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Hoffen auf das Frühjahrserwachen

14.08.2001 | 00:00 Uhr |

Auf einen heißen Messe-Herbst hatten sich Mac-Anwender in Deutschland gefreut. Doch die Apple-Expo in Paris dürfte weiterhin zu wenig internationales Flair versprühen und in Deutschland gibt es nur noch eine Veranstaltung. Mehr...

Aufgeschreckte Aussteller hatten am Freitag die Nachricht verbreitet, dass die für den 20. - 22. September anberaumte Mac-Messe Maxpo nicht stattfinden werde. Mittlerweile hat der Veranstalter Infotrain, ein Tochter-Unternehmen des Hamburger Macup-Verlags, bekannt gegeben, dass man die zweite Auflage der im September 2000 an den Start gegangenen Veranstaltung auf das Frühjahr 2002 verschoben habe. "Angesichts der aktuellen Marktsituation wurde aber der Wunsch immer lauter, den deutschen Mac-Event zeitlich näher zu anderen globalen Mac-Veranstaltungen stattfinden zu lassen," begründet Infotrain die Verschiebung. Die gewonnene Zeit wolle man dazu nutzen, "durch neue Partner die Bedeutung der Maxpo signifikant zu steigern." Wer diese Partner seien, könne man ebenso wie den neuen Termin erst in drei bis vier Wochen nennen.

Kurzfristige Absage

"Diese Nachricht hat uns wie ein Schlag getroffen," beklagt sich Rainer Wolf, Geschäftsführer des Software-Versenders Arktis. Besonders empfindet er es als "Frechheit", dass Infotrain erst sechs Wochen vor dem Termin die Messe abgesagt hat. Arktis habe bereits jede Menge Arbeit in die Vorbereitung der Ausstellung gesteckt, auf der man exklusive Neuheiten wie Moohrhuhn 2 für den Mac habe zeigen wollen und diverse Schnäppchen aus der Spieleserie Mac Edition habe an den Mann bringen wollen.
Die in München parallel zur Systems ausgerichtete Mac Solutions Area ist für Arktis keine Alternative: "Wir brauchen eine Verkaufsmesse." Zur Premiere der Maxpo hatte Arktis noch gefehlt, man wollte zunächst den Erfolg der Veranstaltung abwarten. Da sich aber zur Maxpo 2001 "alle Mitbewerber" angekündigt hätten und die Gelegenheit günstig gewesen sei, über neue Distributionen zu informieren und Lagerbestände zu verkaufen, habe man sich in Rosendahl zur Teilnahme entschieden.
Kurz entschlossen bietet Arktis seinen Kunden eine Alternative an. Am 21. und 22. September lädt der Händler zu den Mac Days auf seinem Firmengelände ein. Auch andere enttäuschte Aussteller der Maxpo wie ASH, Epic Interactive und Titan sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Produkte auf eigene Rechnung dort zu verkaufen. Man könne jedoch nur einen kleineren Rahmen bieten, statt der für die Maxpo anvisierten 20.000 Besucher rechnet Wolf mit 1.000 Interessenten: "Das wäre ein Erfolg."
Mit dem Erfolg der verschobenen Messe rechnet er jedoch nicht mehr: "Ich glaube nicht, dass im Frühjahr daraus etwas wird. Die Maxpo ist durch."

