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IDC-Analysten geben grünes Licht für Apple

20.06.2001 | 00:00 Uhr |

In einer Analyse der Marktchancen Apples, die das US-Marktforschungsunternehmen IDC vergangene Woche veröffentlich hatte, geben die Marktforscher Apples Versuch, den Absatz durch eigene Läden zu steigern, gute Noten.

In einer Analyse der Marktchancen Apples, die das US-Marktforschungsunternehmen IDC vergangene Woche veröffentlich hatte, geben die Marktforscher Apples Versuch, den Absatz durch eigene Läden zu steigern, gute Noten,

Anthony Penzarella, der den IDC-Report zeichnete, lobte Apple für einen "revolutionären interaktiven Verkaufsansatz", wies aber gleichzeitig darauf hin, dass "der Weg zu einem größeren Marktanteil im Distributionsgeschäft steinig" sei.

Der Versuch, den Absatz über eigene Verkaufsstellen pushen zu wollen, hält IDC für eine "schwierige Aufgabe - nicht nur für Apple, sondern für jeden Anbieter". Nach einer von IDC aufgestellten Rechnung müsste Apple eine Verkaufsmarge von 25 Prozent über längere Zeit aufrechterhalten, um in den eigenen Läden überhaupt Profit machen zu können.

Apple hatte im Mai dieses seine ersten beiden eigenen Geschäfte eröffnet (www.macwelt.de berichtete) und will dieses Jahr noch 23 weitere Verkaufsstellen eröffnen, in denen neben der hauseigenen Hardware auch ausgesuchte Digitalkameras, Camcorder, PDAs sowie Software angeboten werden.

Viele Analysten hatten Apples neue Verkaufsstrategie kritisch beurteilt, weil der einzige PC-Hersteller, der bislang einen ähnlichen Weg eingeschlagen hatte, Gateway, im vergangenen Jahr heftige Absatzprobleme verzeichnen musste. Schuld an dieser Entwicklung sei laut IDC der immer langsamer wachsende Markt für PCs, der auch im nächsten Jahr keine besseren Zahlen verspräche. Nach Ansicht von IDC ist der PC-Markt mittlerweile schlicht gesättigt, und dies erschwere es den PC-Herstellern, glaubhafte Gründe zu präsentieren, warum sich ihre Kunden ständig neue Rechner anschaffen sollten.

Apple habe jedoch ein - laut Penzerella - einzigartiges Verkaufssmodell entwickelt, gerade weil man nicht ausschließlich eigene Produkte anbiete, sondern die Macs in "echten, funktionierenden Hardware-Umgebungen samt Peripherie vor den Augen der Kunden präsentiere". Außerdem zeige man auch den vor Ort installierten Rechnern immer aktuelle Software, um den potientiellen Käufern einen wirklichkeitsnahen Eindruck zu vermitteln. Laut Penzarella macht Apples neues Modell nicht nur "Sinn, sondern ist dazu bestimmt, von den anderen kopiert zu werden" - so der Marktforscher wörtlich.

Penzarella sieht eher Probleme in einer möglichen Konkurrenz zwischen Geschäften, die bisher schon Macs verkaufen und den neuen Apple-Shops. "Die Crux der neuen Strategie ist, wie Apple seine Distributionskanäle pflegen, mit neuen Ideen und Programme versorgen und so den Absatz steigern kann, ohne ihren eigenen Geschäften Kunden abspenstig zu machen." Je näher solche Geschäfte geografisch beeinander lägen, desto größer der Wettbewerb, der laut IDC-Studie zu einer "hässlichen Situation" führen könnte.

Apple sieht dieses Problem wohl auch, und verspricht seinen Stores Exklusivgeschäfte, beispielsweise bei Reparaturen. Trotzdem fühlen sich zahlreiche Distributoren schon jetzt unter Druck. Auch wenn die meisten Apple Stores in den USA den größten Anteil ihres Gewinns durch Serviceleistungen machen, muss sich Apple laut IDC weitere Anreize für die Distributoren ausdenken.

Trotz dieser Bedenken schließen die Marktforscher optimistisch und enden ihren Report mit dem Fazit: "Apple braucht einen größeren Martkanteil um wettbewerbsfähig zu bleiben. Solches Wachstum erreicht man aber nur mit neuen Ideen. Vielleicht sind eigene Läden der richtige Weg zu mehr Erfolg."

Marlene Buschbeck-Idlachemi

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