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Im Alleingang: Intel setzt ab 2007 auf schnelleres WLAN

30.11.2006 | 15:17 Uhr |

In Macs steckt der neue WLAN-Standard bereits heimlich, ab 2007 aber folgt er in Intel-PCs ganz offiziell. Auf der IEEE Globecom 2006 Expo in San Francisco machte sich Alan Crouch unter Mitbewerbern keine Freunde: Der Direktor von Intels Communications Technology Lab kündigte an, der Hersteller werde in Centrino-Notebooks ab nächstem Jahr eine Vorversion des 802.11n-Standards für drahtlose Netzwerkverbindungen einsetzen. Damit hintergeht der Chip-Hersteller die Bemühungen des EWS (Enhanced Wireless Consortium), sich bis frühestens Ende 2007 auf einen gemeinsamen und verbindlichen WLAN-Standard zu einigen.

Die 26 weiteren Mitglieder des Konsortiums , darunter auch Apple, dürften über den Vorstoß Intels kaum erfreut sein: Denn wenn auch sie bereits im nächsten Jahr konkurrenzfähige WLAN-Produkte anbieten wollen, werden sie Intels Vorbild folgen müssen - und dem der der Hersteller Dell, Linksys, Belkin und D-Link. Die finale 802.11n-Version soll Daten mit bis zu 600 Megabit pro Sekunde übertragen und eine um 50 Prozent höhere Reichweite haben als der aktuelle Standard 802.11g. Bis sie aber fertig ist, verabschiedet das EWC erst einmal vorübergehende Entwürfe. Den ersten mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 300 Mbps haben die 27 Unternehmen unter der Leitung von Intel am 20. Januar 2006 beschlossen, einen finalen Entwurf im Mai dann aber nicht angenommen. Ein zweiter Pre-Standard dürfte bald folgen und den Herstellern engere Definitionen vorgeben. Bislang wäre denkbar gewesen, dass der finale 802.11n-Standard nicht mehr zu den Vorversionen abwärtskompatibel sein wird. Allerdings lässt sich nun kaum mehr abschätzen, welche Auswirkungen Intels Vorstoß auf die Zukunft von 802.11n haben wird. Die Notebookplattform Centrino, die Merom-CPU , Mainboard-Chipsatz und WLAN-Chip miteinander kombiniert, wird der Hersteller ab Anfang nächsten Jahres mit WLAN-Technik bestücken, die zum 802.11n-Vorstandard kompatibel ist. Nachdem sich das EWC nicht schnell genug einigen konnte, nimmt der Prozessor-Hersteller die Zügel also selbst in die Hand. Auf Grund der zu erwartenden Marktmacht der Centrino-Notebooks wird danach wohl kaum mehr ein Hersteller wagen, Produkte anzubieten, die nicht zum von Intel gewählten Vor-Standard kompatibel sind. Auch die finale Version dürfte an die Vorgaben gebunden sein. In einer Reihe aktueller Intel-Macs steckt für die WLAN-Anbindung ein Chip des Herstellers Broadcom, der die erste Vorversion des 802.11n-Standards ebenfalls bereits beherrscht - Mac OS X allerdings bietet dafür noch keine Treiber ( wir berichteten ). Ob der Broadcom-Chip mit Intels Lösungen konform gehen wird und mit ihnen zusammenarbeitet, ist noch nicht bekannt. Allerdings schwirren Gerüchte durch die Mac-Medien, Apple könne das schnellere drahtlose Netz ab Anfang 2007 benötigen, um hochauflösende Filme auf den digitalen Medienhub iTV zu übertragen.

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