Bessere Zeiten im Frühjahr 2002G

anz anders sieht das die Maxpo-Projektleiterin bei Infotrain, Barbara Herpich. Noch am Freitag habe man alle Aussteller und Partner erreichen und von der Verschiebung unterrichten können und sei dabei überwiegend auf Verständnis gestoßen. Das Jahr 2001 sei schwierig, viele Budgets eingefroren und zudem die Stimmung allgemein schlecht im Markt. Bevor man eine Rumpf-Messe veranstalte, welche den Ruf der gesamten Branche ruiniere, wolle man lieber auf "bessere Zeiten" hoffen.
Das Konzept der Veranstaltung hat sich gegenüber dem Premierenjahr verändert, den "vom Handel dominierten" deutschen Mac-Markt will man sowohl von der Anwender- als auch von Profi-Seite darstellen. Präsentierten sich 2000 im Kölner Vorort Ossendorf hauptsächlich Händler und Dienstleister mit dem festen Willen, "es auch ohne Apple zu schaffen", sollte die diesjährige Maxpo auch mehr Hersteller als Aussteller mit einbeziehen. Doch gerade deren ökonomische Realitäten hätten das Konzept zu diesem Zeitpunkt schwer realisierbar gemacht. Auch Apple spielte in den Augen der Messeveranstalter eine wichtige Rolle, den Maxpo-Kongress hätte Apple-Deutschland-Chef Frank Steinhoff eröffnen sollen.
Wer die in der Presseerklärung angekündigten Partner seien, konnte Frau Herpich nicht verraten und verweist auf das Versprechen, in etwa einem Monat mehr Details preis zu geben. Ob sich am Messekonzept bis dahin etwas ändere, hänge auch von den Partnern ab.

Zu kleiner Markt

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge reagiert der Veranstalter der Mac Solutions Area auf die Absage des Kölner Messetermins. "Die Lage ist prekär, auch uns hätte es treffen können," erklärt der für die Organisation des Events verantwortliche Dirk Beiersdorf Macwelt gegenüber. In erster Linie habe er "Mitgefühl" mit den Kollegen in Hamburg, andererseits werde nun die Mac Solutions Area mit Unterstützung der Systems die vom 17. bis 20. Oktober auf dem Münchener Messegelände angesetzte "Show auf möglichst hohem Niveau durchziehen." Cancom, Microsoft und Braintronics hätten ihre Teilnahme fest zugesagt zudem soll der Mac-Hersteller auf der Showbühne mit Vorträgen und Präsentationen präsent sein. Die fünfzehn Unteraussteller, die der Handelsriese Cancom mitbringen will, würden ihre Schwerpunkte auf "Peripherie und Service" legen. Generell legt die Mac Solutions Area ihren Fokus auf professionelles Publikum, dementsprechend hätten einige potentielle Aussteller die Veranstaltung als nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten gesehen. Nach der Verschiebung der Kölner Messe würde man jedoch wieder mit einigen Maxpo-Kunden in Gespräche über einen Stand in München-Riem kommen.
Eine Konkurrenz-Veranstaltung zur Maxpo sei die Mac Solutions Area jedoch nur aufgrund der derzeitigen ökonomischen Rahmenbedingungen. "Wäre der Markt groß genug, dann hätten die Mac Solution Area als Profi-Messe und die Maxpo als Verbraucherveranstaltung nebeneinander Platz."

Paris bleibt Paris

Zwischen den Zeilen der Infotrain-Presseerklärung taucht nach Ansicht vieler Insider der Name Apple auf, bei dem "neuen Partner zur signifikanten Steigerung der Bedeutung" könne es sich um den Mac-Hersteller handeln. Nach Beiersdorfs Ansicht warte Apple Deutschland nur noch auf die Zustimmung aus Cupertino, um im Frühjahr einen eigenen Mac-Event in Deutschland zu veranstalten. Da die Apple Expo in Paris trotz des wahrscheinlichen Erscheinens von Steve Jobs und der Hoffnung auf brandneue Produkte erneut zu einer nationalen Angelegenheit zu werden drohe, suche Apple laut Dirk Beiersdorf in Deutschland nach Partnern für eine Consumer-Messe. Frank Steinhoff, Geschäftsführer von Apple Deutschland, habe jedoch auch den Machern der Mac Solutions Area Gespräche über eine mögliche Veranstaltung zugesichert, sofern in Kalifornien die Daumen nach oben gingen. Bislang bleibt es jedoch bei den offiziellen Messeplänen Apples mit der einzigen "europäischen" Veranstaltung im September in Paris. Zu den Spekulationen wollte Apple Deutschland Macwelt gegenüber keinen Kommentar abgeben, ebenso wenig war eine Reaktion auf den neuen Maxpo-Termin zu bekommen.

Peter Müller

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