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Holtrop: Ende der Schonfrist

02.02.2001 | 00:00 Uhr |

Noch gilt für den neuen T-Online-Chef Thomas
Holtrop eine Schonfrist. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als
Vorstandsvorsitzender der Telekom-Tochter auf einem Pressekolloquium
in Berlin ließ der ehemalige Banker aber schon einmal aufblitzen.
«Das Potenzial im Internet ist noch nicht annähernd ausgeschöpft»,
sagte er bei einer Podiumsdiskussion über die Zukunft des Internets.

Die Branche stehe im elektronischen Handel (E-Commerce) erst am
Anfang der Entwicklung, meinte Holtrop. Über die künftigen
Geschäftsstrategien von T-Online selbst wollte er sich allerdings
nicht äußern. In allen Komponenten werde sie derzeit überarbeitet -
angefangen vom Geschäftsmodell, über Tarife bis zu den
internationalen Plänen, sagte er weiter. Seit Anfang dieses Jahres
steht Holtrop an der Spitze der T-Online International AG
(Darmstadt), mit rund acht Millionen Kunden größter Onliniedienst in
Europa.

Wie diese Strategie in den Grundzügen aussehen könnte, ließ er
indirekt mit seiner Einschätzung zur nachlassenden Börsen-Euphorie
über Internetfirmen durchblicken. Mit einem stabilen Geschäftsmodell,
das nicht nur auf den elektronischen Handel beruhe, sondern unter
anderem auch auf Inhalte-Teile, würden sich die Werte am Neuen Markt
wieder konsolidieren. Dabei schloss er T-Online ein.

Die starke Korrektur der Aktienkurse bezeichnete Holtrop als
gesund: «Man hat die Realität wieder gefunden». Ob er damit auch das
gegenwärtige Kursniveau der T-Online-Aktie meinte, darf bezweifelt
werden. Seit dem Börsengang des Unternehmens im April 2000 ist das
Papier nach einem kurzzeitigen Hoch (47 Euro) tief in den Keller
gefallen und lag am Donnerstag bei 13,20 Euro. Investoren, die beim
Börsengang des Unternehmens Aktien zugeteilt bekamen, haben bis heute
mehr als die Hälfte der Summe verloren.

Mit Spannung warten Aktienanalysten und Journalisten auf die erste
Pressekonferenz am 13. März in Frankfurt, auf der Holtrop eine «neue»
T-Online vorstellen will. In der Darmstädter Unternehmenszentrale sei
der neue Chef jedenfalls gut angekommen, meinte ein Mitarbeiter des
Unternehmens.

Dabei steht Holtrop vor keiner einfachen Aufgabe: Nicht nur der
eingeknickte Börsenkurs macht dem Unternehmen und dem Mutterkonzern
zu schaffen. Die Online-Tochter war mit dem Weggang von Wolfgang
Keuntje Ende August auch in die tiefe Führungskrise geraten. Neben
dem Ex-Vorstandschef warf fast die komplette Führungsmannschaft das
Handtuch. Die Suche nach einem neuen Vorstandschef gestaltete sich
langwierig. Erst Ende vergangenen Jahres wurde Telekom-Vorstandschef
Ron Sommer fündig und präsentierte seine Wahl, den Banker Holtrop.
dpa

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