem Amerikaner Howard Stringer erstmals einen Ausländer an die Spitze des Unternehmens.

Er löst Nobuyuki Idei ab. Hintergrund dieser Entscheidung soll dem Vernehmen nach der Frust der Aktionäre über die andauernde Krise bei dem einstigen Vorzeigekonzern gewesen sein. Die Investoren seien über den Mangel an richtigen Strategien und Produkten enttäuscht gewesen.

Mit dem 63-jährigen gebürtigen Briten Stringer erhofft man sich, dass Sony wieder zu dem wird, was sein legendärer Mitbegründer Akio Morita einst aus dem Unternehmen gemacht hat. Mit technischen Pioniertaten hatte der 1999 verstorbene Morita, der zum Gesicht der «Japan AG» wurde, sein Unternehmen aus dem Nichts der Nachkriegszeit an die Weltspitze der Unterhaltungselektronik geführt. Doch inzwischen hat die Marke Sony an Glanz eingebüßt. Das Unternehmen musste Kostensenkungspläne einschließlich des Abbaus von 20 000 Stellen ankündigen. Das Kerngeschäft, der Elektronikbereich, leidet unter schwachen Erträgen.

Im Januar hatte der Hersteller der PlayStation die Erwartung für das laufende Geschäftsjahr deutlich nach unten gesenkt. Grund ist der starke Preisverfall bei Fernsehern, DVD-Rekordern und Video-Geräten angesichts der scharfen Konkurrenz durch Unternehmen wie Matsushita Electric (Panasonic) und dem südkoreanischen Rivalen Samsung Electronics. Branchenbeobachter werfen dem bisherigen Sony-Management unter Führung von Idei vor, sich nur langsam auf Flachbild-Fernseher und andere digitale Produkte konzentriert zu haben. So habe Sony auch Apple mit seinem erfolgreichen Musikgerät iPod das Feld überlassen.

Ideis designierter Nachfolger Stringer steht nun vor der Aufgabe, das Entertainment- und Elektronikgeschäft zu integrieren. Kein anderer Top-Manager bei Sony kenne sich so gut im Entertainment und im Technologie-Bereich aus wie der Amerikaner, heißt es. Der bisherige Stellvertreter von Idei und Chef von Sonys Amerika- sowie Entertainmentgeschäftes hatte eine führende Rolle bei der Schaffung von Sony BMG Music Entertainment gespielt, einem Gemeinschaftsunternehmen mit der deutschen Bertelsmann AG. Sein Name steht auch für Sonys milliardenschwere Übernahme des traditionsreichen Hollywoodstudios Metro-Goldwyn-Mayer.

Der in den vergangenen Jahren stark gebeutelte Aktienkurs von Sony legte am Montag bis zum Handelsschluss um 60 Yen oder 1,5 Prozent auf 4080 Yen zu. Es war nach Mizuho Financial Group der wertmäßig am zweitstärksten gehandelte Titel an diesem Tag. Stringer machte den Analysten nach seiner Berufung an die Unternehmensspitze jedoch nichts vor. Er glaube nicht, dass Sony in der Lage sein werde, sein Ziel zu erreichen, die operative Gewinnmarge bis zum Ende des Geschäftsjahres 2006/2007 (31. März) auf 10 Prozent zu steigern. Dennoch werde er diese Zielmarke beibehalten, sagte Stringer und fügte hinzu: Schließlich gelte es, Sonys Manager «hungrig» zu machen.

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