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IBC 2003 in Amsterdam

19.09.2003 | 13:05 Uhr |

Alle Jahre wieder trifft sich die Cremè de la Cremè der Film- und Videoindustrie auf der International Broadcast Convention, kurz IBC, im niederländischen Amsterdam.

In diesem Jahr stand die Messe in weiten Teilen im Zeichen der kostengünstigen Produktionswerkzeuge. Waren es im letzten Jahrtausend noch die Media 100- und Avid-Banner, die großflächig über den Eingängen prangten, zierten in diesem Jahr hauptsächlich Apple- und Adobe-Plakate die kostspieligen Werbeflächen. Da ist es nicht verwunderlich, dass Avid in Halle 7 eher wie ein Unteraussteller des monströsen Apple-Standes wirkte. Auch Media 100 hatte kaum mehr als eine Ecke zu bieten, wohingegen Adobe die ganze Breitseite der Halle 10 in Anspruch nahm. Der scheinbar beliebteste Rechner der Messe war in diesem Jahr kein Dell, IBM, HP oder Sony, sondern der breitschultrige Silberbarren mit G5-Gravur; man sah ihn recht häufig, und manchmal war das Interesse am neuen Apple-Flagschiff gar höher als an den Produkten des jeweiligen Ausstellers.

So nutzten viele Firmen die IBC, um kleinere und größere Produktneuheiten zu zeigen: Blackmagic Design kündigte beispielsweise eine HighDefinition-Karte für Mac OS X zum derzeit ungeschlagenen Preis von knapp 2.500 Euro an. Da das HD-Format allgemein zu den Topthemen der Messe gehörte, war das Interesse an der Karte entsprechend hoch ( www.decklink.com ). AJA nutzte die Gelegenheit, um sowohl die IO-Box für Final Cut Pro auf 4.000 US-Dollar als auch die Kona SD-Karte mit analogen Anschlüssen auf 2.500 US-Dollar im Preis zu senken ( www.kona.com ). Die Firma Pinnacle, sonst eher unter Windows zuhause, führte stolz die Revision 4.0.1 der Cinewave-Karte auf einem G5 vor, entsprechende Echtzeit-Effekte natürlich inbegriffen ( www.pinnaclesys.com ). Einzig Digital Voodoo machte sich in der Apple-Gemeinde keine Freunde: Nachdem man es seit Jahr und Tag nicht geschafft hatte, verlässliche Mac OS X Treiber für die Voodoo-Videokarten zu programmieren, stellte man kurzerhand den kompletten Support für die Mac-Plattform ein. Schuld seien die G5 mit 5 statt 3,3 Volt PCI-Spannung. Dieses könne und wolle man nicht akzeptieren ( www.digitalvoodoo.net ).

Dass Digital Voodoo damit gegen den allgemeinen Trend der Entwicklung zugunsten des Macs schwimmt, beweisen die zahlreichen Ankündigungen der Software-Hersteller: So zeigte die Firma Curious die erste (Alpha-)Version des kommenden After Effects-Konkurrenten gFx mit Rotosplining und Painting auf Video ( www.curious-software.com ), Discreet brüstete sich mit der Entwicklung von Combustion 3 für Mac OS X ( www.discreet.com ), und Ultimatte führte die neue Version 1.5 des Stanzwerkeuges Advant Edge auf dem Mac vor. Besonders agil zeigten sich Plug-in-Hersteller wie Automatic Duck, deren Im- und Exporter 2.0 demnächst ganze Projekte auf AAF- und OMF-Basis zwischen Final Cut Pro, After Effects, Avid und Quantel hin- und herschubsen kann ( www.automaticduck.com ). Die Firma Conoa kündige das 3D-Plug-in für zahlreiche Videoapplikationen und Photoshop auf dem Mac an ( www.conoa.com ), und die Freaks von Digital Anarchy führten ebenfalls eine ganze Palette von Zusatzmodulen für After Effects, Photoshop und Combustion unter Mac OS X vor, u. a. Text Anarchy, Aurora, den 3D Keyframe Assistant sowie ein Texture-Werkzeug ( www.digitalanarchy.com ).

Einzig Apple hielt sich erwartungsgemäß mit den Neuankündigungen zurück. Obwohl sich Vizepräsident Phil Schiller persönlich die Ehre gab, vor der Apple-Gemeinde zu sprechen, blieb es seinem Boss vorbehalten, Neues auf der kurz nach der IBC startenden Apple Expo Paris zu verkünden. Neugierige IBC-Besucher sahen nur einen neuen Hall-Effekt für Logic sowie ein paar Demos von Final Cut Pro und Konsorten. Besonders spannend jedoch war die Vorführung der Videofähigkeiten des G5: Ohne Zusatzhardware, nur mit leistungsfähigem RAID ausgestattet, lieferte Final Cut Pro 4 tatsächlich acht Streams DV (Bild in Bild) sowie fünf Streams unkomprimiertes SD-Video in Echtzeit. Lustiger Weise wurde der vorführende Apple-Promoter nicht müde zum wiederholten Mal zu betonen, dass es sich hierbei nur um eine Technology-Preview gehandelt hat. Nun, dafür kam sie beim Publikum recht gut an und machte wohl auch dem einen oder anderen beisitzenden, eingefleischten Windows-Anwender den Mund wässerig.

:Bilder von der IBC...

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