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I'm trouble - yeah trouble now

14.01.2004 | 12:42 Uhr |

Für Unruhe sorgen die kopiergeschütze Audio-CDs, die alle Songs in zwei Fassungen enthalten. Jetzt wollen Musiker und Verleger für die doppelten Inhalte auch Bezahlung.

Während Hitparadenstürmerin Pink ihren musikalischen Trouble schon in klingende Münze umgesetzt hat, fordern zahllose Songschreiber und Musikverleger Entschädigungen von der Musikindustrie, die zu Ausgleichszahlungen in Milliardenhöhe führen könnten. Stein des Anstoßes sind nach einem Bericht der US-Site News.com Audio-CDs im so genannten Double-Session-Format. Hier haben die Plattenfirmen neben den kopiergeschützten Sounddateien alle Lieder nochmals in einem MP3-tauglichen Format auf jede CD gebrannt. Damit kommen sie den Käufern entgegen, die die Lieder zwar nicht kopieren, aber die meist im WMA-Format vorliegenden zweiten Fassungen auf ihren Mac oder MP3-Rechner übertragen können.

Zwei Lieder - zweifache Bezahlung

Dies ruft nun die Musiker und ihre Verleger auf den Plan, die mit der üblichen Abgabe von einigen Cent pro verkaufter CD nicht mehr zufrieden sind. Da die Lieder zweimal auf jeder CD verkauft würden, fordern sie auch eine höhere Abgabe. Da nach Schätzungen der Firma :Macrovision , die eines der bei Double-Session-CDs verwendeten Kopierschutzverfahren entwickelt hat, wurden bis dato mehr als 200 Millionen CDs verkauft, was ungefähr 2 Milliarden Liedern entspräche. Setzen die Musiker tatsächlich ihre Forderungen durch, müssten die Plattenfirmen zigtausende Millionen US-Dollar Nachzahlung leisten - trotz der geringen Abgabe pro Lied.

Nach Einschätzung von Macrovision hätten die Plattenfirmen nur danach gesucht, Raubkopien einzudämmen. Jetzt könnte sich die Digital-Rights-Frage gegen ihre Verfechter richten, da man die Urheberrechte völlig außer Acht gelassen habe.

Die Tatsache, dass ein Lied zweimal auf einem Datenträger vorhanden sei, könne nicht dazu führen, es als eine Kopie zu betrachten, begründet ein Vertreter der National Music Publisher Association, der größten Vereinigung von Musikschaffenden in den USA.

Noch wehren sich die Plattenfirmen gegen die Ansprüche der Urheber, hatten sie in den vergangenen Jahren doch sowieso schon mit ständig sinkenden Umsätzen und Gewinnen zu kämpfen. Nach offiziellen Statements sind beide Seiten bemüht, eine Lösung am Verhandlungstisch zu finden, bevor ein Gericht die Urheberrechtsfrage klären muss.

Verschiebung der Machtpositionen im Musikmarkt

Für die Musikschaffenden steht jedoch nicht nur eine Menge Geld auf dem Spiel. Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf zwischen Musikern und Verlegern auf der einen und den Plattenfirmen auf der anderen Seite. Schon die Einführung von Internet-Musicstores wie dem von Apple hatte für Unruhe gesorgt, weil die Plattenfirmen die neuen Vertriebswege so weit als möglich blockiert hatten um ihre Umsätze nicht zu gefährden. Nun sehen die Urheber eine gute Chance, die Vertragsstrukturen, die noch überwiegend aus der Zeit der Vinylplatten stammen endlich zu ändern und zu modernisieren. Zur Debatte stehen nämlich nicht nur die kopiergeschützten Audio-CDs, sondern alle Medien, die Songs in mehreren Fassungen enthalten. Egal ob es dabei um verschiedene Qualitätsstufen geht oder beispielsweise auch DVDs, die neben einem Film die Filmmusik als eigene Datei enthalten. Für die Plattenverleger ist das Verhalten der Urheber unverständlich: Während wir hier verzweifelt versuchen, ein Geschäft zu machen, kämpfen die Verleger nur um ein größeres Stück vom Kuchen - ohne zu sehen, dass der Kuchen immer kleiner wird - beklagt sich ein Vertreter der großen US-Labels.

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