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Kritik an Apple wegen IPv6

16.04.2012 | 06:54 Uhr |

Mit Version 6.0 von Airport Utility hat Apple im Januar die Unterstützung des Internet-Protokoll Standards der nächsten Generation IPv6 gekappt.

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Auf der IPv6-Gipfelkonferrenz für Nord-Amerika in Denver letzte Woche geriet Apples Entscheidung, die Unterstützung für das Internet-Protokoll der nächsten Generation zurückzuziehen, zunehmend unter scharfen Beschuss. Konferenzteilnehmer gaben ihrer Frustration lebhaften Ausdruck, dass Apples aktuelle Version des Airport Utility 6.0 nicht weiterhin mit IPv6 kompatibel ist. In der unmittelbaren Vorgängerversion 5.6 waren die IPv6-Dienste noch die Standard-Einstellung.

Mit dem von Apple im Januar freigegebenen AirPort Utility 6.0 können Anwender Wi-Fi-Netze aufbauen und verwalten. Da Version 6.0 nun kein IPv6 mehr unterstützt, müssen Anwender zusätzlich die Version 5.6 installieren, um mit IPv6 kompatibel zu sein.

Comcast warnt jetzt all seine Kunden, die IPv6 einsetzen wollen, unter OS X 10.7 Lion nicht auf Apples Version 6.0 zu aktualisieren. John Brzozowski, leitender Architekt für IPv6 und Entwickler bei Comcast, zeigt sich verärgert. "Apple hat sang- und klanglos die Unterstützung von IPv6 entfernt. [..] Wir erwarteten von den Herstellern zunehmende Kompatibilität, und nicht etwa Rückzüge."

Comcast ist der erste US-Internet Service Provider, der IPv6 für Heim-Gateways unterstützt. Die offizielle Freigabe wird Ende April erwartet und Comcast bietet den Dienst derzeit nur in zwei Städten in des USA an. Abonnenten des Dienstes können mit über ihr Gateway all ihre IPv6-Geräte mit dem Internet verbinden. Die Firma empfiehlt seinen Anwendern nur noch mit einer Reihe von Auflagen und Einschränkungen den Einsatz von Apple AirPort Utility. Im Gegensatz dazu empfiehlt Comcast uneingeschränkt die Nutzung von IPv6-kompatiblen Heim-Gateway-Modellen von D-Link, Cisco und Netgear

Der Umstieg für Heim-Gateway-Hersteller auf IPv6 verläuft eher schleppend, bestätigt auch Timothy Winters, dem Manager für ein Kompatibilitäts-Forschungslab in der Universität von New Hampshire. Die Uni hat für nächste Woche eine große Feldstudie geplant und um den Ansprüchen für IPv6-Kompatibilität zu genügen müssen die Heim-Gateways IPv6 automatisch als Standard einstellen und eine Reihe von Tests bestehen. Derzeit erreichten nur sechs Modelle die 100-Prozent-Marke : Cisco, Actiontec, Broadcom, D-Link und Lantiq. Apple hingegen ist der einzige Gateway-Hersteller , der bereits existierende OPv6-Kompatibilität entfernte.

Langfristig ist der Umstieg auf IPv6 nicht zu vermeiden. IPv4 gehen bald die Adressen aus, um neue Geräte und Anwender mit dem Internet zu verbinden. IPv6 hat einen weitaus größeren Adressraum, aber ist nicht rückwärts-kompatibel zu IPv4. Internet-Service-Provider wie Comcast müssen daher von Router bis Server und Network ihre ganze Ausrüstung auf IPv6 umstellen. Alternativ könnte ein Provider auch eine Umsetzung von Adressen zwischen IPv4 und IPv6 implementieren, aber diese "Lösung" würde zunehmend Verzögerungszeiten beim Internet-Zugriff bedeuten und nebenbei die Betreibungskosten der Netzwerkdienste deutlich erhöhen.

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