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IBMs System/360 feiert 40. Geburtstag

07.04.2004 | 10:38 Uhr |

Böblingen - "Es war wie das Anwerfen eines Kraftwerks. Der doppelte Boden des Rechenzentrums erzitterte, brummende Ventilatoren wühlten die Luft auf, Magnetplatten sangen das hohe C."

Der Großrechner System/360 von IBM hinterließ beim Schweizer Schriftsteller Emil Zopfi, der Anfang der siebziger Jahre als IBM- Systemingenieur arbeitete, einen nachhaltigen Eindruck. "Eine Stunde Rechenzeit auf einer IBM/360, das war Computer total." Vor 40 Jahren, am 7. April 1964, kündigte IBM in Böblingen und 77 anderen Orten weltweit das bahnbrechende Großrechnersystem an. Technik-Historiker stellen das schrankgroße System/360 von IBM in eine Reihe mit dem Model T von Ford oder dem 707-Jet von Boeing. Schließlich begründete IBM mit diesem Großrechner die eigenständige Herstellung von Software. Zuvor waren Betriebssystem und Anwendungsprogramme immer an ein bestimmtes Rechnermodell gekoppelt.

IBM-Chef Tom Watson jr. war Anfang der 60er Jahre bereit, das Schicksal der Firma auf eine völlig neue Basis zu stellen. «Das ist so, als ob General Motors beschlossen hätte, alle seine bisherigen Automodelle aus dem Angebot zu werfen und stattdessen eine neue Autoserie anzubieten, die allen Wünschen gerecht wird, mit nagelneuen Motoren ausgerüstet und mit einem exotischen Treibstoff angetrieben wird», schrieb die Zeitschrift "Fortune" im September 1966.

"Erstmals wurde ein Großrechner als Rechnerfamilie konzipiert", sagt Ralf Bülow, Computer-Historiker des Heinz-Nixdorf-MuseumForums (HNF) in Paderborn. Damit wurde insbesondere die Wiederverwendbarkeit von Programmen gewährleistet, denn bislang musste Software bei einem Systemumstieg immer wieder neu geschrieben werden. "So konnten Firmen oder Behörden mit einer kleinen Variante des System/360 beginnen und später auf größere Maschinen umsteigen, ohne dass sie Probleme mit der Kompatibilität der Software hatten."

Bei der Einführung des neuen Großrechners griff Watson jr. in die Trickkiste. Im April 1964 war das neue System längst noch nicht fertig. Watson hatte aber mitbekommen, dass der kleine Wettbewerber CDC "den größten und schnellsten Computer der Welt" auf den Markt bringen wollte. Gegen den "Phantom-Computer" von IBM, der erst anderthalb Jahre später tatsächlich ausgeliefert wurde, hatte CDC aber keine Chance mehr. Ein von CDC angestrengter Prozess wegen unlauteren Wettbewerbs endete 1973 dann mit einem Vergleich.

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