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Immer öfter per E-Mail zum neuen Job

07.03.2005 | 10:25 Uhr |

Bewerbungen über das Internet sind auf dem Vormarsch.

Der Anteil elektronischer Bewerbungen liegt in Deutschland derzeit bei 43 Prozent. Das hat die von der Universität Frankfurt und der Online-Stellenbörse Monster erstellte Studie «Recruiting Trends 2005» ergeben. Und die Tendenz geht zu noch mehr Bewerbungen per E-Mail. Doch noch können sich Bewerber entscheiden: Die meisten Unternehmen akzeptieren weiterhin klassische Mappen. Immer öfter haben Kandidaten die Wahl zwischen E-Mail-Bewerbung, Mappe und Formularen auf der Unternehmens-Homepage oder in Jobbörsen. Dabei lässt sich nicht pauschal feststellen, wann Online-Bewerbungen die besseren Chancen bieten, sagt Prof. Wolfgang König von der Universität Frankfurt, Co-Autor der Studie. «Unsere Daten deuten allerdings darauf hin, dass die Unterschiede nach Qualifikation, Branchen und Unternehmensgrößen zunehmend verschwinden.»

Einen Trend hat zumindest der Bewerbungstrainer Jürgen Hesse aus Berlin ausgemacht: Eine elektronische Bewerbung sei um so sinnvoller, je größer ein Unternehmen ist, je mehr es mit digitalen Techniken zu tun hat und je höher Qualifikationen und Stellenanforderungen sind. Wer sich nicht sicher ist, sollte vor der Bewerbung recherchieren, rät Svenja Hofert, Fachautorin aus Hamburg: Was steht in der Anzeige? Wie stellt sich das Unternehmen auf der eigenen Homepage dar? «Firmen wie Siemens schreiben ganz klar, dass sie Online-Bewerbungen bevorzugen», sagt Hofert. Im Zweifel helfe ein Anruf im Unternehmen.

Lässt die Firma dem Kandidaten die freie Wahl, dann sei eine Postbewerbung zu bevorzugen, rät Hofert, die Autorin eines Ratgebers für Online-Bewerbungen ist («Stellensuche und Bewerbung im Internet», Humboldt-Verlag, ISBN 3-89994-912-9, 9,80 Euro). «Auf dem Papier hat man ganz andere Möglichkeiten, sich selbst darzustellen und den Leser dazu zu verführen, sich mit dem Bewerber zu beschäftigen», bestätigt Karriereberater Hesse.

Zudem bergen elektronische Bewerbungen einige Gefahren: E-Mails können in elektronischen Filtern hängen bleiben. Web-Formulare sind im Vergleich dazu zwar sicherer. Manche Unternehmen nutzen sie jedoch, um noch schneller auszusieben - «zum Beispiel nach Alter, Qualifikation oder anderen Kriterien», warnt Hesse.

Wird ausdrücklich eine elektronische Bewerbung verlangt, dann sollten Bewerber deren Stärken nutzen. E-Mail-Bewerbungen lassen sich einfach individualisieren und eignen sich besonders als Kurzbewerbungen, betont Hesse. «Sie sollen Neugierde wecken, vielleicht zu einem Telefonat führen.» Für die Profile in Jobbörsen spreche, dass sie leicht zu aktualisieren sind. Und ein Formular auf einer Unternehmens-Website könnten Kandidaten unverbindlich testen - mit falschem Namen und einer anonymen E-Mail-Adresse.

Viel Zeit sparen elektronische Bewerbungen allerdings nicht: Sie sollten auch im Internet sorgfältig verfasst werden und so individuell wie möglich ausfallen, rät Hesse. Wer seine Bewerbungen wie Serienbriefe verschickt, habe kaum eine Chance. Folglich müssen die Daten für jedes Profil und jede Bewerbung neu eingegeben werden. Oder der Bewerber nutzt so genannte Attachements: Dateien, die als Anhang in eine E-Mail oder ein Formular eingefügt werden.

Für solche Anhänge empfiehlt Svenja Hofert PDF-Dateien. Ob Lebenslauf, eingescannte Zeugnisse oder Foto: Alles lässt sich in das PDF-Format umwandeln. Die dafür benötigte Software gibt es inzwischen für den Privatgebrauch im Internet oft kostenlos, zum Beispiel unter www.pdfdrucker.de oder unter www.freepdf.de .

In manchen Unternehmen sind Attachements sehr gefragt. So verlangt die Siemens AG in München Anschreiben, Lebenslauf und ein Zeugnis als Anhang. Auch die Bertelsmann AG in Gütersloh legt auf Attachements wert, sagt Unternehmenssprecher Oliver Fahlbusch: «Durch die Möglichkeit, individuell gestaltete Dokumente anzuhängen, hat sich die Qualität der Bewerbungen deutlich erhöht.» Der Anteil an Online-Bewerbungen liege bei Bertelsmann bei 70 Prozent.

Völlig ungebrochen ist der Trend zur digitalen Bewerbung allerdings nicht. Eine «kleine Gegenbewegung» hat Rainer Schmidt-Rudloff von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin ausgemacht: Weil digitale Angebote oft zu einer Flut von Bewerbungen führen, seien manchen Firmen davon wieder abgekommen. «Es gibt Unternehmen, die sich wieder bevorzugt schriftliche Mappen schicken lassen. Das reduziert automatisch die Zahl der Bewerbungen.»

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