969372

Im Zeichen des iPhones: Die Aktie boomt, die Konkurrenten rüsten auf

10.05.2007 | 14:54 Uhr |

Auf das iPhone antwortet Sun mit einem Prototypen, dessen Software auf Java basiert.

Microsoft hingegen lässt sich von "Get a Mac" inspirieren und versucht es mit Witz. Apple hat indes noch ein paar neue Funktionen hinzugefügt und denkt anscheinend auch darüber nach, ob man einen Touchscreen nicht auch von hinten bedienen könnte. Motorola-Chef Ed Zander wiederum sieht sich für die Markteinführung von Apples Telefon bestens gewappnet und tut das auch lauthals kund. Und die Apple-Aktie ist auf ihrem Weg nach oben auf Grund der frohen Anleger-Erwartungen kaum mehr zu bremsen. Das Technik-Jahr 2007 steht ganz im Zeichen des iPhones - eines Telefons, das es noch nicht einmal gibt.

Euphorie an der Börse

Würde es einen Preis fürs beste Marketing für ein noch nicht erschienenes Produkt geben, Apple müsste ihn wohl fürs iPhone bekommen. Mit einem Mac weiß nicht jeder etwas anzufangen, vom iPhone hat in einer breiten Bevölkerungsschicht fast alle etwas gehört - so zumindest unser subjektiver Eindruck. Denselben Eindruck müssen allerdings auch einige Finanzdienstleister gewonnen haben, die auch bei einem historischen Höchststand von über 105 US-Dollar noch immer euphorisch zum Kauf des Wertpapiers raten, Caris & Company beispielsweise : Bis zu 17 Millionen der kleinen Mobiltelefone könne Apple noch bis September 2008 verkaufen, so die Analysten, im Finanzjahr 2009 sollen es laut ihren Schätzungen sogar 25 Millionen sein. UBS schließt sich dieser Ansicht weitgehend an und setzt noch einen drauf: Ihr Experte, Ben Reitzes, hat sich vor kurzer Zeit mit Apples Management unterhalten und sieht nun auch für Apple TV rosige Zeiten kommen, zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft soll der Verkauf boomen.  

Antipathie bei Microsoft

Von all dem unberührt bleibt indes die Konkurrenz, zumindest tut sie so. Microsoft-CEO Steve Ballmer hat dem iPhone bereits vor Tagen ein Nischendasein prophezeit : "Es gibt keine Chance, dass das iPhone einen bedeutenden Marktanteil erlangt. Keinerlei Chance", meinte er in einem Interview mit USA Today. Der Hersteller aus Redmond bekräftigt die Einschätzung des Chefs seit heute sogar mit einem Werbeclip: Das drei Minuten lange Werk, das Apple mit einem allzu revolutionären "oPhone" auf die Schippe nimmt, findet sich unter anderem bei WinFuture.de .  

Neues von den Platzhirschen

Ernsthafte Vorbereitungen treffen die andere Hersteller. Sony Ericcson hat gestern seine Antwort auf Apples Mobiltelefon vorgestellt: Sie heißt P1i und soll das aktuelle Smartphone P990i ersetzen. Für rund 600 Euro bekommt der Käufer einen integrierten WLAN-Anschluss, neben einer klassischen Tastatur auch einen Touchscreen und Zugang zu Push-E-Mail und Microsoft Exchange-Servern. Ed Zander, CEO des weltweit führenden Herstellers Motorola, sieht dem iPhone nach eigenen Angaben ebenfalls gelassen entgegen. Er hat wohl ebenfalls noch einen Trumpf in der Tasche: Nächste Woche möchte er in Europa ein neues Handy "mit unglaublichen Video-Qualitäten" vorstellen, das es mit Apples Gerät aufnehmen soll. Sun schließlich will in Zukunft auch bei der Softwareentwicklung für Mobiltelefone mitmischen: Bei der JavaOne-Konferenz am 8. Mai hat der Hersteller einen Prototypen vorgestellt , der dem iPhone äußerst ähnlich sehen soll - ein "jPhone": Es basiert komplett auf Software von Sun, insbesondere auf der mobilen Java-Version Mobile FX. Laut CEO Jonathan Schwartz verhandelt das Unternehmen bereits mit Telefonherstellern und Netzbetreibern, schon 2008 könnten erste Handys mit Sun-Software auf den Markt kommen.  

Apple auf der Zielgeraden

Bislang entspricht das, was die Öffentlichkeit vom iPhone weiß, im Wesentlichen noch dem Stand vom Januar, als Steve Jobs in San Francisco eine ganze Keynote lang fast ausschließlich seinen Mobiltelefon-Prototypen vorstellte. Allerdings wird das Gerät bereits bei der Markteinführung mehr Funktionen beherrschen, dafür sprechen Dokumente des Netzbetreibers AT&T: In einer E-Mail an Mitarbeiter des Unternehmens zeigt die Abbildung einer iPhone-Oberfläche zwei neue Icons, ein Auto und ein Essbesteck: Dahinter könnten sich Navigationslösungen durch den Straßenverkehr und zum nächsten Restaurant verbergen. Nach der Markteinführung sollen sukzessive neue Applikationen für das Telefon erscheinen. Ob das erste iPhone ein Knaller wird oder nicht, wird sich bald herausstellen. Wenn nicht, dann schafft das eben der Nachfolger. Schon bemüht sich Apple um die Patentierung einer neuen Erfindung , die die US-Patentbehörde heute publik gemacht hat: Warum sollte man fettige Finger dem Display platzieren, wenn es auch anders geht? Das fragen sich die Ingenieure in Silicon Valley und wissen eine Lösung. Für die Bedienung eines iPods oder des iPhones schlagen sie vor, die Bedienelemente auf dem Display an der Vorderseite durch Bewegungen des Fingers auf der berührungsempfindlichen Rückseite zu steuern. Klingt kompliziert? Das mag sein. Aber irgendetwas will Steve Jobs ja auch 2008 noch in seinen Keynotes erklären dürfen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
969372