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ICANN plant TLD gegen Spam

23.03.2004 | 15:41 Uhr |

Mit einer neuen Top-Level-Domain will die Internetregiereung Spammern den E-Mail-Verkehr unterbinden.

Nachdem der Anteil unerwünschter Werbemail am gesamten E-Mail-Verkehr nach der jüngsten Untersuchung des Anti-Spam-Unternehmens Brightmail rund 62 Prozent beträgt, ist die flotte Kommunikation über POP3, IMAP und SMTP ernsthaft bedroht. Surfer melden immer neue, nur für kurze Zeit Spam freie E-Mail-Adressen für sich an und verlieren rasch den Überblick, Spamfilter arbeiten entweder so restriktiv, dass auch erwünschte Nachrichten nicht zum Empfänger durchdringen oder erweisen sich als wirkungslos, manche haben die Kommunikation per E-Mail gleich ganz aufgegeben. Denn der wirksamste Schutz gegen Spam ist immer noch, niemandem seine E-Mail-Adresse zu verraten.
Spammern soll es jetzt aber an den Kragen gehen, technische Lösungen und rechtliche Hindernisse sollen den schwarzen Schafen des E-Mail-Marketings das Handwerk legen. Eine geringes elektronisches Porto, wie es im vergangene Jahr der Senator für den US-Bundesstaat Minnesota Mark Dayton vorgeschlagen hat, würde Verbraucher wenig belasten, für Massenversender das Medium aber unattraktiv machen. Damit wären aber vorwiegend Firmen betroffen, die sich mit ihrer Massenwerbung oder ihren Newslettern an die Nettiquette halten und elektronische Post nur auf Bestellung versenden (Opt-in).
Ende vergangenen Jahres unterschrieb US-Präsident Bush das Gesetz CAN-SPAM (Controlling the Assault of Non-Solicited Pornography and Marketing), in dem Kritiker wegen dessen Opt-out-Regelungen - Werbemail muss der Empfänger abbestellen können - keinen wirksamen Hebel gegen die Spamflut sehen. Erste Klagen, die sich auf das neue Gesetz beziehen, haben in einer konzertierten Aktion jedoch die ISPs Microsoft, AOL, Earthlink und Yahoo eingereicht.

Das Hauptproblem ist dabei jedoch nicht, straf- und zivilrechtliche Urteile gegen die Spammer zu erwirken, sondern ihrer habhaft zu werden. Die meisten Versender von Werbemüll fälschen ihre Absender oder nutzen zuvor von Trojanern verursachte Infektionen von (Windows-)Rechnern unbescholtener Internetteilnehmer als Mail-Relay. Auch ein elektronisches Porto würde Massensendungen dieser Art nicht verhindern.

Die Ursachen der "überwiegenden Mehrheit des Spam" sieht der Hersteller von Filtersoftware Sophos laut seines Senior Messaging Analyst Chris Krafft in "der kommerziellen Natur des amerikanischen Denkens". Spam lohnt sich finanziell bereits wenn nur wenige Promille der belästigten Surfer auf die Angebote von überteuerten und/oder wirkungslosen Aphrodisiaka, Online-Casinos, Haarwuchsmittel oder Infobroschüren über Schönheitsoperationen eingehen respektive hereinfallen.

Der Flut ist wohl nur mit ausgeklügelten technischen Maßnahmen beizukommen, Turntide versucht es mit einem Anti-Spam-Router, der weltgrößte Internetprovider AOL versucht es mit dem auf SMTP aufbauenden Protokoll SPF (Sender Permitted From), das mit Whitelists und damit erlaubten Absenderdressen funktioniert.
Einen ähnlichen Ansatz prüft derzeit die "Internetregierung" ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), die eine neue Top-Level-Domain (TLD) .mail gegen den lästigen E-Mail-Verkehr einsetzen will.

Die ICANN will die neue, im Laufe diesen Jahres vergebene TLD, Mail-Providern vorbehalten, die überprüfen sollen, ob eine Massenmail von einer Spam freien Quelle kommt oder nicht. Mail-Server sollen die TLD nur verwenden dürfen, sofern sie Regeln befolgen, die eine gegenseitige Identifikation erlauben, Fälschungen will die ICANN ausschließen. Als Spam definiert dabei das System E-Mails die sowohl unerwünscht sind als auch eine Massensendung sind.
Die TLD .mail wird dabei für den Anwender unsichtbar bleiben, der nach wie vor einen gängigen Header in seinen E-Mails bekommt. Um zu erfahren, ob die auf einer Website abgegebene E-Mail-Adresse in zuverlässige Hände kommt, tippt der Surfer etwa die Adresse des Online-Händlers seiner Wahl in den Browser ein, führt die URL www.amazon.de.mail zur gewünschten Website, soll die E-Mail-Adresse sicher vor Spammern sein.

Die TLD .mail könnte in wenigen Monaten bereits freigeschalten sein, noch bis Ende März nimmt die ICANN Vorschläge für neue Top-Level-Domains an, ein Monat der öffentlichen Beratung soll folgen.

Info: ICANN

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