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IBM führt erneut Weltrangliste der schnellsten Computer an

14.11.2005 | 10:48 Uhr |

Weil sein Aktienkurs nicht hoch genug ist, hat der der Lieferant von Apples iPod-Chips die geplante Emission weiterer 4,5 Millionen Aktien gestoppt.

IBM Blue Gene
Vergrößern IBM Blue Gene

Mit neuen Superlativen hat sich die Rechenanlage “BlueGene/L” als schnellster Computer der Welt zum dritten Mal in Folge an der Spitze der Weltrangliste “Top 500” behauptet. Die von IBM gemeinsam mit dem US-Ministerium für Nuklearsicherheit konstruierte Anlage hat ihre Leistung innerhalb eines halben Jahres gut verdoppelt und kommt nun auf eine Leistung von 280,6 Teraflops (Billionen Rechenschritten) in der Sekunde. Damit rechnet die Anlage rund 35 000 Mal schneller als ein moderner Personal Computer. Europas schnellster Computer “Mare Nostrum” in Barcelona, ebenfalls von IBM, rutschte in der am Montag in Seattle veröffentlichten Liste mit einer Leistung von 27,9 Teraflops vom fünften auf den achten Platz.

Die schnellste “BlueGene/L”-Anlage der Welt wird im Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien für die Proteinforschung genutzt. Sie dient den Wissenschaftlern aber auch zur Langzeitüberwachung von Materialien, die in Nuklearanlagen eingesetzt werden. Die Plätze zwei und drei belegen mit “BlueGene Watson” und einem weiteren Rechner des US-Ministeriums für Nuklearsicherheit aus der pSeries-Baureihe mit 91,2 und 63,4 Teraflops ebenfalls Anlagen des Technologie-Unternehmens IBM. Der vor anderthalb Jahren von der Spitze abgelöste “Earth Simulator” des japanischen Herstellers NEC wurde mit 35,8 Teraflops auf den siebten Platz verwiesen.

Aus Europa haben es insgesamt zwei Anlagen unter die ersten zehn Plätze geschafft. Die Technologie, die “Mare Nostrum” auf dem achten Platz zu Grunde liegt, wurde in den Labors von IBM in Böblingen entwickelt. Die Anlage steht in der polytechnischen Universität in Barcelona und hilft den Wissenschaftlern dort bei der Erforschung von Genen und Proteinen, Klimaveränderungen und neuen Medikamenten.

Auf dem neunten Platz rangiert ein “BlueGene/L”-Modell mit 27,4 Teraflops aus dem niederländischen Groningen. Die Rechenanlage dient in erster Linie der Himmelskartierung. Sie wertet Millionen von Daten aus, die mehrere hundert in diesem Gebiet aufgestellte Radioantennen liefern. Aus der Analyse der Daten, die die wie ein Riesenteleskop arbeitenden Antennen liefern, sollen zum Beispiel auch Phänomene wie eine Supernova zurückverfolgt werden. Eine weitere “BlueGene”-Anlage wurde in Europa erst vor rund sechs Wochen in Jülich eingeweiht. Mit 4,7 Teraflops rangiert sie auf Platz 75 und soll den Wissenschaftlern zum Beispiel helfen, die Ausbreitung von Schadstoffe im Boden zu analysieren. IBM liegt derzeit mit 43,8 Prozent aller in den “Top 500” gelisteten Systeme als Computerhersteller in Führung, gefolgt von Hewlett-Packard mit 33,8 Prozent. Kein weiterer Hersteller kommt dahinter auf mehr als 7 Prozent. Mittlerweile werden statt gigantischer, Fußballfeld großer Anlagen immer kleinere und flexiblere Systeme gebaut. Unter den “Top 500” sind bereits 360 Systeme so genannte Cluster. Dabei werden viele Einzelsysteme zu einem Netz verbunden.

Hans Werner Meurer, Professor an der Universität in Mannheim, gibt seit 1993 die Liste “Top 500” gemeinsam mit drei weiteren amerikanischen Wissenschaftlern heraus. Zwei Mal im Jahr sorgt die Liste für eine viel beachtete Leistungsschau, die immer höhere Bestmarken erzielt. Das letztrangierende Rechensystem unter den 500 schnellsten Anlagen wäre noch vor einem Jahr auf den Platz 173 gekommen. Auch die Gesamtleistung der in der Liste geführten Rechner hat sich innerhalb eines Jahres von 1,127 auf nun 2,30 Petaflops (tausend Teraflops) verdoppelt. Die führenden Industrienationen geben jährlich mehrere Milliarden Dollar für den Bau von Supercomputern aus. Der Xserve-Cluster der technischen Universität von Virginia landet in der aktuellen Top-500-Liste mit seinen 12,25 Teraflops auf dem 20. Platz. Bester Supercomputer auf Basis von Apple-Hardware ist auf Platz 15 und einer Rechenleistung von 16,2 Teraflops das Mach-5-System der COLSA.

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